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Beim coronabedingten Einzeltraining gehen Emotionen und Teamgeist verloren – «es ist nicht dasselbe»

Coronamassnahmen verbieten Gruppentrainings. Die AZ fragte bei Vereinen nach: Trainingspläne oder Livestreams funktionieren bedingt.

Melanie Burgener
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Beim Einzeltraining gehen Emotionen und Teamgeist verloren
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Der Einzelsport Eiskunstlauf ist kaum eingeschränkt.
Ringen dürfen aktuell nur Profisportler.

Beim Einzeltraining gehen Emotionen und Teamgeist verloren

Fabio Baranzini

Dunkel und leer liegen die Freiämter Turnhallen hinter ihren verschlossenen Türen. Keine Bälle werden geworfen, kein Tanzbein geschwungen und auch keine Kämpfe ausgetragen. Die Coronamassnahmen verbieten Trainingseinheiten für alle, die über 16 Jahre alt und keine Leistungssportler oder Mitglieder einer Nationalmannschaft sind. Als Ausgleich haben viele Vereine für ihre Mitglieder alternative Trainingsprogramme entworfen. Besorgt sind die Vorsitzenden trotzdem.

Das Training über Kamera ist anders, aber funktioniert

So auch Klubleiter und Trainer Rocco Cipriano vom Kickboxing Wohlen. «Die Fitness ist das eine. Wenn die Mitglieder nach dieser Zeit nicht mehr so fit sind, ist das nicht so schlimm. Aber wenn die Motivation weg ist, haben wir sie verloren.» Cipriano führt deshalb Cardiotrainings kombiniert mit Kampftechnik und auch mentale Trainings per Livestream durch. «Es ist nicht dasselbe, und manchmal komme ich mir vor wie ein Aerobictrainer. Aber es funktioniert», erzählt er lachend.

Digitale Trainingsstunden sind auch aus dem Tanzstudio möglich. Larissa Federer, Leiterin der Ballett- und Tanzschule Arlette Baumgartner-Coray in Muri führt alle Kurse für Mitglieder über 16 online durch. «Wir haben dafür einen Zoom-Stundenplan zusammengestellt. Das funktioniert sehr gut.»

Alleine trainieren macht viel weniger Spass

Bei Sportarten, die für Trainingsstunden per Liveübertragung eher ungeeignet sind, kommen häufig alternative Trainingspläne zum Einsatz. Auch die Spielerinnen und Spieler des FC Wohlens hätten einen solchen für Kräftigungsübungen und Joggingeinheiten. Dabei gehe aber vieles verloren, so Alessio Passerini, sportlicher Leiter des Klubs. «Fussball lebt von Emotionen und Teamgeist. Jetzt steht unser schönes Stadion gespenstisch leer.»

Auch Linus Staubli, Leiter der Geschäftsstelle Handball des Turnvereins Muri, kann dem zustimmen. «Die meisten sind wegen des Handballs und der Kollegen im Verein und nicht, um den Körper fit zu halten.» Es gäbe zwar einen Trainingsplan auf freiwilliger Basis mit Übungen für den Kraftaufbau und mit Jogging. «Aber ich glaube, es ist ein kleiner Prozentsatz, der das mitmacht.»

«Wissen noch nicht, wie es ohne Training weitergeht»

Daran könnten auch die Temperaturen schuld sein. Vor allem für die Teilnehmenden der Kurse des Schwimmclubs Bremgarten. «Wir geben Tipps, um sich zu Hause fit zu halten, aber bei den Anfängern geht das nicht. Die müssten ins Wasser», erklärt Trainer Sascha Wenzel.

Nicola Küng, Präsident der Ringerstaffel Freiamt, kann sich gut vorstellen, dass sie alle, die nicht ins Training dürfen, in Gruppen von fünf Personen einteilen. «So einen Plan müssen wir aber erst erstellen, bis jetzt wissen wir noch nicht, wie es ohne Training weitergeht.»

Nur der Eisclub Wohlen hat keine Probleme

Einzig der Eisclub Wohlen ist von Einschränkungen kaum betroffen. «Bei uns trainieren etwa 130 Girls, die meisten davon unter 16», erzählt Präsident Boris Künzler. Auf den Einzelsport Eiskunstlauf hätten Massnahmen kaum Einfluss. «Die Kinder müssen einfach alleine aufs Eis. Denn in der Halle sind ausser den Trainern keine Erwachsenen erlaubt.» Ausser den Ferienkursen sei bei ihnen nichts ausgefallen. Auch die Tests im März könnten stattfinden.

Fit und entspannt im Homeoffice

Während die Sportvereine Trainingspläne für zu Hause entwerfen, verweisen auch einige Fitnesszentren der Region auf Alternativen. Auf der Plattform Youtube gibt es zahlreiche Videos zu Kraft-, Ausdauer- oder Tanztrainings. Diese kann man mit dem eigenen Körpergewicht absolvieren. Wer trotzdem die Hanteln vermisst, kann sich mit gefüllten Wasserflaschen oder Eimern weiterhelfen. Trainingseinheiten müssen jedoch nicht zwingend intensiv sein. Oft helfen auch bereits ein Spaziergang an der frischen Luft oder ein paar Dehnungsübungen auf der Yogamatte. Diese sind ebenfalls gut für die eigene Fitness und regen zudem das Herz-Kreislaufsystem an. Für ein gutes Immunsystem sind auch solche ruhigeren Übungen wichtig. Für alle, die im Homeoffice arbeiten, bieten sich zudem regelmässige Entspannungsübungen an. Den Punkt zwischen den Augenbrauen, den Kiefer und die Schultern immer wieder lösen und auch mal die Augen von den Bildschirmen weg und in die Ferne richten, hilft bereits. (mel)

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