Bremgarten
Bedingte Geldstrafe für einen Freiämter Marihuana-Produzenten

Das Bezirksgericht Bremgarten hat einem reumütigen Hersteller und Verkäufer von Marihuana eine wohl allerletzte Chance gewährt: Der 29-jährige Freiämter wurde lediglich mit einer bedingten Geldstrafe bestraft.

Lukas Schumacher
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Symbolbild: In einer Indoor-Anlage pflanzte der Angeklagte Hanf an.zvg

Symbolbild: In einer Indoor-Anlage pflanzte der Angeklagte Hanf an.zvg

Im Gerichtssaal Bremgarten musste sich ein 29-jähriger Freiämter verantworten. Er war angeklagt wegen der Herstellung und des Verkaufs von Marihuana («Gras») sowie wegen illegalen Waffenbesitzes.

10 Monate Gefängnis bedingt forderte die Oberstaatsanwaltschaft, dazu eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen à je 120 Franken sowie eine Probezeit von zwei Jahren.

Plantagen in Wohlen und Arni

Der Mann, der vor knapp drei Wochen erstmals Vater geworden ist, hatte in zwei Indoor-Anlagen Hanf-Pflanzen zur «Gras»-Herstellung aufgezogen.

In einer kleinen Plantage in Wohlen funktionierte der Anbau nicht wunschgemäss.

Offenbar vernichteten Schädlinge einen Grossteil der Pflanzen. Besser lief es später in einem gemieteten Raum in Arni. Hier richtete der Freiämter eine ansehnliche, rund 20 000 Franken teure Anlage ein, die üppige erste Ernten abwarf.

So konnte er wohl 8 bis 9 Kilo «Gras» an Zwischenhändler verkaufen, ehe die Polizei die Anlage im April 2012 aushob.

«Völliger Blödsinn»

«Die ‹Gras›-Produktion war ein völliger Blödsinn», zeigte sich der Angeklagte vor Gericht reumütig. Weshalb er darin ein lukratives Geschäft witterte, könne er heute beim besten Willen nicht mehr sagen. Die dumme Geschichte tue ihm leid.

Bei einer Hausdurchsuchung am Wohnort des Freiämters stellte die Polizei ein Waffenarsenal sicher: ein Spick- und mehrere Schmetterlingsmesser, zwei Schlagringe, ein Elektroschockgerät, einen Teleskopschlagstock, eine Teleskopschlagrute sowie eine Armeepistole mit abgefeilter Nummer.

Die Waffen hat er nachweislich nie benutzt und sie auch sicher aufbewahrt. Er sei kein Waffennarr, teilte der 29-Jährige mit, vielmehr ein Gelegenheitssammler. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass der Besitz dieser Waffen gesetzeswidrig sein könnte.

Die Pflichtverteidigerin sprach sich für eine bedingte Geldstrafe anstelle einer bedingten Freiheitsstrafe aus. Ihr Mandant sei einsichtig und bestrebt, seinen Verpflichtungen gegenüber der Partnerin und dem knapp dreiwöchigen Töchterchen nachzukommen.

«Keine Bagatelle»

Bezirksgerichtspräsident Peter Thurnherr bestrafte den 29-Jährigen mit einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 60 Franken, ordnete eine Probezeit von 3 Jahren an sowie eine Busse von 1800 Franken.

Der Drogenhandel im Kilobereich sei keinesfalls als Bagatelle zu werten, er zeuge vielmehr von einem erheblichen Mass an krimineller Energie, hielt Thurnherr fest.

Dass der Mann keine Ahnung gehabt haben will über die Ungesetzlichkeit seiner Waffen, nahm ihm Thurnherr nicht ab. Der Angeklagte habe wegen seiner Ausbildung und mehrjähriger Tätigkeit im Sicherheitsdienst über die Waffen sehr wohl Bescheid gewusst.

«Sie erhalten heute wohl letztmals eine bedingte Strafe», sagte der Gerichtspräsident abschliessend, «ihre kleine Tochter hat Anrecht auf einen Vater, der sich an die Regeln hält.»