Wohlen

Baugesuche für 5G-Antennen werden wieder geprüft: Das sind die Reaktionen der Parteien

Halten die Aargauer in Atem: die 5G-Antennen.

Halten die Aargauer in Atem: die 5G-Antennen.

Der Wohler Gemeinderat hob die Sistierung von Baugesuchen für 5G-Antennen wieder auf, nachdem er sie erst letzten September gutgeheissen hatte. Nun äussern sich die Parteien zu diesem Verhalten.

Ohne es an die grosse Glocke zu hängen, hat der Gemeinderat Wohlen die Sistierung von Baugesuchen für Mobilfunk-Antennen der 5G-Generation im Januar wieder aufgehoben. Seit Mitte September behandelte die Gemeinde keine Gesuche mehr von Swisscom oder Sunrise. Dieses Verhalten war rechtlich umstritten und sorgte bei den Parteien für Diskussionen.

Die Einwohnerratsfraktion der FDP Wohlen/Dorfteil Anglikon zeigte für das Vorgehen des Gemeinderates im vergangenen Herbst kein Verständnis. Er monierte den Entscheid als politisch. Dementsprechend zufrieden ist Einwohnerrat Mika Heinsalo (Dorfteil Anglikon), der sich damals mit einer dringenden Anfrage an den Gemeinderat wandte, mit der neusten Entwicklung in Sachen 5G-Baugesuche.

Heinsalo sagt: «Das war die einzig richtige Entscheidung. Die Grundlagen zur Erteilung einer Baubewilligung waren gemäss geltendem Recht gegeben und laut Bundesamt für Umwelt sind 5G-Baubewilligungen zu erteilen, wenn alle Vorschriften eingehalten sind. Die Sistierung war meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Ich bin froh, dass wir uns nun technologisch aufrüsten und uns den zukünftigen 5G-Anwendungen nicht verschliessen.»

Ein Befürworter der zeitweiligen Sistierung der Baugesuche war CVP-Einwohnerrat und Grossrat Harry Lütolf. Der Wohler Gemeinderat beruft sich bei seinem Entscheid, diese Sistierung aufzuheben, auf einen Expertenbericht des Bundes. Lütolf sagt dazu: «Dieser liegt zwar seit Ende November 2019 endlich vor, liefert aber bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen von 5G keine neuen Erkenntnisse. Die Aufhebung der Sistierung durch den Gemeinderat ist von daher nicht konsequent und kommt verfrüht.»

Für den CVP-Politiker war die Sistierung nach wie vor das einzig richtige Vorgehen und «direkte Folge der miserablen Vorbereitung des Bundes auf 5G». Lütolf kritisiert, dass man heute immer noch nicht wisse, wie man die Einhaltung der Grenzwerte messen solle. Auch darauf habe sich der Gemeinderat zu Recht berufen. «Da muss man sich fragen: Warum schon jetzt dieser Schwenker?», sagt Lütolf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO arbeitet seit fünf Jahren an einem neuen Bericht zu den Gesundheitsauswirkungen. Lütolf: «Dieser Bericht liegt noch nicht vor. Von Bedenkenlosigkeit von 5G kann derzeit also nicht die Rede sein.»

Einwohnerrätin Franziska Matter (Grüne) meint: «Wir finden die Aufhebung der Sistierung schade, verstehen sie aber. Es wird vonseiten der Telecomfirmen auch Druck gemacht. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind ungewiss. Wir werden uns weiterhin einsetzen, um den berechtigten Stimmen aus der Bevölkerung und deren Ängsten über 5G gerecht zu werden.»

SP-Parteipräsident Cyrille Meier nimmt wie folgt Stellung: «Die SP Wohlen erachtet die Aufhebung als richtig, da in der Zwischenzeit der Expertenbericht des Bundes veröffentlicht wurde und man laut Bericht von keiner signifikanten Gefahr von 5G ausgehen kann. Auch war klar, dass die Sistierung nur vorübergehend sein wird.» Weiter erklärt Meier, auf die Frage, ob die Sistierung sinnvoll war: «Wir haben die Sistierung begrüsst, da wir auch zuerst den Bericht abwarten wollten. Die Gesundheit der Bevölkerung sollte immer höher gewichtet werden als eine voreilige Einführung einer neuen Technik, bei der man die Auswirkungen nicht richtig einschätzen kann und noch keine schlüssigen Studien dazu vorliegen. In unseren Augen hat der Gemeinderat richtig gehandelt.»

Mika Heinsalo hat derweil eine Vorstellung, wie es weitergehen könnte: «Ich wünschte mir einen runden Tisch, mit allen Beteiligten aus Gemeinderat, Einwohnerrat, Gegner, Befürworter, Netzbetreiber, um diese 5G-Themen sachlich zu diskutieren und die Chancen und Befürchtungen zu identifizieren.»

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