Es ist eine verzwickte Sache: Die Karl Schätti AG, Baar, hat zwar eine Baubewilligung für ein neues Wohnhaus in Wiggwil, Gemeinde Beinwil, und das Haus auch schon im Rohbau aufgestellt.

Eine Einsprache gegen eine Projektänderung blockiert aber die Weiterführung des Baus. Wegen des dadurch bewirkten Baustopps seit rund einem halben Jahr fürchtet Bauherr Karl Schätti Bauschäden unter anderem am Dach, weil er es nicht eindecken darf.

Die Karl Schätti AG scheint die Leidtragende einer Geschichte zu sein, die sich eigentlich zwischen Nachbarn abspielt. Anton und Fränzi Zehnder haben im November eine Einwendung gegen die beabsichtigte Projektänderung im und am baubewilligten Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen gemacht.

Sie wehren sich als direkte Nachbarn dagegen, dass Eva Kollmann ihr landwirtschaftliches Betriebszentrum Wiggwil 7 B in den Neubau verlegen will, das heisst, Kellerräumlichkeiten für die Lagerung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen benutzen, den projektierten Hobbyraum im Untergeschoss zu einem Werkraum ausbauen und einen Teil der Auto- beziehungsweise Tiefgarage für das Einstellen von landwirtschaftlichen Maschinen beanspruchen will.

Eines ihrer Argumente: Die Baugenehmigung vom 2. Juli 2012 sei für eine reine Wohnbaute erteilt worden, die gewerblich betonten Zweckänderungen innerhalb des neu entstehenden Hauses seien abzulehnen.

Änderung zu spät eingereicht

Die von der Bauherrschaft gewünschten Nutzungsänderungen seien seit Baubeginn bekannt, halten Zehnders dazu fest. «Die Bauherrschaft hat es nicht für nötig befunden, rechtzeitig eine formelle Nutzungsänderung zu beantragen, sondern gleich die gewünschten Änderungen fortlaufend baulich umgesetzt.»

Die öffentliche Auflage der Projektänderung habe daher erst per 13. Oktober 2014 zu laufen begonnen, als der Rohbau bereits fast fertiggestellt wurde. Wenn nun versucht werde, die Bauherrschaft als Opfer hinzustellen, gehe dies völlig an der Realität vorbei. «Die Bauherrschaft hat sich die subjektiv zeitliche Dringlichkeit selber zuzuschreiben. Wenn sie erst mitten im Bau Projektänderungen beantragt, nimmt sie das Risiko bewusst in Kauf, dass die Bauarbeiten nicht wie gewünscht weitergehen.»

Zonenkonformität bestätigt

Eva Kollmann wiederum ist überzeugt, dass Zehnders eine Retourkutsche fahren, weil sie ihnen Pachtland gekündigt hat. Dabei verstosse die Projektänderung nicht gegen die Vorschriften der Weilerzone Wiggwil.

Bei ihrem Landwirtschaftsbetrieb handle es sich um ein zonenkonformes Gewerbe und die Nutzung sei weit unter dem Rahmen dessen, was ein Landwirt in der Landwirtschaftszone bauen dürfte. Auch die Abteilung Baubewilligungen des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) kommt am 25. August 2014 zum Schluss, dass das Bauvorhaben zonenkonform ist. Die untersuchten Belange der Landwirtschaft, der Raumplanung und des Ortsbildschutzes hätten zu keinen Vorbehalten geführt.

Zehnders sind jedoch der Ansicht, ein Gestaltungsplan habe zwingend die zulässige Nutzung festzuschreiben. Im rechtsgültigen Gestaltungsplan «Husmatt» sei eine Umnutzung der volumengeschützten Bauten zu Wohnzwecken und zu stillem Gewerbe erlaubt. «Eine landwirtschaftliche Nutzung fällt offenkundig nicht darunter.» Darauf basiere das laufende Beschwerdeverfahren, «alle weiteren Behauptungen sind völlig irrelevant».

Die beabsichtigten internen Grundrissänderungen und die zum Teil bereits erfolgten baulichen Anpassungen am Dach und an den Fassaden werden von der Fachstelle für Ortsbild, Siedlung und Städtebau als geringfügig bezeichnet und zur Bewilligung empfohlen. Die Sache liegt jetzt auf dem Tisch des Rechtsdienstes des Kantons Aargau.

Gegen eine Blache

Der Gemeinderat Beinwil verfügte am 17. November 2014, dass die Vornahme weiterer Bauarbeiten am Gebäude sofort einzustellen ist. Seit Anfang Dezember 2014 ruhen deshalb die Bauarbeiten.

Gegen diesen Baustopp hatte Schätti ein Beschwerdeverfahren angestrengt, das aber am 4. Juni nach dem Rückzug dieser Beschwerde von der Rechtsabteilung des BVU abgeschrieben wurde.

Karl Schätti kritisiert den Gemeinderat und die Rekursbehörde, mit dem Baustopp Bauschäden zu begünstigen, weil er das fertige Unterdach nicht mit Ziegeln eindecken darf.

Auf diesen Vorwurf erwidert Gemeindeammann Albert Betschart, der Gemeinderat habe der Karl Schätti AG von Anfang an zur Schadenabwehr alle Notmassnahmen zugestanden. «Es wäre zum Beispiel immer möglich gewesen, das Dach während des Baustopps mit einer Blache zu schützen.» Von dieser Massnahme will Karl Schätti allerdings nichts wissen, weil das noch schlimmere Feuchtigkeitsprobleme bringe.