Es gibt allen Grund zu feiern. Das sagte gestern Landstatthalter Stephan Attiger bei der Eröffnung des «Bruggefäscht» der Gemeinden Boswil und Bünzen. Das abgeschlossene Projekt mit neuer Brücke über die Gleise, die Unterführung für den Langsamverkehr und schliesslich der behindertengerechte Ausbau des Bahnhofs diene allen.

In Boswil und Bünzen gebe es mit der neuen Brücke praktisch nur Gewinner. Eine gute Erreichbarkeit sei wichtig, auch für das lokale Gewerbe. «Jedes Jahr wächst der Aargau um über 7000 Einwohner, die Verkehrsinfrastruktur muss mit der Bevölkerungsentwicklung mithalten.» Da gebe es noch Defizite. «Das wollen wir in Zukunft besser machen», führte der Baudirektor aus.

Weitere Projekte müssten in Angriff genommen werden. «Jetzt steht die Bünztalstrasse an.» Bereits in diesem Jahr sollen die ersten Baustellen eingerichtet werden. In 10 bis 15 Jahren seien die anstehenden Projekte realisiert.

Brautschau jetzt einfacher

Der Boswiler Gemeindeammann Michael Weber erinnerte an frühere «Scharmützel» zwischen Boswil und Bünzen, indem junge Männer jeweils von der einen Gemeinde in die andere auf Brautschau gingen und es regelmässig zu Auseinandersetzungen zwischen den Boswilern und Bünzern kam.

Und auch daran, wie vor gut 140 Jahren der Bau der Südbahn «einen Trenngürtel» zwischen die Gemeinden brachte. Mit Unterführungen vor allem für die Landwirtschaft wurde das Problem zwar gemildert, aber es brauchte lange, bis das letzte «Nadelöhr», der Bahnübergang beim Bahnhof, eliminiert war.

Mit der neuen Brücke würden sich die Gemeinden Boswil und Bünzen sehr viel näher kommen, aber eigenständig bleiben. Auf jeden Fall macht die neue Brücke auch die Brautschau in der Nachbargemeinde unabhängiger von Wartezeiten an der geschlossenen Bahnschranke.

Ermahnung in Blau

Mit einer Überraschung wartete Marlise Müller, Gemeindeammann von Bünzen, auf: Weil ihr Amtskollege immer nur vom Bahnhof Boswil spricht, hat sie ihm eine blaue Bahnhoftafel mit der Aufschrift «Boswil-Bünzen» mitgebracht – damit er in Zukunft nicht vergisst, den Bahnhof richtig zu benennen.

Aber zwischen den beiden Gemeindeoberhäuptern herrscht sonst eitel Freude. Die neue Brücke zeige, was «mit der Durchsetzungsfähigkeit von zwei eigenständigen, selbstbewussten Gemeinden» möglich sei, betonte Müller. Die Brücke sei nicht nur ein eleganter Übergang, sondern verbinde die Gemeinden auch auf anderen Ebenen. «Als Bünzerin bin ich unglaublich stolz auf sie.» Sie sei «eines der sinnvollsten Bauwerke» in den beiden Gemeinden. «Für uns Bünzerinnen und Bünzer ist sie das Tor mit kurzen Distanzen in die grosse, weite Welt. Wir müssen keine unkalkulierten Wartezeiten mehr in Kauf nehmen.»

Historisches Fest

Die offizielle Eröffnung des «Bruggefäscht» wurde umrahmt von der Musikgesellschaft Boswil und von Kabarettist Philipp Galizia. OK-Präsident Othmar Huber machte deutlich, dass dieses Fest das erste gemeinsame Dorffest der beiden Gemeinden ist. Wie die neue Brücke ist also auch das sich über das ganze Wochenende hinstreckende Fest von historischer Bedeutung.