Die Jäger hatten versucht, mit einer speziellen Methode allfällige Rehe im hohen Gras zu verblenden. Bäuerin Claudia und Tochter Melanie Keller starteten am Dienstagabend, kurz vor dem Mähen der Wiese am Waldrand in Oberwil-Lieli, dennoch eine zweite Suchaktion: «Wir wissen aus Erfahrung, dass dort immer wieder Rehkitze im hohen Gras liegen. Und meine Mutter hatte in den vergangenen Tagen öfter eine Rehgeiss gesehen. So fanden wir es angebracht, noch einmal gründlich nachzuschauen», erzählt Melanie Keller.

Tatsächlich: «Nach wenigen Schritten fanden wir zwei Rehkitze, die zusammengekugelt im Gras lagen. Wir haben den Wildhüter aufgeboten und die Kleinen nach seiner Anweisung in Gras und eine Jacke eingewickelt. Dann haben wir sie zum Waldrand gebracht und ihnen ein Nest so gebaut, dass sie etwas vor dem Fuchs geschützt waren.»

Die zwei Frauen hoffen, dass die Rehkitze von ihrer Mutter wieder gefunden worden sind und die Aktion überlebt haben. Im am Waldrand gebauten Nest waren sie bei der nächsten Kontrolle zumindest nicht mehr.

Bauern in der Pflicht

Rehkitze, die von Mähwerken getötet werden, sind in der Setzzeit (April bis Juni) immer wieder Thema. Die Rehgeissen lassen ihre Jungtiere im hohen Gras, weil diese sich dort geschützt fühlen. Darum müssen die Landwirte vor dem Mähen ihrer Wiesen am Waldrand Wildhüter oder Jäger informieren, damit sie das Feld verblenden, verwittern oder absuchen. Dadurch sollen die Rehgeissen ihre Kitze aus der Gefahrenzone holen. Zum Teil werden auch Drohnen eingesetzt, um Rehkitze im Gras zu suchen. Bauern sind verpflichtet, die Rehkitze zu schützen. Wie sich hier zeigt, tun sie das auch.