Muri

Barfuss aber mit Maske

Jokers zu Besuch bei «Musig im Pflegidach» in Muri.

Jokers zu Besuch bei «Musig im Pflegidach» in Muri.

Am Sonntagabend traten Vincent Peirani, Federico Casagrande und Ziv Ravitz als das Trio «JOKERS» beim «Musig im Pflegidach» auf. Sie überzeugten das Publikum mit ihrem Auftritt auf ganzer Linie und sorgten für einige Überraschungen.

Tonprobleme und verschärfte Coronamassnahmen brachten das Trio nicht aus der Fassung. Bereits am Anfang des Konzerts bekamen die Musiker und die Zuschauer zu spüren, was es heisst, wenn nicht immer alles nach Plan läuft. Das Stichwort: Tonprobleme. Hören konnte man alles, jedoch konnte der Techniker nichts mehr verändern, denn das Mischpult war «eingefroren».

Doch die Musiker nahmen es locker und überspielten alles mit ihrer humorvollen Art. Um die Zeit zu überbrücken, während dem das Mischpult nochmals hochgefahren wurde, riss der Franzose am Akkordeon einen Witz nach dem anderen. Als dann alles seine Richtigkeit hatte, fügte er scherzhaft hinzu: «Naja, vielleicht können wir ja bald aufhören. Eventuell ist dies der letzte Song, den ihr heute Abend von uns hören werdet, falls der Ton wieder ausfällt.»

Der Vater als Vorbild

Um in die Fusstapfen seines Vaters zu treten, der selbst ein begnadeter Musiker war, lernte Peirani im frühen Alter das Akkordeonspielen. Jedoch nicht freiwillig, wie er später mitteilte.

«Als einziger Junge in der Familie habe ich meinem Vater alles nachgemacht. Er zeichnete gerne, also fing ich auch an zu zeichnen und ging später sogar auf eine Kunsthochschule. Mit elf Jahren sagte ich ihm, dass ich liebend gerne Schlagzeug spielen würde. Er entschied aber für mich, dass dies nicht in Frage käme. Wenn ich Musik machen will, sollte ich Akkordeon spielen. Ein anderes Instrument durfte ich nicht erlernen. Er liess mir keine Wahl. Doch nach ein paar Jahren habe ich Gefallen daran gefunden. Heute danke ich ihm natürlich. Sonst wäre ich jetzt nicht hier.»

Das Kartenspiel der Musik

Der Abend verlief ganz nach dem Motto «Von unserem Trio kann jeder der Joker sein». Jeder der drei Musiker bekam die Chance, das Beste aus sich herauszuholen und zu zeigen was er kann. Peirani drückte die Tasten in einem unglaublich schnellen Tempo, so dass man nicht einmal mehr mit den Augen mitkam. Casagrande zeigte allen Zuschauern, wie gefühlvoll, aber auch imposant er Gitarre spielen kann und Ravitz überzeugte nicht nur mit dem Schlagzeug. Er summte in manchen Songs die Melodie mit und bewies dem Publikum, dass er jeden Ton «Eins a» treffen kann.

Ausserdem bedeutet «Joker» auch, dass man ihn unterschiedlich einsetzen kann. So kann zum Beispiel der Schlagzeuger die Melodie spielen und der Gitarrist den Rhythmus. Andersherum kann auch der Schlagzeuger den Rhythmus übernehmen. Für keines der Instrumente ist eine bestimmte Aufgabe zugeteilt worden. Ausserdem klärte der 40 – jährige Franzose auf: «Der Bandname Joker hat rein gar nichts mit dem Film «Der Joker» zu tun. Als ich die Idee zu diesem Namen hatte, gab es diesen Film noch nicht einmal. Ich hatte dabei eher an das Kartenspiel gedacht, indem der Joker überall einsetzbar ist, wie auch die Instrumente in unserem Trio.»

Der Anfang des Trios

Die Band ist erst seit zwei Jahren richtig komplett. Denn seit dieser Zeit ist der Schlagzeuger Ziv Ravitz ein Teil davon. «Und Federico Casagrande ist ein Freund, von einem Freund, von einem Freund», so Peirani. «Wir haben schon einige Projekte zusammen gemacht, zum Beispiel haben wir zusammen in einem Film mitgespielt. Doch als Trio ist es erst ungefähr das zehnte Konzert.»

Dass sie erst ganz am Anfang sind, hat man nicht gemerkt. Sie strahlten eine völlige Vertrautheit aus und bewiesen, dass sie ein eingespieltes Team sind. Immer wieder schauten sich die Musiker gegenseitig an, lächelten und zeigten sichtlich Spass. Mitten im Konzert packte Peirani dann plötzlich ein typisch französisches Instrument aus, welches «Accordina» heisst und für Staunen im ganzen Publikum sorgte.

Der Abend hielt viele unerwartete Überraschungen bereit, wie zum Beispiel Peirani, der barfuss auftrat und die Beichte des 40 – jährigen Akkordeonspieler: «Ja, auch ich bin nach all den Jahren immer noch nervös vor jedem Konzert». Doch genau das zog die Zuschauer, welche natürlich alle mit Masken zuhörten, in den Bann des Trios und machte die dreiköpfige Band authentisch und sympathisch.

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