Wasserverschmutzung
Belastetes Trinkwasser im Aargau: Warum rückt der Kanton keine Informationen raus?

Thomas Leitch kritisiert die Informationspolitik des Kantons und der meisten lokalen Wasserversorger. Er hat entsprechend einen Vorstoss im Grossrat gegen die Geheimniskrämerei eingereicht.

Fabian Hägler
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Das Pumpwerk Eichholz in Wohlen ist wegen zu hoher Chlorothalonil-Werte seit sechs Wochen ausser Betrieb.

Das Pumpwerk Eichholz in Wohlen ist wegen zu hoher Chlorothalonil-Werte seit sechs Wochen ausser Betrieb.

Cornelia Schlatter

Seit fast eineinhalb Monaten ist das Grundwasserpumpwerk Eichholz in Wohlen nicht mehr in Betrieb. Der lokale Wasserversorger, die IB Wohlen AG, hat die Anlage am 23. Juli vom Netz genommen. Messungen hatten im Wasser des Werks, das in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet liegt, einen zu hohen Wert des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil ergeben. Der Stoff kann ab einer bestimmten Konzentration krebserregend wirken.

Die Verantwortlichen der Wohler Wasserversorgung nahmen das Pumpwerk in Eigen-regie vom Netz und informierten Bevölkerung und Öffentlichkeit umgehend in einer Mitteilung. «Das ist vorbildlich, mit dieser transparenten und raschen Orientierung hat die IBW für Klarheit gesorgt», sagt SP-Grossrat Thomas Leitch, der selber in Wohlen wohnt.

Thomas Leitch (SP) aus Wohlen

Thomas Leitch (SP) aus Wohlen

Kanton Aargau

Weniger erfreut ist Leitch über die Informationspolitik des Kantons. Zwar teilte das Amt für Verbraucherschutz im Juli mit, wegen zu hoher Chlorothalonil-Werte müssten zwei weitere Wasserfassungen im Aargau vom Netz genommen werden – wo die stillgelegten Pumpwerke stehen, wollte Amtsleiterin Alda Breitenmoser aber nicht sagen. Sie verwies auf den Datenschutz und hielt fest, der Kanton dürfe die Gemeinden nur nennen, wenn für die Bevölkerung eine akute Gesundheitsgefahr bestehe.

Vorstoss gegen die Geheimniskrämerei

Leitch kritisierte dies schon im Juli als Geheimniskrämerei und legt jetzt mit einem Vorstoss im Grossen Rat nach. «Bei mir haben sich mehrere Personen gemeldet, die keine Auskunft über die Messwerte in ihren Gemeinden erhielten oder nicht wussten, wo sie fragen sollten», sagt er. Darum will er von der Regierung wissen, wie sie dafür sorgen wolle, dass die Wasserversorger die Bevölkerung über die Qualität des Trinkwassers ausreichend informieren.

Weiter fragt er, was Bürgerinnen und Bürger tun könnten, wenn ihnen die Auskunft verweigert wird. «Aus meiner Sicht wäre es am einfachsten, wenn der Kanton die Gemeinden nennen würde, wo Grenzwerte überschritten wurden. Dann könnten die Einwohner beim lokalen Wasserversorger direkt nachfragen, welches Pumpwerk betroffen ist», schlägt Leitch vor. Er will auch wissen, ob die Regierung bereit sei, der Bevölkerung im Aargau umfassend Einblick in die Schadstoffbelastung des Trinkwassers zu gewähren.

Grundsätzlich fragt der SP-Grossrat, wie gefährlich Chlorothalonil und dessen Abbauprodukte in Boden und Trinkwasser aus Sicht des Regierungsrats seien. Und er will wissen, welche Mengen an Pflanzenschutzprodukten mit dem Chlorothalonil im Aargau jährlich eingesetzt werden.

Leitch: «Vorstoss richtet sich nicht gegen Bauern»

Auf Nachfrage dieser Zeitungbetont Leitch ausdrücklich, sein Vorstoss richte sich nicht gegen die Bauern. «Bisher war Chlorothalonil erlaubt, die Landwirte haben nichts falsch gemacht, wenn sie solche Mittel eingesetzt haben.» Auch in Privatgärten und in der Industrie werde das Mittel eingesetzt, sagt Leitch. Er will deshalb von der Regierung wissen, welchen Anteil diese beiden Bereiche an der Belastung des Trinkwassers mit dem Stoff haben.

In der EU ist Chlorothalo-nil ab 2020 verboten, in der Schweiz könnte der Bundesrat im Herbst ein Verbot erlassen. Leitch will von der Aargauer Regierung wissen, ob sie die Bestrebungen unterstützt, Pestizide mit dem Wirkstoff Chlorothalonil zu verbieten. Und er macht sich Gedanken über die Folgen: «Wie viele landwirtschaftliche Betriebe in welchen Branchen im Aargau wären vom Verbot betroffen?»

Leitch will auch wissen, mit welchen Massnahmen betroffene Bauern kurz- und mittelfristig unterstützt werden könnten. Er fragt, ob mit einem allfälligen Verbot der Verkauf dieser Mittel generell untersagt werde. Schliesslich will er Klarheit, ob rechtliche Grundlagen geschaffen würden, damit Private und Industrie diese nicht mehr einsetzen könnten.

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