Waltenschwil
Bald mäht er nur noch seinen Rasen: Bauamtschef Markus Meier geht in Rente

Bauamtschef Markus Meier wird im November nach 30 Jahren pensioniert – aber den neuen Werkhof «baut» er noch.

Toni Widmer
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Markus Meier auf dem Fussballplatz Waltenschwil beim Mähen. Toni Widmer

Markus Meier auf dem Fussballplatz Waltenschwil beim Mähen. Toni Widmer

Toni Widmer

«Nach den ersten Tagen habe ich mich insgeheim gefragt: ‹Wo bin ich da hingeraten. Halte ich das auf die Dauer aus?›», blickt Markus Meier auf seinen Start beim Bauamt in Waltenschwil zurück. Er hatte Gärtner gelernt und im bisherigen Job im Winter in beheizten Gewächshäusern gearbeitet. Jetzt stand er in der Polarluft: «Der Januar 1987 war einer der kältesten Monate seit Jahren, es wurden Minustemperaturen von 29 bis 30 Grad gemessen. Wir arbeiteten meistens im Freien und konnten uns auch im Werkhof kaum aufwärmen, weil dort nur zwei Räume einigermassen geheizt waren.»

30 Jahre später ist Markus Meier immer noch dort, und der Werkhof ist kein bisschen luxuriöser. Schon damals war die Rede von einem Neubau, doch das Projekt ist immer wieder verschoben worden. Jetzt kommt er, so quasi als Abschlussgeschenk für den Bauamtschef, der im November in Pension geht. Meier war in die Planung des Kombibaus für Bauamt und Feuerwehr stark involviert und wird die Realisierung, mit der im Juni begonnen wird, bis zur Fertigstellung begleiten. Eine Aufgabe, die ihn freut: «Ich bin seit 30 Jahren beim Bauamt, in der Feuerwehr war ich 11 Jahre Kommandant und weitere 11 Jahre Materialwart. Da ist es verständlich, dass mir dieser Neubau sehr am Herzen liegt.» Übrigens: Feuerwehrkommandant in Waltenschwil war schon sein Vater und aktuell ist es sein Sohn Michael.

Verbundenheit mit dem Dorf

Markus Meier ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat schon dort vieles von dem gelernt, was ihn über die Jahre zum Allrounder und zur idealen Besetzung für den Posten eines Werkmeisters gemacht hat. 14 Jahre hat er nach seiner Lehre in Oberwil-Lieli in Lenzburg als Gärtner gearbeitet, den Bezug zum Heimatdorf aber nie verloren. Er hat den Rasen auf dem Friedhof gemäht und dort wenn nötig für Ordnung gesorgt, als er beruflich noch auswärts tätig war. Er hat 33 Jahre Feuerwehrdienst geleistet, und er war oft an vorderster Front dabei, wenn es galt, in Waltenschwil ein zünftiges Fest vorzubereiten und durchzuführen. Als eines der diesbezüglich schönsten Erlebnisse erinnert er sich an jenes Dorffest, für das es gelungen war, Oesch’s die Dritten als Zugnummer zu verpflichten.

«Sich im Dorf zu engagieren, liegt in der Familie, das hat bei uns Tradition», sagt er und verweist auf seine Schwester, die sich lange im Gemeinderat engagiert hat, und seinen Bruder, auf dessen Hof im Zentrum der Gemeinde über Jahre die Waltenschwiler Bundesfeier stattgefunden hat.

Diese Verbundenheit mit dem Dorf, sein an den Tag gelegtes Engagement sowie die sprichwörtliche Zuverlässigkeit dürften mit eine Rolle gespielt haben, dass Markus Meier 1987 beim Bauamt angestellt und ein Jahr später dessen Leiter wurde.

Bereut hat er seine Entscheidung nie, obwohl sein Aufgabenbereich, vor allem in den ersten Jahren, riesig war: «Angefallen sind nicht die üblichen Arbeiten, die ein Bauamt zu erledigen hat. Hinzugekommen ist auch das dorfeigene Elektrizitätswerk, bis es an die AEW verkauft wurde, und das Amt des Brunnenmeisters habe ich später auch übernommen.» Die Vielseitigkeit habe ihm gefallen, obwohl es manchmal nicht einfach gewesen sei, die ganze Arbeitslast mit drei Personen zu bewältigen. Der Personalbestand auf dem Waltenschwiler Bauamt ist heute noch gleich wie vor 30 Jahren, allerdings werden mittlerweile auch regelmässig Lehrlinge ausgebildet.

Ein Gärtner geblieben

Markus Meier hat sich mit allen neuen Aufgabengebieten rasch vertraut gemacht, ist in der Seele aber immer ein Gärtner geblieben: «Ich habe alle Arbeiten gerne gemacht. Aber Anlagen pflegen und gestalten, das Dorf und den Friedhof in Ordnung halten, das habe ich schon noch etwas lieber gemacht», schmunzelt er.

Seiner Freude am Job förderlich war das stets gute Verhältnis mit den Behörden und mit der Bevölkerung: «Klar gab es da und dort gelegentlich ein Problem, aber insgesamt bin ich stets mit allen klargekommen. Ich habe aber auch nie den Polizisten gespielt, sondern die Probleme offen angesprochen und gemeinsam mit den Betroffenen gelöst.»

Jetzt freut sich Markus Meier auf seinen neuen Lebensabschnitt und auch darauf, dass er im nächsten Winter nachts nicht mehr zum Strassenräumen raus muss. Das habe ihn in den letzten Jahren zunehmend belastet. Freuen dürfen sich auch seine Frau und seine drei Enkelkinder, für die er jetzt mehr Zeit hat. Und sein grosser Garten, den er jetzt wohl noch intensiver pflegen wird.