Muri
Bankgarantien über drei Jahre für Singisenflügel

Der Murianer Gemeinderat betont am Informationsabend, dass kein Geschäft je so gut abgesichert wurde wie der Verkauf des historischen Gebäudeteils. «Eine einmalige, nicht wiederkehrende Chance für alle in Muri», so die Gemeinde.

Eddy Schambron
Drucken
Teilen
Auch der Konventgarten des Klosters geht, inklusive Unterhalt, an den Käufer und später an die Stiftung Murikultur. ES

Auch der Konventgarten des Klosters geht, inklusive Unterhalt, an den Käufer und später an die Stiftung Murikultur. ES

Die Diskussion am Informationsabend über den Verkauf des Singisenflügels im Klosterdorf zeigte: Die Murianerinnen und Murianer stehen dem Geschäft positiv gegenüber.

Der Gemeinderat konnte auch einige noch offene Fragen beantworten – zum Beispiel, dass der Singisenflügel an die Gemeinde zurückgehen würde, sollte die Stiftung Murikultur irgendeinmal aufgelöst werden.

Der Doktor ist schon «verdächtig»

Doktoren haben es offenbar nicht leicht. Als der Murianer Gemeindeammann Josef Etterlin an der Informationsveranstaltung über den Singisenflügel den Juristen mit «Herr Dr. Simon Käch» ans Mikrofon bat, winkte dieser ab. «Auf den Doktor kannst du verzichten», meinte er zum Gemeindeammann gewandt, «damit macht man sich heutzutage ja schon verdächtig.» Simon Käch vergass jedoch nicht nachzuschieben, dass seine Dissertation auch einer genauen Überprüfung standhalten würde. (es)

Immer in Murianer Hand

Gemeindeammann Josef Etterlin führte aus, dass der Singisenflügel dank des rechtlich abgesicherten Schenkungsversprechens durch den Käufer Franz Käppeli aus Zürich in Murianer Hand bleibt.

Neue Besitzerin wird spätestens in zehn Jahren die Stiftung Murikultur. Mit dem Kauf des historischen Gebäudeteils einher gehen baulichen Anpassungen und Renovationen vor der Schenkung.

Ebenso übernimmt der neue Besitzer den Unterhalt sogar des Konventgartens.

Mit den 5 Millionen Franken, die Käppeli für den Singisenflügel zahlt, kann die Gemeinde ein neues Verwaltungsgebäude im Bahnhofareal oder aber den Umbau des Ammannhauses finanzieren. «Das ist eine einmalige, nicht wiederkehrende Chance für alle in Muri», betonte Etterlin.

Gemeinderat: Alle hinter dem Verkauf

Der Verkauf des Singisenflügels sei ein ausserordentliches Geschäft, sagte Gemeindeammann Josef Etterlin. «Kein Geschäft wurde je so abgesichert wie dieses.» Vizeammann Hampi Budmiger führte aus, dass der Singisenflügel nicht zum «Tafelsilber» von Muri gehöre, sondern eher als «Zeitbombe» einzustufen sei. Es würden im Laufe der Zeit beträchtliche Renovationskosten ins Haus stehen. Christine Brun ergänzte, dass Franz Käppeli für die Zeit, in der die Gemeinde nach dem Kauf noch im Singisenflügel eingemietet sein werde, auf einen Mietzins verzichtet. Milly Stöckli erklärte, Muri wäre gerüstet, wenn das neue Klostermuseum und das entstehende Kulturhaus mehr Verkehr anziehen würden. Heinz Nater machte klar, dass für die Vereine im Klosterbezirk die heutigen Möglichkeiten erhalten blieben, wenn nicht verbessert würden, weil die Stiftung Murikultur ihre Räume öffnen will. (es)

«Tafelsilber verscherbeln?»

Tobias Knecht, Präsident der FDP Muri, fragte – allerdings nicht im Namen der Partei –, ob die Gemeinde mit 5 Millionen nicht «das Tafelsilber verscherbelt».

Er hätte gerne Einblick in die Berechnung des Ertragswerts von 3,3 Mio. Franken gehabt. Diese Berechnung, genauso wie das ganze Vertragswerk, sei ab 6. Juni auf der Kanzlei einsehbar, wie Etterlin versicherte. Urs Wüthrich, Präsident der CVP, fragte sich, ob der Singisenfügel im schlechtesten Fall «vergammelt» an die Gemeinde zurückkomme.

Etterlin versicherte, dass Käppeli bis zu 2,5 Mio. Franken zusätzlich zum Kaufpreis investiere. Auch der Unterhalt für 20 Jahre sei gesichert, unterstrich Caroline Muff, Stiftungsrätin der Stiftung Murikultur.

«Die Details werden wir in nächster Zeit mit Franz Käppeli regeln.» Auf eine entsprechende Frage von Herbert Strebel, Grossrat, CVP, unterstrich Muff, dass die Stiftung ein offenes Kulturhaus führen wolle. Das Caspar-Wolf- Kabinett käme ins 1. Obergeschoss.

Was passiert bei Konkurs?

Rechtsanwalt Simon Käch und SVP-Muri-Präsident machte darauf aufmerksam, dass bei einem Konkurs das Schenkungsversprechen aufgehoben würde.

«Ich weiss ja nicht, wie vermögend Herr Käppeli ist.»

Marco Hauser, Präsident der Josef-Müller-Stiftung und auch Rechtsanwalt, konnte ihn beruhigen. «Es liegen Bankgarantien für drei Jahre vor.»

Christof Käppeli gratulierte dem Gemeinderat dazu, wie er das Geschäft eingefädelt habe, wollte aber auch wissen, ob die Gemeinde durch den Verkauf gezwungen werde, neue Räume für die Verwaltung zu realisieren.

Gemeindeammann Etterlin meinte, dass die Verwaltung nicht wegen des Verkaufs den Singisenflügel verlasse, sondern in drei bis vier Jahren ohnehin neue Räumlichkeiten benötige. «Jetzt kommen sie eben etwas früher als erwartet.»

Markus Bohren glaubt, dass der neue Verwaltungsbau sowieso mehr kosten wird als die kommunizierten 3,5 Mio. Franken.

Dem widersprach der Gemeinderat: Die Schätzungen für das Ammannhaus seien schliesslich von Profis gemacht worden.

Aktuelle Nachrichten