Buttwil
Bauer Strebel zeigt sich an wegen Schafkrankheit

Robert Strebel (55) hat sich selbst angezeigt, um auf die Schaf-Erbkrankheit Entropium aufmerksam zu machen. Doch auch die Justiz will nichts unternehmen wie schon alle anderen Instanzen bevor.

Andrea Weibel
Merken
Drucken
Teilen
Bauer Roland Strebel

Bauer Roland Strebel

Mehrere Tiere des Buttwiler Schafzüchters Robert Strebel litten unter dem Gendefekt Entropium, bei dem die Augenwimpern nach innen wachsen. Für Strebel ist klar: «Das wurde ihnen vom Zuchtwidder weitervererbt.» Der Defekt sei für die Tiere äusserst schmerzhaft, «deshalb muss er ausgemerzt werden», sagt der Tierfreund. Seit zwei Jahren ist die Qualzucht in der Schweiz verboten. Darum hätte der neue und ausgezeichnete Widder, den Strebel angeschafft hatte, «gar nie ins Zuchtbuch aufgenommen werden dürfen».

In seinem Bestreben, die kranken Tiere von der Zucht ausschliessen zu lassen, ist er vor sämtliche Instanzen gelangt, doch sei er beinahe überall auf taube Ohren gestossen, bedauert Strebel. Aus diesem Grund hat er sich selbst angezeigt. «Wäre ich verurteilt worden, hätte ich mit diesem Urteil vor die Verbände treten können, dann wäre vielleicht etwas gegangen. Aber man sagte mir nur, es gäbe keine Weisungen gegen das Entropium, also auch keine Verurteilung», ist er enttäuscht.

Kranker Gewinner

Einer der schlimmsten Momente sei für ihn gewesen, als im vergangenen Jahr ein Widder, bei dem man die Krankheit sofort erkannte, «da er die Augen kaum öffnen konnte», bei einer Zuchtausstellung in Brugg den ersten Preis gewann. «Bei den Ausstellungen zählen drei Dinge: die Körpergrösse, die Füsse und die Wolle», weiss Strebel. «Wenn diese drei Punkte alle mit guten Noten bewertet werden, will man mit diesem Widder weiterzüchten. Darauf, dass er aber einen schmerzhaften Gendefekt ebenfalls mitvererbt, wird nicht geachtet», ist Strebel empört.

Wissenschaft einbeziehen

Die Aargauer Kantonstierärztin Erika Wunderlin versteht Strebels Anliegen. «Dennoch kann ich nichts tun, da die Qualzucht bisher zu wenig genau definiert ist.» Der einzige Weg, den sie sieht, ist: «Die Verbände und Züchter müssten festhalten, dass das ein Problem ist. Danach müssten sie den Anstoss geben, damit das Ganze wissenschaftlich angegangen werden kann.»

Denn genau so sei es bei der Hundezucht verlaufen. «Bei Hunden ist Entropium schon lange bekannt. Dort haben sich die Verbände und die Universitäten des Problems angenommen und versuchen es zu lösen», so Wunderlin. Die Wissenschaft sei dabei unumgänglich, denn «beim Entropium ist nicht ein einzelnes Gen für die Krankheit verantwortlich, sondern verschiedene Allele auf verschiedenen Genen», so die Kantonstierärztin. «Man muss erst bestimmen, welche Tiere den Defekt aufweisen, dann kann man diese gezielt aus der Zucht nehmen.»

Dies könne jedoch nicht der Kantonstierarzt verfügen, da müssten sich die Verbände zusammentun. «Und es geht leider auch nicht so schnell, wie man das gerne hätte. Die Hundezüchter arbeiten seit Jahrzehnten daran», weiss sie.

Experten werden sensibilisiert

Der Präsident des kantonalen Schafzüchterverbandes, Arthur Häusermann, sagt einzig: «Für uns ist das kein Thema, denn es scheint nur bei sehr wenigen Leuten vorzukommen. Unser Hauptproblem ist jedoch, dass wir keine Weisungen von oben haben.» Dass nichts getan werde, stimme aber auch nicht: «Auf interkantonalen Märkten werden derzeit die Experten sensibilisiert», weiss Häusermann. Auffälligkeiten müssten diese dem Schweizer Gesundheitsdienst des Schafzüchterverbandes melden, damit dort eine Statistik angelegt werden könne.

«Man ist am Thema dran», bestätigt die Kantonstierärztin. «Es wäre jetzt einfach wichtig, dass sich die Züchter untereinander verständigen und mit den Verbänden gemeinsam vorgehen.» Robert Strebel stehe also nicht alleine da. «Man darf einfach nicht erwarten, dass so was von heute auf morgen gelöst werden kann.»