Wohlen

Begeisterter Athlet und Schulleiter - nach 45 Jahren aber ist Schluss

Nach 45 Jahren geht Rolf Stadler im Sommer in Pension.

Nach 45 Jahren geht Rolf Stadler im Sommer in Pension.

Rolf Stadler hält der Schule Wohlen seit 45 Jahren die Treue. Eine Annäherung an den Schulleiter und begeisterten Leichtathleten.

Rolf Stadler kennen die Schüler der Oberstufe im Bünzmattschulhaus nur mit Turnschuhen an den Füssen. Auch vielen seinen ehemaligen Schülern ist er so in Erinnerung geblieben. Bis vor einigen Jahren wechselte der 64-Jährige die Sportschuhe regelmässig gegen Kampfstiefel ein. Das war dann der Fall, wenn er als Ausbildungschef der 5. Division einen Wiederholungskurs leitete. «Diese Auszeiten vom Beruf waren mir wichtig. Das erlaubte mir, die Schule aus einer neuen Perspektive wahrzunehmen», erzählt er in seinem Schulleiterbüro.

«Ich habe hohe Erwartungen und fordere sie ein»

Der Militärdienst hat den Schulleiter geprägt. Als unermüdlichen Arbeiter und Organisationstalent charakterisieren ihn seine Mitarbeitenden (siehe unten). Von seinen militärischen Erfahrungen habe er bei der täglichen Arbeit profitiert, bestätigt er denn auch. Seine Führungsgrundsätze sind einfach: «Ich gebe meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Handlungsspielraum und lasse sie ihre Arbeit machen. Ich habe hohe Erwartungen und fordere sie auch ein.»

Lehrer Rolf Stadler zieht nach 45 Jahren an der Wohler Bünzmatt-Schule Bilanz

Lehrer Rolf Stadler zieht nach 45 Jahren an der Wohler Bünzmatt-Schule Bilanz.

Die Arbeit mit nicht alltäglichen Schülern

Auf die Idee, Lehrer zu werden, brachte ihn der legendäre Wohler Lehrer Toni Wohler. «Er hat mich mal zur Seite genommen und mir den Ratschlag gegeben», erzählt er. Stadler war begeistert von dieser Idee. Nicht etwa, weil er unbedingt Pädagoge werden wollte, vielmehr lockte die Aussicht, nach dem Besuch des Lehrerseminares Sport und Geschichte zu studieren. Sportlehrer, das war damals sein Berufswunsch. Aber das Leben wollte es anders. Eine schwere Knieverletzung bremste den Leichtathleten aus und zwang ihn zur Richtungsänderung. Also wurde er Oberstufenlehrer.

Ein Entscheid, den er bis heute nicht bereut. Seine erste Stelle trat er 1975 im Bünzmattschulhaus an, wo er als Stellvertreter an der Sekundarschule unterrichtete. Nach einem Jahr wechselte er an die Realschule. Dort blieb er. «Mich hat die Arbeit mit nicht ganz alltäglichen Schülern gereizt», kommentiert er den Entscheid. Ausgleich zum anspruchsvollen Schulalltag fand er beim Zehnkampf. Als Leiter der Leichtathletik-Riege des Turnvereins Wohlen betreut er die hoffnungsvollen Nachwuchstalente bis heute.

Rolf Stadler hat ein Berufsleben lang mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Er stellt fest, dass sie mit anderen Rahmenbedingungen konfrontiert sind, als die Generation zuvor. «Wenn ich sehe, unter welchen Bedingungen gewisse Schülerinnen und Schüler aufwachsen, dann finde ich, dass sie es sehr gut machen», stellt er fest. Er will nicht in das alte Lied einstimmen, dass es schlimm bestellt sei um den Nachwuchs, «die Jugend früher war keine Spur besser», kommentiert er trocken. Hinter der harten Schale des 64-Jährigen steckt ein empathischer Lehrer, der betont: «Man muss den Schülern zeigen, dass man sie gerne hat.»

Das sagen Mitarbeiter über Rolf Stadler: 

Stressbewältigung im Militär gelernt

1990 übernahm Rolf Stadler das Rektorat der Oberstufe, die ersten Jahre unterrichtete er nebenher. Seit 2003 ist er Schulleiter und Präsident der Schulleitungskonferenz. Das bedeutet viel Arbeit und Verantwortung. «Wichtig ist, nicht wie viel man arbeitet, sondern wie effizient», nennt er den Leitsatz dazu. Er achte darauf, dass er sich regelmässig Auszeiten nehme. Stressbewältigung habe er vom ehemaligen Regierungsrat Rainer Huber gelernt, mit dem er im Militär zusammenarbeitete. «Er hielt auch inmitten des grössten Durcheinanders den Überblick und die Ruhe», erzählt er. Diese Auszeiten nahm er. «Nach den Pausen geht man mit neuer Energie an die Arbeit», sagt er.

Immer wieder einen neuen Blick auf die Schule

Und diese Auszeiten brauchen er und sein Kollegium. Der Lehrerberuf hat sich im Laufe der Jahre verändert, die Anforderungen stiegen. «Ich erhielt einige Angebote aus der Privatwirtschaft und dem Militär», erzählt er. Dass er seinem Beruf und dem Bünzmatt 45 Jahre lang die Treue hielt, sei, weil seine Einsätze im Militär für Abwechslung sorgten und ihm einen neuen Blick auf die Schule ermöglichten.

Auf Ende des Schuljahres wird er die Türe ein letztes Mal schliessen und sich auf das konzentrieren, was ihm schon immer wichtig war: Sport. «Ja, natürlich auch meine Frau», bestätigt er auf Nachfrage lachend.

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