Bremgarten
BDWM-Chef über Barrieren: «Halbschranken-Lösung ist die beste Variante»

Severin Rangsoch, der Direktor der BDWM, rechtfertigt die geplanten Barrierenprojekte bei den Bahnübergängen. Gegen diese Bauvorhaben gibt es nicht nur Opposition von den Gemeinden, sondern auch vom Kanton.

Lukas Schumacher
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Bahnübergang Knoten Bibenlos Bremgarten: Gemäss Messungen und Berechnungen entschärfen Barrieren das dortige Verkehrsproblem. sl

Bahnübergang Knoten Bibenlos Bremgarten: Gemäss Messungen und Berechnungen entschärfen Barrieren das dortige Verkehrsproblem. sl

Archiv/Lukas Schumacher

Die drei Barrierenprojekte (Halbschranken) Bibenlos Bremgarten, Mutschellenkreuzung Berikon und Bernstrasse/Friedlisbergstrasse Rudolfstetten gaben und geben in den betroffenen Gemeinden viel zu reden.

Nun nimmt Severin Rangosch Stellung, der Direktor des Bahnunternehmens BDWM. Sein Bahnbetrieb hat sich für Barrieren auf den drei Bahnübergängen entschieden und gegen die Alternative «barrierenfreier Trambetrieb».

Bei einer Umstellung auf Trambetrieb müssten die Züge auf den drei Übergängen deutlich langsamer fahren als heute, mit rund 15 Stundenkilometern statt mit 45.

«Ein Trambetrieb würde Abstriche bei der Sicherheit bedeuten», führt Rangosch aus, «zudem könnten wir den Fahrplan nicht mehr einhalten.» Die Folgen wären Anschlussbrüche bei den zwei Endstationen Dietikon und Wohlen.

Aktuelle Situation gesetzeswidrig

Aus Sicht von Severin Rangosch, der auch im Namen des BDWM-Verwaltungsrats Stellung bezieht, ist die Ausgangslage klar: «Der von vielen Seiten als Patentlösung geforderte Trambetrieb würde den Autoverkehr nicht weniger behindern als die Halbschranken, sondern eher mehr. Die Halbschranken-Lösung ist die beste Variante für alle Verkehrsteilnehmer».

Dass die aktuelle Situation – Bahnübergänge mit bestehenden Lichtsignalanlagen, ohne Schranken und ohne Trambetrieb – gesetzeswidrig sei, gehe aus dem Eisenbahngesetz hervor sowie auch aus dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts, den das Gericht 2013 fällte.

«Lichtsignalanlagen optimieren»

Die in den letzten Wochen mehrfach geäusserte Forderung, dass man beim Einbau von Halbschranken zwingend die Lichtsignalanlagen bei den Kreuzungen optimieren müsse, teilt und unterstützt der BDWM-Direktor:

«Diese Optimierungen werden wir in Zusammenarbeit mit den Strassenverantwortlichen des Kantons Aargau selbstverständlich vornehmen.» Letztlich gehe es ja darum, die erforderliche Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer mit minimalen Behinderungen für den Individualverkehr zu gewährleisten.

Gemessen und berechnet

Aufschlussreiche Ergebnisse betreffend Schliesszeiten der geplanten Barrieren auf den drei Übergängen brachten Messungen und Berechnungen eines externen, unabhängigen Ingenieurbüros. Die Resultate stützen Rangoschs Erläuterungen, wonach Barrieren für alle vorteilhafter seien als ein Trambetrieb.

Die Messergebnisse: In Rudolfstetten bewirken Barrieren im Vergleich zur heutigen Lichtsignalanlage eine Erhöhung der Schliesszeiten um maximal 13 Sekunden. Bei einem Trambetrieb würde die Sperrung des Bahnübergangs um maximal 9.

Auf der Mutschellenkreuzung Berikon beträgt die Erhöhung der Sperrzeiten mit Barrieren gegenüber heute 7 bis 20 Sekunden, beim Trambetrieb sind es 8 bis 21 Sekunden.

Auf dem Bahnübergang Bibenlos Bremgarten sind die Schliesszeiten mit Barrieren 8 Sekunden kürzer als bei einem Trambetrieb.

Zudem werden die Sperrzeiten nach dem Einbau von Barrieren auch 5 Sekunden kürzer als heute, weil man dann die dortigen Fussgängerschranken optimieren kann.

Fazit von Severin Rangosch: «Die Behauptung, Barrieren würden die Verkehrsproblematik im Knoten Bibenlos verschärfen, stimmt nicht. Das Gegenteil trifft zu.»