Auf der Strasse zwischen Arni und Oberlunkhofen ging im März 2017 ein Überholmanöver knapp glimpflich aus. Porschefahrer Johnny (Namen geändert) überholte dabei den mit einem Personenwagen mit angehängtem Pferdetransportanhänger fahrenden Sepp.

Danach beschuldigten sie sich gegenseitig, einander schikaniert zu haben, und zeigten einander an (die AZ berichtete). Johnny behauptete, noch während er beim Überholmanöver war sei Sepp mutwillig nach links ausgeschert. Sepp verteidigte dies durch drei Velofahrer, die er scheinbar gleichzeitig überholt habe, die Johnny aber nicht gesehen haben will.

Die Fahrzeuge touchierten sich und der Sportwagen wurde dabei beschädigt. Es kam zu einem unschönen Wortwechsel zwischen den beiden, als sie angehalten hatten. Vor Bezirksgericht Bremgarten trafen sie sich nun wieder. Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf verurteilte beide.

Sehr viele Anklagepunkte

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten legte dem 54-jährigen Sepp eine Reihe Straftatbestände zur Last: Nötigung, Hinderung am Überholen durch Beschleunigen, Missachtung des Vortritts beim Fahrstreifenwechsel, ungenügende Rücksichtnahme auf nachfolgende Fahrzeuge beim Fahrstreifenwechsel, unvorsichtiges Ausschwenken nach links zum Überholen, Unterlassen der Zeichengebung beim Überholen, Hinderung am Überholen durch Nichtfreigabe der Strasse, pflichtwidriges Verhalten nach einem Verkehrsunfall ohne Personenschaden.

Die Anklage forderte für Sepp – nebst Busse, Geldstrafe, Verfahrenskosten und Schadenersatzzahlung – eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten unbedingt. Unbedingt aufgrund diverser zum Teil einschlägiger Vorstrafen.

Auch dem 47-jährigen Johnny lastete die Staatsanwaltschaft diverses an: Nötigung, Beschimpfung («Sauhund»), überholen links der Sicherheitslinie, überholen mit Behinderung oder Gefährdung, überholen vor unübersichtlicher Kuppe, unbegründetes brüskes Bremsen, unbegründetes Halten an unübersichtlicher Stelle und ungenügender Abstand beim Wiedereinbiegen nach dem Überholen. Sie forderte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 220 Franken, eine Busse von 4000 Franken und die Verfahrenskosten.

Beide wurden verurteilt

Sepp wurde zu neun Monaten unbedingter Freiheitsstrafe einer Busse und einer Geldstrafe verurteilt. Zudem muss er der Gegenpartei Schadenersatz bezahlen, einen Teil von deren Parteikosten übernehmen, und es werden ihm die Verfahrenskosten – mit Ausnahme der Ausgaben für die amtliche Verteidigung – auferlegt. Johnny muss eine Busse bezahlen und die Verfahrenskosten teilweise übernehmen.

Die Urteile wurden schriftlich eröffnet. Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf sprach Sepp vom Vorwurf der Nötigung durch Ausschwenken auf die Gegenfahrbahn beim ersten Überholversuch frei. Keinen Freispruch gab es aber für das Abdrängen und Beschleunigen beim zweiten Überholversuch des Sportwagens und für grobe und einfache Verletzung von Verkehrsregeln, für die Sachbeschädigung und für das pflichtwidrige Verhalten bei einem Unfall.

Von der Strafe für die Beschimpfung mit «Sauhund» wurde Johnny befreit, da er von Sepp durch sein Verhalten provoziert worden sei. Einen Freispruch gab es ebenso wegen des Vorwurfs der Nötigung und der groben Verletzung der Verkehrsregeln. Einen Schuldspruch gegen den Porschefahrer fällte die Gerichtspräsidentin hingegen wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln.

In ihrer Urteilsbegründung hielt Isabelle Wipf fest, dass der Lenker des Sportwagens glaubhaft darlegen konnte, dass er beim eingeleiteten Überholmanöver nicht mehr zurückkonnte. Er habe sich in einer Notstandssituation befunden, als er das Überholmanöver beendet hatte. Auch lag ihres Erachtens kein Schikane stopp durch Johnny vor. Ein solcher wäre es gewesen, hätte es sich um eine absichtliche, abrupte Vollbremsung gehandelt. Nicht zu tolerieren sei hingegen Johnnys unbegründetes Halten an unübersichtlicher Stelle auf der Strasse.