Wohlen
Baugesuch: Kreis III soll endlich einen neuen Werkhof bekommen

Die zum Teil baufälligen Gebäude an der Farnstrasse in Wohlen stammen aus den Jahren 1936, 1954 und 1970.

Toni Widmer
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Der geplante neue Werkhof (Mitte), rechts der Hausteil mit Vorarbeiterwohnung und Garagen, den sich der Kanton 1954 gesichert hat. (Visualisierung)

Der geplante neue Werkhof (Mitte), rechts der Hausteil mit Vorarbeiterwohnung und Garagen, den sich der Kanton 1954 gesichert hat. (Visualisierung)

zvg

Davon hat der langjährige und mittlerweile pensionierte Kreisingenieur Kurt Ineichen schon vor 20 Jahren geträumt: ein neuer, zweckmässiger Werkhof für die Sektion Strassenunterhalt Kreis III. Ein Neubau war schon zu Zeiten von Baudirektor Thomas Pfisterer Thema und wurde unter dessen Nachfolger Peter Beyeler etwas konkreter. Wenn alles rund läuft, wird jetzt Stephan Attiger jener Baudirektor sein, der an der Einweihung des Neubaus die Ansprache hält. Nach mehreren erfolglosen Anläufen wurde 2006 konkret mit der Planung für das Projekt begonnen. Jetzt läuft das Baubewilligungsverfahren, im Sommer soll mit dem Bau begonnen und im Herbst 2016 der neue Werkhof bezogen und eingeweiht werden.

Schneeräumung: Schon 450 Tonnen Salz gebraucht

Der Winter hat lange auf sich warten lassen, seit Weihnachten ist laut Peter Moos, Strassenmeister im Kreis III, aber einiges los: «In der Nacht vom 25./26. Dezember waren unsere Leute erstmals stark gefordert. Im Januar gab es eine kleine Pause, aber jetzt sind wir seit Tagen wieder voll am Ball beziehungsweise am Schnee und Eis.» Moos und seine Leute sind für den nördlichen Teil des Strassennetzes im Kreis III zuständig. «Das sind rund 150 Kilometer, darunter als neuralgische Stellen Mutschellen und Sädel, die Talübergänge vom Reusstal ins Limmattal, sowie der Übergang von Büttikon nach Sarmenstorf, vom Bünztal ins Seetal», erklärt der Strassenmeister. Allein seit Weihnachten hätten seine Leute rund 450 Tonnen Salz gestreut. «Es hat Tage gegeben, da waren wir viermal auf Räumungs- und/oder Salztour.» Unterwegs sind primär Drittunternehmen. Der Werkhof selber hat nur wenig Räumungsfahrzeuge. Die Equipen werden jedoch stets von einem Werkhof-Mitarbeiter begleitet. «Das sind jene Leute, die nachts unterwegs sind, den Strassenzustand kontrollieren und dem jeweiligen Einsatzleiter melden», erklärt Moos. Eine neue Herausforderung sei der Nacht- und Schnellbusbetrieb über die Sädelachse: «Die Busse müssen schon sehr früh geräumte Strassen haben, noch bevor der normale Pendlerverkehr beginnt.» (to)

Schon lange behilft man sich mit Provisorien. Die Gebäude auf dem Werkhofareal vor dem Kreisel Boll wurden vor Urzeiten erstellt. Die Fahrzeughalle stammt aus dem Jahre 1936, den Gebäudeteil mit Vorarbeiterwohnung und Mannschaftsräumen konnte der Kanton 1954 kaufen und für seine Zwecke einrichten, das Bürogebäude wurde 1970 als Provisorium erstellt.

Schlechte Arbeitsbedingungen

In den letzten Jahren wurden im Hinblick auf einen Neubau nur noch die nötigsten Unterhalts- und Sanierungsarbeiten ausgeführt. Entsprechend sind die Gebäude zum Teil in einem desolaten Zustand und die Arbeitsbedingungen entsprechen längst nicht mehr den heutigen Anforderungen. Im Werkhof Kreis III gibt es kein Sitzungszimmer, im Büroprovisorium mit seinen dünnen Wänden pfeift der Wind durch die Ritzen und treibt die Heizkosten zusätzlich in die Höhe. Die Lagerräume sind dezentral verstreut, das Material muss teilweise über enge Treppen im Obergeschoss versorgt und von dort wieder heruntergeschleppt werden. Das Dach der alten Fahrzeughalle ist undicht. Weil die Balken teilweise morsch sind, wagt sich aber kein Dachdecker mehr für eine Reparatur dort hinauf.

Neubau unter Betrieb

Der neue Werkhof wird am bisherigen Standort realisiert. So muss der Uralt-Werkhof bis zu dessen Bezug in knapp zwei Jahren weiterhin reibungslos funktionieren. Die Arge Schulthess Savioni Kiuthan, Zürich – sie hat 2013 den vom Kanton lancierten Projektwettbewerb gewonnen – hat die Lösung in der Erweiterung mit einem neuen Hauptgebäude gefunden. Der längliche dreigeschossige Baukörper (UG, EG, OG) wird die bestehende Anlage entlang der Farnstrasse im Südwesten des Areals ergänzen. So kann der Betrieb auch in der Bauzeit mit erträglichen Einschränkungen aufrechterhalten werden. Insbesondere ist im nächsten Winterhalbjahr die Zufahrt zum Salzsilo gewährleistet. Hofseitig entstehen beim Neubau ein geschützter Werkplatz, die Garageneinfahrt und der Personaleingang. Besuchereingang, Besucherparkplätze und Hofeinfahrt kommen entlang der Farnstrasse zu liegen.

Ein reiner Zweckbau

«Der Neubau ist zweckdienlich ausgelegt, auf unnötigen Luxus wird verzichtet. Letztes brauchen wir gar nicht. Für uns ist wichtig, dass die Arbeitsbedingungen den heutigen Standards angepasst und die Arbeitsabläufe deutlich verbessert werden können. Mit dem vorliegenden Projekt wird das erreicht», sagt Kreisingenieur Manuel Baldi. Im Untergeschoss des im Minergie-ECO-Standard geplanten Neubaus sind die technischen Räume vorgesehen, inklusive einer neuen umweltverträglichen Pellet-Heizanlage. Weiter gibt es einen grossen Lagerraum für das Signalisationsmaterial. Dieses Lager ist mit einem Warenlift erschlossen. Im Erdgeschoss gibt es einen Mannschaftsraum mit Kochnische, einen Rapportraum sowie die nötigen Sanitäranlagen inklusive Trocknungsraum. Im Obergeschoss wird der Bürotrakt eingerichtet mit den nötigen Nebenräumen wie Sitzungszimmer, Archiv usw.

Das Büroprovisorium aus den 70er-Jahren verschwindet und mit ihm auch der darunter liegende 100 000 Liter-Tank. Er wurde im Zuge der Erdölkrise vom Kanton als Notreserve – unter anderem für das Spital Muri – erstellt. Ebenfalls abgebrochen wird die alte Fahrzeughalle. Die übrigen Gebäude werden sanft renoviert. Die reinen Gebäudekosten für das Projekt (ohne Umgebung und Planungshonorare) sind auf 3,5 Mio. Franken veranschlagt.