Grundwasser

Bereits drei Freiämter Grundwasser-Pumpwerke betroffen – jetzt reagiert Bauernverband auf Pestizid-Problem

Im Villmerger Pumpwerk Kreuzester ist ein Chlorothalonil-Wert von 0,87 mg/l gemessen worden, die Toleranzgrenze liegt bei 0,1 mg/l. Die Fördermenge wurde jetzt massiv zurückgefahren.

Bereits drei Freiämter Gemeinden sind betroffen – der Bauernverband empfiehlt das Mittel Chlorothalonil nicht mehr zu verwenden.

Es ist eine schwierige Situation für die Bauern: Bis im Frühsommer galt Chlorothalonil als harmlos und durfte als Fungizid gegen Pilzbefall eingesetzt werden.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Chlorothalonil enthalten, ist nach wie vor nicht verboten. Obwohl der Stoff mittlerweile schweizweit für Schlagzeilen sorgt, weil er allenfalls krebserregend ist.

Gefahrenpotenzial wurde neu eingeschätzt

Ende Juni hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) das Gefahrenpotenzial neu eingeschätzt und seither muss das Trinkwasser auch auf Chlorothalonil untersucht werden. Mit drastischen Folgen: Bisher ist bei den periodischen Trinkwasserproben nie nach diesem Stoff gesucht worden. Jetzt darf er maximal in einer Konzentration von 0,1 Milligramm pro Liter (mg/l) vorhanden sein.

Noch sind weit nicht alle Freiämter Wasserversorgungen auf Chlorothalonil-Konzentrationen getestet worden. Doch in Wohlen, Villmergen und Waltenschwil wurden Pumpwerke abgestellt oder sie können nur noch reduziert betrieben werden, weil die Werte zu hoch sind.

Jetzt wird der schwarze Peter den Bauern zugeschoben, obwohl sie nichts gemacht haben, was sie nicht hätten tun dürfen. Fungizide mit dem Wirkstoff Chlorothalonil werden seit den 70er-Jahren regulär in Getreide- und Gemüsekulturen sowie im Rebbau eingesetzt.

Hoffnung auf baldige Klärung der Situation

Ralf Bucher, der Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau, sagt zur Problematik: «Für die Bauern ist die aktuelle Situation problematisch. Ich hoffe sehr, dass der Einsatz von Chlorothalonil bald auch in der Schweiz offiziell verboten wird. So würde Klarheit herrschen.»

Der Bauernverband empfehle jedoch, das Mittel ab sofort nicht mehr einzusetzen: «Es gibt Alternativen», sagt Bucher, und: «Wir Bauern hätten dieses Mittel sicher schon lange nicht mehr eingesetzt, wenn wir gewusst hätten, dass es problematisch ist. Aber bis im Frühsommer haben auch wir davon nichts gewusst.»

In der Landwirtschaft, erklärt Ralf Bucher weiter, werde eh schon lange versucht, beim Pflanzenschutz neue Wege zu gehen und so Umweltbelastungen weitgehend auszuschliessen. Dabei gelte es vor allem auch, das vorhandene technische Potenzial auszuschöpfen und zu verbessern.

Ziel sei es, die nötigen Schutzmittel direkter auf die befallenen Pflanzen zu bringen. Damit könnte deren Einsatz um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Anderseits würden bereits bei 64 Prozent des Brotgetreides weder Fungizid noch Insektizid eingesetzt. Der Ertrag falle so zwar geringer aus, dafür werde die Umwelt geschützt.

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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