Freiamt

Bald werden die Heizungen am Anschlag laufen

Atakan Ermeydan (Lehrling) und Sead Redzepi schliessen eine Wärmepumpe an.

Atakan Ermeydan (Lehrling) und Sead Redzepi schliessen eine Wärmepumpe an.

Auch länger andauernde eisige Temperaturen bringen die Fachleute nicht in Verlegenheit. Die «Bise», die kalten Nordwinde, stellen da viel eher ein Problem dar.

Jetzt, wo sibirische Kälte das Freiamt einfriert und am Wochenende Temperaturen bis minus 11 Grad vorausgesagt werden, denkt man nicht nur an vereiste Strassen, sondern auch
an eingefrorene Wasserleitungen und Heizungen, die im dümmsten Moment den Betrieb einstellen. Ganz so schlimm ist der massive Kälteeinbruch nicht, wie Kevin Imhof, Heizungsplaner bei der Grolimund AG, Heizung, Sanitär Lüftung, Muri, und Marcel Küng, Inhaber der Marcel Küng Haustechnik GmbH in Beinwil, beruhigen. «Wir treffen für die kommenden Tage keine speziellen Vorbereitungen», sagt Imhof.

Der Pikettdienst bei Störungen steht wie gewohnt rund um die Uhr zur Verfügung, um allfällige Störungen schnell aus der Welt zu schaffen. Aber sowohl Imhof als auch Küng wissen, dass bei extrem tiefen Temperaturen die Heizungen am Anschlag laufen. Sie sind nämlich auf minus 7 bis 8 Grad ausgelegt. «Eine Überdimensionierung macht keinen Sinn, da diese Temperaturen relativ selten für längere Zeit unterschritten werden», erklärt Küng.

Bise macht alles schlimmer

Nicht nur die Heizung kommt an ihre Grenzen, manchmal ist es auch die Isolation – vor allem bei älteren Häusern. Die Mauern eines Hauses speichern eine gewisse Zeit Wärme, und meistens dauern Kälteperioden nicht so lange, bis sie richtig ausgekühlt sind. Anders kann es bei alten Häusern aussehen. «Vor allem, wenn noch die Bise dazu kommt, wird es
in solchen Gebäuden schnell spürbar kälter und ungemütlich», sagt Küng.

Er empfiehlt in einer solchen Situation, windexponierte Stellen möglichst zu schützen. «Die Hausbesitzer wissen selber meist sehr gut, wo die undichten Stellen sind.» Auch rät er, pro Tag vielleicht einmal weniger zu lüften, damit die Wärme möglichst im Haus bleibt.

Gut für Erdsondenbohrungen

Kevin Imhof kann den kommenden kalten Tagen auch Positives abgewinnen. «Für Erdsondenbohrungen, wie sie für Wärmepumpenheizungen gemacht werden, ist gefrorener Boden positiv. Es geht im Garten durch die maschinellen Arbeiten weniger kaputt.» Die Grolimund AG hat deshalb extra entsprechende Termine vorgezogen, um diesen Vorteil zu nutzen. Den Erdsondenleitungen selber setzen tiefste Temperaturen nicht zu, ihr Inhalt ist mit einem Frostschutzmittel versetzt.

Etwas skeptisch blickt Marcel Küng, der auch mobile Heizgeräte für Festveranstalter vermietet, dem kommenden Wochenende entgegen. Seine Firma beheizt beispielsweise
in Sins für die Fasnacht ein Festzelt, weil die Turnhalle Ammannsmatt einem Neubau weichen musste. In den Einsatz kommt ein Warmluftofen mit einer Leistung von 400 kWh – damit könnte man 60 Häuser heizen. «Wir überlegen uns nun, nochmals 150 kWh draufzulegen, wenn die Temperaturen so tief sinken, wie vorhergesagt wird», erklärt Küng. Zelte müssen ohne Isolation auskommen, und wenn nur schon die Zeltwände nicht ganz bis zum Boden reichen, kann das den Wärmehaushalt enorm beeinflussen. Energiefresser sind auch Rohbauten, die beheizt werden müssen, damit weitergearbeitet werden kann. «Das ist heute halt dem Termindruck geschuldet.»

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