Es sieht genauso aus wie vor Jahrzehnten: Josef Koch sitzt im kleinen Zimmer seiner Eigentumswohnung, umgeben von Nähmaschinen und Ersatzteilen. «Nein, nein», sagt er, «das ist nicht mehr das gleiche Zimmer. Damals habe ich noch drüben an der Wilstrasse 20 gewohnt, mittlerweile bin ich in die 13 umgezogen.»

Generationen von Freiämterinnen haben bei Josef Koch ihre Nähmaschine gekauft oder ihm eine defekte Maschine zur Reparatur gebracht. Viele davon sind seit Jahrzehnten im Einsatz. «De Koch» hat sich mit seiner ruhigen Art, seinem Engagement für die Kundinnen und seiner Fachkompetenz in den letzten 50 Jahren einen guten Namen geschaffen.

Im Freiamt ist er zum Mister Elna geworden, auf den als exakter Techniker in jeder Situation ebenso Verlass ist wie auf seine Maschinen. «Mich konnte man anrufen und ich habe die Nähmaschine sofort geflickt. Ich wusste: Am nächsten Tag muss die Maschine wieder laufen – sie wird gebraucht.»

Genäht wird immer

Besonders zur Fasnachtszeit habe er jeweils einen grossen Ansturm an Kundinnen gehabt. «Da mussten die Frauen Kostüme nähen. Ein Defekt an der Nähmaschine musste schnellstmöglich behoben werden», so der Nähmaschinen-Pionier. Auch vor den Ferien hatte er immer alle Hände voll zu tun: «Bevor die Familie verreiste, war es üblich, dass die Mütter noch einige Kleider nähten.»

In den letzten 50 Jahren, in denen Koch als Vertreter der Elna Nähmaschinen arbeitete, habe sich in dem Geschäft viel verändert: «Die Nähmaschine ist heute nicht mehr das, was sie einmal war. Früher kauften viele Mütter bei mir eine Nähmaschine, um sie ihrer Tochter zur Hochzeit zu schenken», erinnert er sich. «Heute macht das niemand mehr.»

Dennoch ist er überzeugt: «Auch wenn der Trend der Nähmaschine in den letzten zwanzig Jahren abgeflacht ist, und sich die Jungen nicht mehr dafür interessieren: Genäht wird immer.» Auch heute hat Koch noch alte Kunden, die froh um seine Dienste sind. «Ich erledige meine Arbeit immer noch sehr gern, auch wenn ich weniger zu tun habe.»

Geschäfte zwischen Tür und Angel

Der mittlerweile 79-Jährige weiss, dass er in der Hochblüte des Nähmaschinen-Geschäfts arbeitete: «Meine selbstständige Arbeit hat floriert. Die Nachfrage war gross.» Zu Beginn seiner Tätigkeit im Jahr 1963 machte er seine Geschäfte meist zwischen Tür und Angel: «Ich bin von Haus zu Haus gegangen und wollte meine Nähmaschinen an die Frau bringen», erzählt er. «Meistens musste ich jedoch am Abend wiederkommen, wenn der Ehemann zu Hause war. Er entschied über den Kauf einer Nähmaschine.» Zu Kochs Glück fiel dieser Entscheid meist positiv aus.

Nähmaschinen-Stand am Märt

Ein Ladenlokal hatte Koch übrigens nie: «Ich verkaufte und reparierte die Maschinen von zu Hause aus.» Dreimal im Jahr hatten er und seine Frau einen Stand am Märt. «In Wohlen waren wir immer vis-à-vis vom Café Widmer», erinnert er sich. Heute erhalte er fast jede Woche einen Anruf: «Reparieren Sie noch?» – «Natürlich», antwortet er dann.