Merenschwand
Bedarf der Fahrenden stärker gewichtet

Der Regierungsrat relativiert in seiner Botschaft zum Durchgangsplatz den Verlust an Kulturland. Aus den Eingaben lässt sich die Angst vor Diebstahl und Lärm herauslesen.

Eddy Schambron
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Der geplante Durchgangsplatz für Fahrende in Benzenschwil ist, im Gegensatz zu Würenlos, umstritten. ES

Der geplante Durchgangsplatz für Fahrende in Benzenschwil ist, im Gegensatz zu Würenlos, umstritten. ES

Die öffentliche Interesse an der Schaffung eines Durchgangsplatzes für Fahrende in Benzenschwil ist höher zu gewichten als dasjenige am Erhalt der beanspruchten Fruchtfolgefläche. Zu diesem Schluss kommt der Regierungsrat nach dem Mitwirkungsverfahren zu den Durchgangsplätzen Benzenschwil und Würenlos.

Daran haben sich insgesamt 69 Mitwirkende beteiligt, darunter zwei Planungsverbände, drei Gemeinden, fünf Nachbarkantone, zehn Parteien, vier Organisationen, zwei Firmen und 43 Privatpersonen.

Repla mit Vorbehalt dafür

Sechs Privatpersonen unterstützen die Festsetzung des Durchgangsplatzes in Merenschwand im Richtplan. Der Regionalplanungsverband Oberes Freiamt stimmt dem Vorhaben unter Vorbehalt der Erkenntnis der nachfolgenden Nutzungsplanung zu.

Ebenfalls für die beiden Durchgangsplätze in Merenschwand und Würenlos sprechen sich die SP Aargau, die Kantone Zürich und Zug, die Radgenossenschaft der Landstrasse, die Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende und zwei Private aus.

Mit Vorbehalten befürworten die BDP Aargau (Wegweisung ausländischer Fahrenden), die FDP Aargau (Rücksicht auf Anliegen von Bevölkerung und Behörden, nur für Schweizer Fahrende) und die Grünen Aargau (Prüfung von Alternativen auf weniger wertvollen Flächen) die beiden Plätze.

Abgelehnt wird der Platz Merenschwand von der CVP Aargau und Bezirk Muri, von SVP Aargau und Bezirk Muri sowie den zwei SVP-Ortssektionen Benzenschwil-Merenschwand und Muri, vom Bauernverband Aargau, vom Komitee gegen den Durchgangsplatz, von der Bachmann Agrotech AG, der Stierli Baggerbetrieb AG und 31 Privaten.

Diffuse Ängste in den Eingaben

Viele Eingaben brächten diffuse Ängste vor vermeintlich negativen Auswirkungen von Durchgangsplätzen zum Ausdruck, hält der Regierungsrat in der Botschaft an den Grossen Rat fest.

Aus dem Betrieb eines solchen Platzes würden Diebstähle in der Umgebung, Immissionen und andere Unannehmlichkeiten befürchtet. «Diese Bedenken können im Fall von Durchgangsplätzen, die Schweizer Fahrenden vorbehalten sind, nachweislich entkräftet werden.»

Die Lage vor allem des Merenschwander Platzes werde von den Fahrenden als ideal bezeichnet. Schliesslich hält die Regierung fest, dass der Platz maximal 0,3 Hektaren an Fruchtfolgeflächen beanspruchen wird.

«Zum Vergleich betrug der durchschnittliche jährliche Fruchtfolgeflächenverlust von 2001 bis 2012 im gesamten Kanton Aargau 23 Hektaren.» In diesem Zusammenhang ist laut Regierungsrat der Hinweis auf die relativ geringen Platzansprüche der Fahrenden im Vergleich zur sesshaften Bevölkerung angebracht.

Werkhof Muri bleibt

Zwar sei Benzenschwil als Standort für den kantonalen Werkhof einmal zur Diskussion gestanden, aber der Regierungsrat habe sich 1996 für den deutlich besser taxierten Standort Muri entschieden. Der Werkhof wurde 1997 realisiert. «Zum jetzigen Zeitpunkt besteht keine Absicht, den heutigen Standort in Muri aufzugeben», hält der Regierungsrat fest.

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