Muri
Baustopp und Strafanzeige: Grösste Aargauer Bauernhof-Solaranlage verzögert sich

Hanspeter und Susanne Müller sehen sich mit einem Baustopp konfrontiert und müssen die bereits erstellten Änderungen an ihrem Hof vielleicht gar rückbauen. Grund dafür: eine massive Vergrösserung der Vordächer ohne Bewilligung.

Eddy Schambron
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Vordächer wurden für die Photovoltaikanlage ohne gültige Baubewilligung vergrössert.

Vordächer wurden für die Photovoltaikanlage ohne gültige Baubewilligung vergrössert.

Eddy Schambron

Baustopp durch den Kanton, Beschwerde dagegen von der Bauherrschaft: Über der Photovoltaikanlage von Hanspeter und Susanne Müller in Muri ist gegenwärtig nicht eitel Sonnenschein. Auf dem Wilihof entsteht das grösste im Aargau auf einem Bauernhof stehende Solarkraftwerk.

Aber jetzt bremst ein Baustopp die endgültige Realisierung. Grund ist eine «massive Vergrösserung von Vordächern ohne Baubewilligung», wie Heinz Fischlin, Leiter Bau und Planung der Gemeinde Muri, feststellt. Das nachträglich eingereichte Baugesuch sei vom Kanton abgelehnt worden.

Müllers sehen die Sachlage allerdings anders, wie sie auf Anfrage der az erklären: «Wir haben zur Baubewilligung, die wir im Oktober 2012 für die Anlage erhalten haben, eine Projektänderung eingegeben. Dies erfolgte parallel zum Bau, weil wir wegen der Absenkung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) unter Zeitdruck kamen.» Gebaut wurde daher, bevor die Projektänderung genehmigt war.

Kommt es zum Rückbau?

Zuständig für die Baubewilligung ist der Kanton, weil der Wilihof ausserhalb des Baugebiets in der Landwirtschaftszone liegt. «Wir hätten den Kanton für eine Vorabklärung kontaktieren sollen», räumt Müller ein. «Da haben wir einen Fehler gemacht.» Aber er habe die Bauverwaltung in Muri über die bevorstehende Projektänderung informiert und ein grundsätzlich positives Echo erhalten.

«Davon will jetzt im Nachhinein aber niemand etwas wissen.» Mehr noch: Müller hat neuerdings neben dem Baustopp, gegen den er beim Rechtsdienst des Kantons Beschwerde eingereicht hat, eine Strafanzeige am Hals.

Für den Leiter Bau und Planung wiederum ist klar, dass die von Müller gemachten nachträglichen baulichen Veränderungen in einem Bewilligungsverfahren keine Chance gehabt hätten: «Sie treten von Boswil her gesehen stark in Erscheinung und beeinträchtigen das Ortsbild. Sie wären schon deshalb vom Kanton abgelehnt worden», ist Fischlin überzeugt. Für ihn ist klar: Müller wird die nicht bewilligten Vordächer rückbauen müssen.

Hand bieten zu Lösungen

Das Solarkraftwerk von Hanspeter und Susanne Müller ist die grösste Photovoltaikanlage auf einem Bauernhof im Aargau. Ihre Solarpanels sollen jährlich rund 850 000 Kilowattstunden Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Für Müllers sind die bestehenden Probleme letztlich aus einer Verkettung von unglücklichen Umständen entstanden.

«Diese negative Entwicklung eines doch auch für Muri positiven Projekts wollten wir auf keinen Fall.» Sie hoffen, dass es im Gespräch zu guten und konstruktiven Lösungen kommt.