Fusion
Bei Mutschellen sind Hirn, Herz und Portemonnaie entscheidend

Eine einzige Mutschellen-Gemeinde hätte Sparpotenzial, allerdings nicht in allen Bereichen. Im Fokus stand vor allem das Thema Schule und Schulwesen, denn nur in zwei von drei Schulen zeichnet sich Wachstum ab, genügend Platz hätte es trotzdem nicht.

Dominic Kobelt
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Übertritt man an dieser Stelle in ein paar Jahren immer noch eine Gemeindegrenze? Rund 100 Leute befassen sich mit Vor- und Nachteilen einer Fusion. az Archiv/rob

Übertritt man an dieser Stelle in ein paar Jahren immer noch eine Gemeindegrenze? Rund 100 Leute befassen sich mit Vor- und Nachteilen einer Fusion. az Archiv/rob

Robert Benz

Knapp 100 Personen, aufgeteilt in acht Arbeitsgruppen, erörtern bis Frühling 2016 die drei Optionen Zusammenarbeit, Verwaltungsgemeinschaft oder Fusion von Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg und Widen.

Am Samstag präsentierten die Gruppen ihre neusten Erkenntnisse. Leider interessierten sich nicht gerade viele Bürgerinnen und Bürger für die Zwischenergebnisse, nur gerade 20 Personen fanden den Weg ins Berikerhus, um der öffentlichen Veranstaltung beizuwohnen.

Fusion bringt kaum die Lösung

Am intensivsten diskutiert wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppe «Schulwesen». Hier stand diesmal die Primarschule im Fokus. Laut Michael Gutknecht, der die Resultate präsentierte, hätten die Schulen unterschiedliche Stärken und Schwächen und könnten sicher noch mehr voneinander profitieren. «Die wachsende pädagogische Herausforderung ist in allen Gemeinden vorhanden», sagte er.

Unterschiedlich ist dagegen der Raumbedarf. Während sich in den kommenden Jahren in Berikon und Rudolfstetten ein Wachstum abzeichnet, rechnet man in Widen mit stagnierenden Zahlen. Das Problem, dass es zusätzliche Klassen braucht, würde laut Arbeitsgruppe bei einer Gemeindefusion gar noch verschärft.

Sicher ist auch, dass der Schulraum, der in Berikon und Rudolfstetten benötigt wird, nicht in Widen vorhanden ist, obwohl dort noch ein bis zwei Klassenzimmer leer stehen. Bis 2020 werden auf dem Mutschellen 120-150 Kinder mehr die Primarschule besuchen als in diesem Jahr.

Untersucht wurde auch, ob dank einem Zusammenlegen der Schulpflegen, -leitungen und -sekretariat Geld gespart werden könnte. «Es gäbe keine grosse finanzielle Entlastung», führte Gutknecht aus. «Ein Vorteil wäre, dass die Zusammenarbeit, die allerdings jetzt schon recht eng ist, eine höhere Verbindlichkeit erhalten würde.»

Die Arbeitsgruppe zwei, die sich unter anderem mit Verkehr beschäftigt, schlug vor, einen Schulbus zu prüfen, der die Kinder in den abgelegeneren Quartieren abholen könnte.

Fusion hat mehr Sparpotenzial

Die Arbeitsgruppe «Behörden und Verwaltung» hat sich mit drei Varianten beschäftigt: Eine Gemeindefusion, ein Verwaltungszusammenschluss oder eine vertiefte Zusammenarbeit, wobei dieses mal der Verwaltungszusammenschluss im Zentrum stand. Einige Abteilungen, beispielsweise das Steuerwesen, könnte man durchaus gemeinsam führen, so das Ergebnis.

Bei anderen würde es schwierig. «Die Verwaltungsangestellten müssten fortan ‹drei Herren› dienen, zudem gibt es Unterschiede in der Personalpolitik der Gemeinden», erklärte der Sprecher der Arbeitsgruppe.

Die Gemeinden arbeiten mit unterschiedlichen EDV-Systemen, hier wären also Investitionen notwendig, um auf ein gemeinsames System umzurüsten. Auch ein gemeinsames Gebäude würde «viele Schwierigkeiten und wenige Chancen» bringen.

Fazit der Arbeitsgruppe war, dass sie eine Verwaltungsgemeinschaft nicht empfehlen kann, weil sie «weniger Leistung für gleich viel Geld» bedeuten würde. Anders bei einer Fusion: Untersuchungen der Gemeindeschreiber ergaben, dass 850 Stellenprozent gespart werden könnten.

Auch Emotionen spielen mit

Jean Claude Kleiner, der das Projekt als Experte begleitet, erklärte, worauf es bei einer Fusion ankommt: «Das Hirn muss ja sagen, das Herz muss ja sagen, und schliesslich auch das Portemonnaie.»

In manchen Fällen sei sehr lange über das Wappen gestritten worden, so in Rapperswil-Jona, wo darüber debattiert wurde, ob die Wellen nach oben oder unten abgeschlossen werden sollten.

Mit dem emotionalen Wappen-Thema befasste sich die Gruppe «Kultur, Freizeit, Jugend, Name und Wappen». Sollte es zur Fusion kommen, wäre der Name «Mutschellen» bei den entsprechenden Instanzen in Bern bereits reserviert.

Zur Frage des Wappens wurden drei Varianten ausgearbeitet, die als Vorlage dienen könnten, öffentlich gemacht wurden sie noch nicht. Bereits verraten wurde, dass das Pfaffenhütchen eine Rolle spielen könnte, weil Mutschellen genau diese Bedeutung hat.

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