Pilotprojekt

Bei Katastrophen und Notlagen: Hier gibt es Hilfe, wenn nichts mehr geht

Am Notfalltreffpunkt, wie hier in Dietwil, kann die Bevölkerung bei einem Grossereignis Informationen und Hilfe beschaffen.

Am Notfalltreffpunkt, wie hier in Dietwil, kann die Bevölkerung bei einem Grossereignis Informationen und Hilfe beschaffen.

Die Zivilschutzorganisation Oberfreiamt übt in einem Pilotprojekt Notfalltreffpunkte, die im ganzen Kanton eingeführt werden.

Kein Strom mehr, kein Internet, kein Telefon: Die Zivilschutzorganisation (ZSO) Oberfreiamt hat im Rahmen eines Pilotprojektes der Kantone Aargau und Solothurn erstmals neu vorgesehene Notfalltreffpunkte für die Bevölkerung bei Katastrophen und Notlagen in Betrieb genommen und geübt.

Eingerichtet wurden die mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln versehenen Anlaufstellen in Abtwil, Dietwil und Sins. Eine definitive Einführung in jeder Gemeinde ist im nächsten Jahr vorgesehen. Die insgesamt rund 300 Notfalltreffpunkte im Kanton sollen für alle Einwohnerinnen und Einwohner in Gehdistanz erreichbar sein.

Die Übungsannahme ging von einem heftigen Erdbeben in Muri aus, das Auswirkungen auf die ganze Region hatte. Der Strom fiel aus, die Wasserversorgung brach zusammen, es kam zu Überschwemmungen, zu Unterbrüchen der Verkehrswege. Für die ZSO Oberfreiamt galt es, im Auftrag des Regionalen Führungsorgans (RFO) eine Anlaufstelle für die verunsicherte und hilfsbedürftige Bevölkerung zu schaffen.

Diese ist normalerweise mit zwei Personen besetzt, die über Funkgeräte verfügen, kleine Verarztungen vornehmen können und beispielsweise bei einem Massenansturm über ein Megafon für Ordnung sorgen sollen.

Schwerwiegende bis triviale Probleme

In der Übung, im Rahmen eines Wiederholungskurses für 35 Angehörige des Zivilschutzes, spielten Angestellte der Gemeindeverwaltungen oder Behördenmitglieder sowie auch Angehörige des Zivilschutzes die hilfesuchenden Menschen. Die Leute am Notfalltreffpunkt wurden mit ganz unterschiedlichen Problemen konfrontiert – von der besorgten Mutter, deren kleines Kind ein medizinisches Problem hatte, bis zum eher trivialen Anliegen, das Handy mit Strom laden zu können.

«Es hat sich gezeigt, dass die Notfalltreffpunkte mit dem vorhandenen Material recht rasch und wirkungsvoll aufgebaut werden können», stellte ZSO-Kommandant Romuald Brem fest. «Die eingesetzten Geräte und das Material funktionieren und können von den Zivilschützern richtig gehandhabt werden.»

Gezeigt habe sich aber auch, dass am Notfalltreffpunkt vorgebrachte emotional aufwühlende Schwierigkeiten «unsere Leute ein Stück weit an den Anschlag bringen können».

Informationen werden auch analog erfasst

Die Informationen aus den Notfalltreffpunkten laufen auch im Kommandoposten Front zusammen. Hier werden Lage, Ereignis- und Auftragsübersicht nicht nur digital erfasst, sondern auch analog auf Papier, wie Jeffrey Meile, Chef Lage, erklärte. Sandro Bernasconi, Chef Telematik, hat festgestellt, dass die Präsenz der lokalen Behörden sehr wichtig ist. «Sie kennen die Leute und die Begebenheiten im Dorf.»

Die Notfalltreffpunkte sind vor allem bei grossflächigen Ereignissen und bei notwendig werdenden Evakuationen von grosser Bedeutung, machte Pius Wiss, Gemeindeammann von Dietwil und Chef der RFO, deutlich. «Wenn nichts mehr geht, müssen sich die Menschen irgendwo hinwenden können.» Für die Gemeinden selber ändert sich nicht viel, wie Josef Huwiler, Gemeindeammann von Sins, ausführte. «Wir sind ohnehin eingebunden, wir kennen die Begebenheiten.»

Wer macht was in einem Ernstfall?

Um Details abzustimmen, brauche es sicher noch ein paar Übungen, erklärt der Sinser Gemeinderat Marco Meier, zuständig für die öffentliche Sicherheit. «Wichtig ist auch, dass man die Köpfe kennt, dass man weiss, wer was macht in einem Ernstfall.»

Die primären Zielsetzungen des RFO lauten Rettung von Menschen in Gefahr, Abwendung von Lebensbedrohungen, Schutz vor Bedrohungen der Umwelt und Schutz wichtiger Anlagen vor Beschädigung oder Zerstörung. Der Kanton Aargau wiederum ist in 20 Bevölkerungsschutzregionen aufgeteilt.

Bei Katastrophen, Notlagen und schweren Mangellagen in der Region übernimmt das RFO die Koordination der notwendigen Massnahmen. Der Zivilschutz wiederum ist Dienstleister des Regionalen Führungsorgans und stellt das Material zur Bewältigung ausserordentlicher Ereignisse zur Verfügung.

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Autor

Eddy Schambron

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