Von der SUST, der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle, wird der Vorfall vom 7. April 2018 über dem Flugplatz Buttwil dennoch als schwerer Vorfall bezeichnet, wie sie in einem jetzt veröffentlichten Bericht festhält.

Der Bericht, hält die SUST weiter fest, sei mit dem Ziel erstellt worden, dass aus dem von ihr untersuchten Zwischenfall Lehren gezogen werden könnten.

Gefährlich nahe gekommen

Was ist geschehen? Nach einem Navigationsflug mit einem einmotorigen Leichtflugzeug des Typs Reims Aviation F1523, führte ein erfahrener Fluglehrer mit seinem Flugschüler zu Trainingszwecken eine zusätzliche Platzrunde in Buttwil durch.

Der Start für diese Platzrunde erfolgte am 7. April 2018 kurz nach 14 Uhr. Beim Eindrehen in den linken Gegenanflug entlang der auf der Sichtanflugkarte vorgegebenen Flugroute bemerkte der Flugschüler einen auf gleicher Höhe fliegenden, elektrisch angetriebenen Hängegleiter des Typs Archaeopteryx, der den Flugweg von links nach rechts kreuzte.

Der Pilot der Archaeopteryx war ebenfalls in Buttwil gestartet und befand sich auf einem lokalen Thermikflug.

So sieht eine Hängegleiter des Typs Archaeopteryx aus.

Fluglehrer rettete die Situation

Der Fluglehrer griff laut Untersuchungsbericht in dieser gefährlichen Situation ein, übernahm das Steuer des Flugzeugs und leitete einen Vollkreis nach links ein. So konnte die Reims Aviation dem Hängegleiter ausweichen. Die beiden Luftfahrzeuge, die auf gleicher Höhe geflogen sind, haben sich laut SUST auf einer Distanz von unter 200 Metern genähert. Nach dem Zwischenfall hätten das Flugzeug und der Hängegleiter wieder problemlos auf dem Flugplatz landen können.

Beide Luftfahrzeuge waren mit dem Kollisionswarngerät «Flarm» ausgerüstet, kann dem Untersuchungsbericht weiter entnommen werden. Ob eines der Geräte oder gar beide eine Warnung ausgesendet haben, konnte nicht nachvollzogen werden.

Laut den gesetzlichen Bestimmungen sei der Betrieb von Hängegleitern in einem Abstand von weniger als fünf Kilometern von den Pisten eines zivilen oder militärischen Flugplatzes unterhalb von 2000 Fuss (rund 600 Meter) über Flugplatzbezugshöhe untersagt, hält die Untersuchungsstelle fest. In Buttwil könnten jedoch Ausnahmen von diesen Einschränkungen durch den Flugplatzleiter bewilligt werden.

Drei solche Hängegleiter

In Buttwil seien zum Zeitpunkt des Vorfalls drei motorisierte Hängegleiter des Typs Archaeopteryx stationiert gewesen, deren Piloten seien Mitglieder der ortsansässigen Segelfluggruppe. Der regelmässige Betrieb der Hängegleiter sei stets in Absprache mit dem Flugplatzbetreiber erfolgt.

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle habe erst am 9. April 2018 Kenntnis vom Vorkommnis in Buttwil erhalten, nachdem der Fluglehrer eine entsprechende Meldung über das EU-Meldeportal gemacht habe. Eine unverzügliche Meldung des schweren Vorfalls an die Meldestelle der SUST sei jedoch nicht erfolgt.

Das sei ein Fehler, denn Unfälle und schwere Vorfälle müssten gemäss Luftfahrhandbuch der Schweiz jeweils unmittelbar nach dem Zwischenfall an die Alarmzentrale der Schweizerischen Rettungsflugwacht gemeldet werden, hält die SUST in ihrem Bericht fest.

Aktuelle Polizeibilder vom Februar 2019: