Beinwil

Bald wird das letzte Bier ausgeschenkt: Lindenbergbräu braut nicht mehr

Es ist besiegelt: Robert Wettstein (links) verkauft die Brauanlage an Stefan Stutz in Oberlunkhofen .

Es ist besiegelt: Robert Wettstein (links) verkauft die Brauanlage an Stefan Stutz in Oberlunkhofen .

Robert und Tina Wettstein schliessen ihre Brauerei nach zehn Jahren – die Anlage kommt ins Kelleramt.

Bald wird das letzte Bier aus der Lindenbergbräu GmbH im Glas schäumen: Robert und Tina Wettstein, die seit zehn Jahren die Freiämter Kleinbrauerei betreiben, hören auf. Die Brauanlage bleibt in der Region: Sie kommt in eine neu gegründete Kleinbrauerei in Oberlunkhofen und wird der Herstellung von «Drüüklang»-Bier dienen.

Angefangen haben Robert und Tina Wettstein mit dem Lindenbergbräu in der ehemaligen Käserei in Buttwil, später konnten sie ihre Brauerei in der ehemaligen Käserei Beinwil vergrössern. Jetzt wird das Unternehmen altershalber und auch angesichts der schwieriger gewordenen Marktsituation geschlossen, nachdem keine geeignete Nachfolge gefunden werden konnte. «Wir wurden zwar für unser Bier oft gelobt, hatten aber immer etwas Mühe mit der lokalen Akzeptanz», sagt Wettstein.

«Zudem ist es schwierig, mit einheimischem Bier in den Restaurants Fuss zu fassen.» Kommt hinzu, dass der Absatz zusätzlich erschwert wird, wenn Wirte ihre Lokale schliessen. «Ohne den Wirt, der hinter dem lokalen Bier steht, geht es nicht.» Konkurrenz gibt es zudem von weiteren Kleinstbrauereien. «Als wir anfingen, waren wir die Nummer 216 auf der Biersteuerliste. Jetzt werden über 800 geführt.» Missen möchte Wettstein, beruflich eigentlich aus dem EDV-Bereich kommend, die Zeit als Bierbrauer nicht. «Wir haben sehr viele schöne Erlebnisse gehabt und zahlreiche fröhliche und nette Menschen kennen gelernt. Daraus sind auch Freundschaften entstanden.»

Anlage nach Oberlunkhofen

Gerne hätte Wettstein die Firma als Ganzes einem Nachfolger übergeben. Da dies nicht klappte, liquidiert er nun das Unternehmen. Der Zufall will es, dass die Brauanlage jetzt nach Oberlunkhofen kommt, den Ort, wo er vorher 19 Jahre lang gelebt hat. «Das berührt mich, und ich freue mich darüber.» Tatsächlich haben Stefan Stutz und Roger Reuteler, beide Hobbybrauer, die Anlage gekauft, um in Zukunft ihr «Drüüklang»-Bier darin zu brauen. Eigentlich wollten sie die Anlage nur einmal besichtigen, bevor sie eine eigene für ihre Drüüklang-Bräu GmbH kauften. Sie erfuhren erst bei einem Besuch in Beinwil, dass Wettsteins Anlage zum Verkauf stand.

Fernlicht oder Nachtbus?

Der Name «Drüüklang» kommt nicht von ungefähr. Stefan Stutz ist der Sohn des Postautohalters Rolf Stutz, und Postautos hupen im «Drüüklang». Für die beiden Hobbybrauer ist der Kauf der Anlage ein Glücksfall. «Die Nachfrage nach unserem Bier ist gestiegen, aber wir konnten bisher monatlich nur rund 500 Flaschen abfüllen. Jetzt können wir die Kapazität erhöhen.» Konkret liegt die Kapazitätsgrenze der Brauanlage bei 24 000 Litern jährlich. Sowohl Stutz, im Postauto-Unternehmen Rolf Stutz AG tätig, als auch Swiss-Pilot Reuteler werden die Bierbrauerei neben ihrer beruflichen Tätigkeit betreiben. Die drei «Drüüklang»-Biersorten heissen «Fernlicht», ein helles Dinkel, «Bremslicht», ein Amber und «Nachtbus», ein dunkles Porter.

Entstanden ist das «Drüüklang»-Bier aus einer – was denn sonst – «Bieridee»: Stutz und Reuteler begannen für den monatlichen Fahrerstamm der Rolf Stutz AG das eigene Feierabendbier in der hauseigenen, sogenannten Pneu-Bar zu brauen. Nachdem sie private Anlässe beliefern konnten, sprach sich das Bier aus dem Postautobetrieb herum, die Nachfrage stieg. «Jetzt bauen wir die alte Postautogarage lebensmittelgerecht um, damit wir dort mit der Anlage der Lindenbergbräu diese Nachfrage befriedigen können», freut sich Stutz.

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