Im Konflikt zwischen Liebe und Vernunft wählte die 41-jährige Bankangestellte fatalerweise die Liebe und nicht die Vernunft: Als ihr Partner kurz vor Weihnachten 2012 verhaftet wurde, raunte er ihr zu, dass sie «den Safe leeren» solle.

Sie entnahm aus dem Schliessfach der Bank, wo sie angestellt war, die ganze Barschaft über 700'000 Franken und versteckte sie zuerst bei sich zu Hause und später bei einem Kollegen. Aber vom schlechten Gewissen gepackt, übergab sie das Geld dann doch Zug um Zug den Strafverfolgungsbehörden, die gegen ihren Partner aktiv geworden waren.

Nichts von den Geschäften gewusst

Die späte Einsicht nützt der Bankangestellten wenig: Die Bank, wo sie 23 Jahre lang seriös gearbeitet hatte, hat sie vorerst freigestellt und wird sie entlassen, sobald sie nicht mehr krankgeschrieben ist. Zudem musste sie sich gestern vor dem Bezirksgericht Bremgarten wegen Geldwäscherei verantworten.

Die Staatsanwaltschaft und Gerichtspräsident Lukas Trost warfen ihr vor, dass sie gewusst oder mindestens geahnt haben müsse, dass ein Teil der versteckten Barschaft «dreckiges Geld» sei, wie sich Trost ausdrückte.

Die Bankangestellte erklärte, dass sie nie im Bild gewesen sei, wie ihr Partner seine Geschäfte abgewickelt habe. Aber spätestens bei seiner Verhaftung hätte sie hellhörig werden müssen, meinte Trost.

Er verstehe zwar, dass sie sich in einem Loyalitätskonflikt befunden und in einer Stresssituation gehandelt habe. Aber gerade eine erfahrene Bankangestellte wie sie müsse vertraut sein mit den Vorschriften über die Geldwäscherei und sollte sich demnach strikt daran halten.

Ihr Partner machte deutlich, dass der kleinere Teil der 700'000 Franken aus dem Handel mit den illegalen Substanzen stamme.

Den grösseren Teil habe er mit legalen Geschäften verdient. Das Fitnesscenter habe er neben seinem Beruf im Baugewerbe geführt. Seine Freundin habe nichts vom Handel mit den fraglichen Substanzen gewusst.

Einige Ungereimtheiten

Die Bankangestellte habe bei ihrer Aktion nicht vorsätzlich gegen das Gesetz verstossen, sie habe den Hintergrund des von ihrem Partner betriebenen Handels nicht gekannt und müsse deshalb freigesprochen werden, erklärte ihr Verteidiger.

Im Strafverfahren gegen seine Mandantin, «ein Opfer der Loyalität zum Vater ihres Kindes», ortete er einige Ungereimtheiten. So habe ihr der Polizist, der sich mit dem Fall befasste, davon abgeraten, einen Verteidiger zu nehmen.

«Damit wurden die Rechte meiner Mandantin beschnitten», so der Verteidiger. Der Polizist habe sie in der Bank vor den weit aufgesperrten Ohren der Kunden und Kollegen unmöglich gemacht und beschuldigt, beklagte sich anschliessend auch die Bankangestellte über den Beamten.

Gerichtspräsident Lukas Trost fand «ein gewisses Verständnis» für die Drucksituation, in der sich die Frau befand.

Aus Rücksicht auf ihren bisher guten Leumund, ihren schlechten gesundheitlichen Zustand und das bevorstehende Ende der Karriere auf der Bank reduzierte er die bedingte Geldstrafe von 15'000 auf 10'800 Franken gegenüber dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger kündigte noch während der Verhandlung an, dass er den Fall ans Obergericht weiterziehe.