Die Gesamtschule Geltwil steht wohl vor der grössten Herausforderung ihrer Geschichte: Wenn der Kanton aus Spargründen die Mindestschülerzahl zur Führung einer Schule auf 15 erhöht – und davon kann man ausgehen – ist die Dorfschule in ihrer Existenz bedroht.

«Die Schliessung der Schule ist das Letzte, das wir wollen», sagt Schulpflegepräsidentin Corinne Arnold. Deshalb sucht die Schulpflege zusammen mit einem Berater der Fachhochschule Nordwestschweiz nach Möglichkeiten, die Schule erfolgreich weiterzuführen. «Aber wir müssen auch auf das schlechteste Szenario, die Schliessung, vorbereitet sein.»

Aus eigener Kraft ist es jetzt schon schwierig, die heute geltende Mindestzahl von 12 Schulkindern zu erreichen. Zwar ist jetzt wieder eine gewisse Bautätigkeit im Gange, die möglicherweise neue Schulkinder in die Gemeinde bringt. Aber schon seit Jahren positioniert sich die Gesamtschule Geltwil als Natur- und Erlebnisschule und damit als Alternative zu anderen Schulen, um auswärtigen Kindern gegen ein bescheidenes Schulgeld anzuwerben.

Neu können sogar Tagesstrukturen in Zusammenarbeit mit der Kinderkrippe Buurehöfli in Beinwil angeboten werden, was die Schule zusätzlich attraktiv macht. Das «Buurehöfli», geführt von Primarlehrerin Brigitte Nietlispach-Tschumi und ihrem Mann Manuel, Käser und Landwirt, befindet sich in Winterschwil, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Geltwil, sodass der Fahrdienst für die Kinder jederzeit gewährleistet ist.

Neue hohe Hürde

Mit mindestens 15 Schulkindern wird die Hürde, die Schule eigenständig zu betreiben, eine besondere Herausforderung. «Es sind vier Möglichkeiten, die wir jetzt genauer prüfen», sagt Arnold. Es sind dies die Schaffung einer Tagesschule mit den ganzen, entsprechenden Strukturen, die Kooperation mit einer oder mehreren Gemeinden, die Integration der Geltwiler Schule in einer Kreisschule oder die Führung als Privatschule. «Wir stehen noch ganz am Anfang, es haben weder Gespräche mit dem Gemeinderat noch mit benachbarten Gemeinden stattgefunden», macht die Schulpflegepräsidentin klar.

Es ist das erklärte Ziel des Gemeinderates und der Bevölkerung, die Schule als Mittelpunkt der Gemeinde zu erhalten. 2011/2012 wurde das bestehende Schulhaus mit Kosten von rund 2,2 Millionen Franken grundlegend modernisiert und ausgebaut. In naher Zukunft wird zudem eine neue, eigene Website für die Schule aufgeschaltet, auch das eine Massnahme, um die Attraktivität weiter zu steigern.

An der Gesamtschule Geltwil unterrichtet Klassenlehrer Roman Kretz, unterstützt von verschiedenen Lehrkräften in Teilpensen und der Schulassistentin. Schulleiterin ist Manuela Mettler. Der Unterricht ist oft klassenübergreifend, Sport wird manchmal auch im nahen Wald geboten. Bei der externen Schulevaluation durch die Fachhochschule Nordwestschweiz wurde der Schule ein positives Zeugnis ausgestellt. Alle Ampeln stehen auf Grün.

Eine Woche offen

Um zu zeigen, was die Gesamtschule ist und wie sie funktioniert, organisieren Schulleitung und Schulpflege gleich eine ganze «Woche der offenen Tür». Vom 4. bis 8. April sind alle eingeladen, Schulluft zu schnuppern. Für die Kleinsten wird eine Spielecke eingerichtet.

Speziell ist der Freitag: An diesem Tag findet der Schulunterricht von 8.20 bis 15 Uhr in der Waldhütte statt. Besucherinnen und Besucher werden sogar zum Zmittag in freier Natur eingeladen. «Mit dieser Woche wollen wir die Vorteile des Gesamtschulunterrichts aufzeigen, aber auch den Wert der Schule für die Gemeinde», unterstreicht Arnold. Auch Auswärtige sind eingeladen, in den Schulbetrieb reinzuschauen und mehr darüber zu erfahren, wie die Geltwiler Schule der Zukunft aussehen könnte. Arnold hofft, dass die Bevölkerung so für die besondere Situation, in der die Schule Geltwil steckt, zusätzlich sensibilisiert wird.