Ein von Lorbeeren gesegnetes Ensemble ist naturgemäss verwöhnt. Es spielt mit einer technischen und musikalischen Bravour, welche die Zuhörerinnen und Zuhörer regelmässig aus den Sitzen reisst – nicht auch zuletzt auch seiner jugendlichen Frische wegen. Auch das Schweizer Radio war anwesend. Man empfindet unmittelbar die Spielfreude dieses Ensembles , das Aufeinandereingehen, besonders eindrücklich erfahrbar in der Interpretation des Streichquartetts von Anton Stepanowitsch Arensky, eines Rimsky-Korsakov- Schülers und nachmaligen Lehrers von Glazunov, Rachmaninoff oder Skryiabin.

Das Werk beinhaltet wesentlich mehr «Russische Seele» als die musikwissenschaftliche Nachwelt Arensky zugetraut hätte. Denn er stand im Ruf eines frankophilen und deshalb unpatriotischen Künstlers. Hier aber zeigt sich die ernsthafte Auseinandersetzung mit der orthodoxen Sakralmusik des damaligen Zarenreiches. Ein satztechnisch, musikalisch erfindungsreiches Werk, das leider selten zu hören ist; auch die Besetzung mit zwei Violoncelli anstatt einer zweiten Violine ist eine Rarität .

Brillante Solisten

Die beiden Solisten, Felix Froschhammer, Violine, in Tschaikowskis «Souvenir d`un lieu cher», op. 42 und Maximilan Hornung in Schumanns Cellokonzert begeisterten durch Brillanz und musikalische Stilsicherheit.

Es gäbe über die Wiedergabe dieser beiden Werke sehr viel zu sagen. Hier nur dies: Der Soloviolinist ist mehr als ein kühlberechnender Akrobat, vielmehr ein von Emotionen geleiteter Musiker. Insbesondere wenn es ins tiefere Register geht, so Richtung G-Saite, spürt man seine Spielfreude. Die Virtuosität ist für ihn dabei selbstverständlich: mehr als nur überzeugend, sondern schlicht begeisternd. Maximilian Hornung, der Solist im schumannschen Cellokonzert ist hingegen aus anderem Holz geschnitzt: Ebenso souverän und effektsicher demonstrierte er im Festsaal Muri sein indiskutables Können.

Der Charme, mit dem er bei seinen spontanen Dirigaten der begleitenden Streicher das Publikum mitreissen konnte, war eine geradezu elvis-mässige Bühnenleistung. «Honny soit, qui mal y pense». Hornungs Metier ist nicht das Understatement, anderes Holz eben, ohne urteilen zu wollen.

Homogen und differenziert

Das ganze Ensemble spielte sehr homogen und differenziert, auch das schlicht begeisternd. Wohltuend: der sparsame, gezielte Einsatz des Vibratos – keine fette Sauce, sondern ein Kräutergarten. Dieses Chaarts–Ensemble verteilt wirklich «Seligkeiten für die Ohren».