Die Schule Berikon hatte am vergangenen Donnerstag hohen Besuch: ETH-Professorin Gabriela Hug nahm sich Zeit für die neun Kinder des Tüftelateliers. Diese löcherten sie während zweier Stunden mit allen möglichen Fragen, die von ihrem Fachgebiet, der Elektrotechnik, über Fragen zu ihrem Status an der ETH bis hin zum Ausfalldatum ihrer Milchzähne reichten.

Aber wieso interessieren sich Primarschüler im Alter von 8 bis 12 Jahren überhaupt für die Arbeit und das Leben einer ETH-Professorin? Die Antwort ist relativ simpel: Die Schülerinnen und Schüler gehen im Tüftelatelier wissenschaftlichen Fragen nach, viele davon in Hugs Fachgebiet, der Elektrizität.

Bewerbung statt IQ-Test

Was ein Tüftelatelier genau ist, weiss Danica Baumberger am besten. Sie ist Lehrerin an der Primarschule Berikon und leitet diese ganz spezielle Art der Begabtenförderung: «Die Idee des Tüftelateliers ist, dass die Kinder je ein Projekt in einem Bereich realisieren können, für den sie sich interessieren, der aber im normalen Lehrplan keinen Platz findet.

Um in das vom Kanton finanzierte Programm aufgenommen zu werden, müssen die Viert- bis Sechstklässler nicht einen IQ-Test bestehen oder in jedem Fach Bestnoten aufweisen. «Es geht uns darum, selbstständige und motivierte Schülerinnen und Schüler aus Berikon, Widen und Niederrohrdorf, die im regulären Unterricht gut mitkommen, zusätzlich zu fordern», erklärt Baumberger. Dabei liege der Fokus der Förderung nicht auf einer spezifischen Begabung, sondern gehe vom Interesse des Kindes aus. So arbeiten sie an selbstausgewählten, individuellen Forschungsprojekten.

Bei einer betreuenden Lehrperson ist die Kapazität einer solchen Förderklasse jedoch begrenzt. Aus diesem Grund müssen sich Interessierte bewerben: «Wir wollen sehen, wieso das Kind ins Tüftelatelier aufgenommen werden will. Die Schüler müssen eine Bewerbungsmappe mit ihren Interessen und Fähigkeiten zusammenstellen und begründen, warum sie in das Programm aufgenommen werden wollen», erklärt Baumberger.

Helfen Eltern, sind die Kinder raus

Das Ergebnis waren insgesamt 20 Bewerbungen. Jede davon war einzigartig. So gab es selbst geschriebene Aufsätze mit beigelegten Bildern, kreative Grafiken, gut strukturierte Word-Dateien. Ein Junge hatte sogar eine Zeitung samt Layout nachzeichnet und darin über sich und seine Familie geschrieben.

Portfolios, bei denen offensichtlich ein Elternteil mitgeholfen hat, wurden sofort aussortiert. Aus den vier bis sechs Plätzen wurden letzten Endes neun. «Das ist wirklich an der oberen Grenze. Ich muss ja noch auf jedes Kind einzeln eingehen können», erklärt die Lehrerin.

Die Projekte der neun Schülerinnen und Schüler reichen von einem Lego-Aufräumroboter über chemische Experimente bis hin zu psychologischen Studien (siehe Umfrage unten). Jeden Donnerstagnachmittag können die Kinder an ihren Projekten herumzutüfteln.

Baumberger übernimmt dabei die Rolle eines Coaches. «Es geht ja darum, dass die Kinder selbstständig arbeiten. Sie helfen sich auch oft gegenseitig, das soll auch so sein. Manchmal muss ich sie aber daran erinnern, dass sie noch ein eigenes Projekt haben. Sie vertiefen sich richtig in die Untersuchungen ihrer Mitschüler, das ist schön zu sehen», findet Baumberger.

Aussergewöhnlich am Atelier ist auch, dass es nicht benotet wird. Die Schüler haben ein Jahr Zeit für ihr Projekt, das am Ende ausgestellt wird. «Die Ausstellung soll aber nicht das Ziel sein. Wichtig ist mir, dass sie aus ihren Fehlern lernen und andere Wege finden, ihre Probleme zu lösen», hält die motivierte Lehrerin fest.

Bei dem einen oder anderen dieser Probleme konnte Gabriela Hug vielleicht sogar helfen. Auch nach Ablauf der zwei Stunden hatten die Kinder noch viele Fragen. Die Antworten von Hug schrieben sie sich alle fein säuberlich auf, um sie in der nächsten Stunde anwenden zu können.

Umfrage: Woran arbeiten die Primarschüler im Tüftelatelier?