Muri
Banda Magda vereint Frankreich und Argentinien

Der Startschuss zur 13.Ochsen-Saison am Sonntag stand ganz im Zeichen von Leidenschaft, Liebe und der Verschmelzung verschiedener musikalischer Identitäten.

Aline Bonifay
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Banda Magda – voll von Leidenschaft, Liebe und der Verschmelzung verschiedener musikalischer Identitäten.Stephan Diethelm

Banda Magda – voll von Leidenschaft, Liebe und der Verschmelzung verschiedener musikalischer Identitäten.Stephan Diethelm

Das erste Bild der Frontfrau Magda Giannikou (Akkordeon und Gesang) täuscht. Die kleine, hübsche Griechin, die sich anfangs noch ein wenig unbeholfen nach ihren Bandmitgliedern umschaut, hat es faustdick hinter den Ohren. Das merkt man, sobald sie sich in der Welt ihrer Musik bewegt und das Feuer in ihren Augen zu glühen beginnt.

Die Perkussionisten Marcelo Woloski und James Shipp hingegen zeigen sich schon von Beginn der Show an überaus extrovertiert und kommunizieren ganz klar, dass sie sich nirgends wohler fühlen, als im Scheinwerferlicht. Je mit einem Tamburin ausgerüstet tanzen sie durchs Publikum auf die Bühne, wo ihre Rhythmen sich vereinen und sie sich im Gleichtakt wie siamesische Zwillinge bewegen.

Dreifaltigkeit

Auch Gitarrist Ignacio Hernandez und Bassist Andres Rotmistrovsky bilden zusammen eine Einheit. Kaum bemerkbar stehen sie beinahe regungslos im Hintergrund, konzentrieren sich ausschliesslich auf ihre Hände und ihre Instrumente und heben nur gelegentlich den Kopf, um einen Einsatz abzunehmen oder das Tempo auf Sängerin Magda abzustimmen. Trotz dieser absolut minimalistisch gehaltenen Kommunikation sind Bass und Gitarre ein bombensicheres Fundament und offensichtlich ein Team, das so gut harmoniert, dass selbst Blickkontakt überflüssig wird. Zusammen mit der Sängerin, die den Kontaktpunkt zum Publikum bildet und die beiden Perkussionisten, die gelegentlich eine Prise musikalischen Humor streuen, indem sie bewusst Trommelschläge auslassen und daraufhin schelmisch in die Menge grinsen, ist die Band in drei Ebenen geteilt, die einzig durch Harmonien und Melodien vereint bleiben.

Der Stil von Banda Magda ist einzigartig. Die Musiker und die Musiker vermischen lateinamerikanische Rhythmen mit französischen Chanson-Texten, vereinen mädchenhaften Gesang mit leidenschaftlichen Akkordeonharmonien und kreieren so ihr eigenes musikalisches Universum frei von Normen und stereotypischen Käfigen, um so ihre eigene musikalische Identität zum Vorschein zu bringen.

Die südländisch anmutenden Harmonien, die dank dem Klang des Akkordeons noch deutlicher hervorgehoben werden, vermitteln das Gefühl, sich mitten in einer argentinischen Fiesta zu befinden. Stillsitzen ist unmöglich, das bestätigt ein Blick ins Publikum, wo bereits Leute aufstehen, um tanzen zu können. Im Song «couche-toi», einem sich zum leichtfüssig tänzerischen Stück entwickelnden Schlaflied, bindet die Band das sichtlich aktive Publikum weiter mit in seine Performance ein.

Doch kein Wiegenlied

In einer «call and response»-Episode kommt Lagerfeuerstimmung auf, die durch eine funkelnde Gitarrenmelodie und das Vibrafon, das eine Sommernachtshitze symbolisiert, verstärkt wird. Der Schauplatz hat sich gefühlsmässig schon längst aus dem Ochsensaal in einen mediterranen Hinterhof verschoben und die Musiker blühen langsam aber sicher alle in voller Pracht auf. Der Höhepunkt bildet der wohl bekannteste Song «Amour t’es là». Die Suche nach der Liebe, der Hauch einer Lolita im Auftritt der Sängerin, neckische Rhythmen und fliessende Harmonien machen dieses Stück «très français». Das Publikum singt mit, als hätte es den Refrain schon hundert Mal im Radio gehört.

«Musig im Ochsen» hat die NZZ-Wahl zu einem der bedeutendsten Musiklokale der Schweiz zu Recht geschafft, das wissen die Musiker genau so gut wie das Publikum, denn zwischen Bühne und Zuhörerraum harmoniert es immer perfekt.