Littering im Freiamt (5)

Bauern fordern Respekt für Umwelt: «Kühe fressen lieber Gras statt Müll»

Christoph Hagenbuch sammelt auf seiner Wiese an der Kantonsstrasse Lunkhofen–Arni Abfall ein. Toni Widmer

Christoph Hagenbuch sammelt auf seiner Wiese an der Kantonsstrasse Lunkhofen–Arni Abfall ein. Toni Widmer

Bauern müssen immer mehr Aufwand betreiben, um ihre Wiesen von Glas- und PET-Flaschen, Aludosen oder Plastiktüten zu säubern. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf. Der Bauernverband hat eine nationale Aufklärungskampagne gegen Littering gestartet.

Im Sommer 2012 verendeten im Kanton Solothurn sechs Kühe vom gleichen Bauern. Man ging davon aus, dass Reste von Aluminiumdosen im Futter für ihren Tod verantwortlich waren. Der Vorfall zog weite Kreise. Immer mehr Bauern bestätigten dringenden Handlungsbedarf beim Littering. Der Schweizerische Bauernverband startete eine nationale Aufklärungskampagne. Unter anderem mit einer grossen Tafel am Strassenrand: «Ich fresse lieber Gras statt Müll», verkündet die dort abgebildete Kuh.

«Das Problem nimmt zu», sagt auch Christoph Hagenbuch, Landwirt in Oberlunkhofen und Vorstandsmitglied im Bauernverband Aargau. Betroffen sei vor allem der Futterbau entlang der Verkehrsachsen: «Wir selber haben zwei grosse Wiesen an der Kantonsstrasse nach Arni. Dort sammeln wir regelmässig Glas- und PET-Flaschen sowie Aludosen und Plastiktüten ein.

Das ist zeitaufwendig. Pro Jahr müssen wir dafür mindestens einen Arbeitstag einsetzen.» Würde Hagenbuch den Abfall nicht einsammeln, könnte er seine Tiere in Gefahr bringen: «Beim Mähen zerbricht das Glas und das Alu wird in kleine Teile geschreddert. Unsere Kühe können diese kleinen Teile mit dem Futter aufnehmen und sich verletzen oder sogar daran eingehen.» Die heutigen Mähwerke seien zwar mit Metalldetektoren ausgerüstet, erklärt Christoph Hagenbuch. Glasscherben und Aludosen könnten diese Geräte allerdings nicht erkennen.

Magnete im Kuhmagen

Direkt betroffen waren Hagenbuchs Tiere bisher nicht: «Wir haben bisher keine konkreten Anhaltspunkte auf Erkrankungen, die mit dem Littering zusammenhängen, können solche Fälle aber auch nicht ganz ausschliessen», erklärt der Landwirt. Allerdings habe es auch auf seinem Hof schon Kühe gegeben, bei denen Metallreste im Magen festgestellt wurden.

Da gäbe es eine spezielle Behandlungsmethode: «Man führt dem Tier einen speziellen Magneten in den Magen ein, der dann dortbleibt und dieses Material anzieht.» Solche Metallreste in Kuhmagen müssten nicht zwingend auf das Littering zurückzuführen sein, sagt Christoph Hagenbuch. «Es kann sich auch um Nägel oder Schrauben handeln, die auf irgendeinem Weg ins Futter gelangt sind.

Weniger schädlich für die Tiere, aber dennoch gravierend für die Umwelt ist der Plastik, der an den Strassenrändern liegen bleibt: «An den Plastikresten können sich unsere Kühe kaum verletzen, wenn sie solche fressen. Aber Plastik baut sich nicht ab, wird von der Kuh ausgeschieden und kommt mit der Gülle wieder auf die Felder. So gibt es einen ewigen Kreislauf und der Plastik wird immer mehr. Besser werden unsere Böden dadurch sicher nicht», sagt Hagenbuch.

Auch Hundekot macht Probleme

Nicht nur mit Littering haben die Bauern im Freiamt Probleme. Auch der Hundekot macht ihnen nach wie vor zu schaffen: «Der überwiegende Teil der Hundehalter benimmt sich vorbildlich und entsorgt den Kot in den Robidog-Behältern, die heute ja überall stehen», sagt Christoph Hagenbuch.

Nach wie vor gäbe es aber Leute, die ihre Tiere auf Wiesen und Äckern versäubern liessen, ohne sich um den Abfall zu kümmern: «Wenn unsere Tiere über das Futter Hundekot aufnehmen, können sie schwer erkranken oder sogar daran sterben», erklärt der Landwirt.

Die Probleme Littering und Hundekot, sinniert er, hätten wohl die gleichen Ursachen: «Es gibt leider immer noch Leute, die unsere Umwelt und unsere Natur kaum respektieren. Für mich erstaunlich, denn eigentlich deckt sich das gar nicht mit dem Wählerverhalten in unserem Land.»

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