Wohlen
Badi Wohlen wäre für einen Investor nicht rentabel

SVP-Einwohnerrat Oliver Degischer möchte das Schwimmbad privatisieren, eine entsprechende Motion hat er letzte Woche eingereicht. Vizeammann Matthias Jauslin rechnet nun vor, dass sich die Übernahme der Badi für einen Investor nicht lohnen würde.

Fabian Hägler
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Ob die Motion zur Privatisierung der Badi Wohlen – hier Kindergärtler beim Sporttag – eine ernsthafte Option oder bloss eine Seifenblase ist, wird sich bei der Debatte im Einwohnerrat zeigen. kob/Archiv

Ob die Motion zur Privatisierung der Badi Wohlen – hier Kindergärtler beim Sporttag – eine ernsthafte Option oder bloss eine Seifenblase ist, wird sich bei der Debatte im Einwohnerrat zeigen. kob/Archiv

Dominic Kobelt

Mit der Privatisierung des Schwimmbads könnte sich die Gemeinde die millionenteure Sanierung und den künftigen Unterhalt sparen – das ist die Idee von SVP-Einwohnerrat Oliver Degischer.

Noch hat sich der Gemeinderat nicht mit seinem Vorstoss befasst. Vizeammann Matthias Jauslin, zugleich Vorsitzender der Steuergruppe für Badisanierung / Neubau Eishalle, sagt aber: «Theoretisch wäre eine Umsetzung der Motion ein spannendes Konzept.» Jauslin schränkt aber ein: «Oliver Degischer scheint immer noch an die totale Marktwirtschaft beim Erfüllen von öffentlichen Aufgaben zu glauben.»

Allerdings hält Jauslin auch fest: «Aus meiner Sicht gefährdet die Motion das laufende Projekt ernsthaft.» Dieses sieht eine Sanierung des Schwimmbads auf Kosten der Gemeinde vor, zudem soll sich die öffentliche Hand auch am Bau einer neuen Eishalle beteiligen.

Bereits im August soll der Einwohnerrat über einen Kredit von 290 000 Franken zur Überarbeitung der Projektstudie entscheiden. Sollte die Motion von Oliver Degischer dort eine Mehrheit finden, wäre der Kredit unnötig.

Da beide Geschäfte zusammenhängen, geht Jauslin davon aus, dass der Einwohnerrat an einer der nächsten Sitzungen darüber befinden wird.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein seriöser Investor die in die Jahre gekommene Anlage übernimmt und im Sinn der Gemeinde saniert und betreibt», sagt Jauslin. Er bezweifelt, dass dies ohne Kostenbeteiligung der Gemeinde möglich wäre.

Allein beim Freibad stehen Sanierungen in der Grössenordnung von 5 bis 8 Mio. Franken an. Jauslin rechnet vor: «Bei rund 66 000 Eintritten pro Jahr, wie 2012, einer üblichen Amortisation und einem Betriebsaufwand von rund 450 000 Franken resultiert ein kostendeckender Einzeleintritt von über 18 Franken.»

Bei solchen Preisen wäre aus seiner Sicht eine Abwanderung der Badegäste in die Freibäder Bremgarten, Villmergen oder Muri vorprogrammiert.

Das Murianer Freibad wird jedoch nicht von der Gemeinde, sondern von der Schwimmbadgenossenschaft Muri (SGM) betrieben. Diese hat mit der Gemeinde Muri einen Baurechtsvertrag auf 50 Jahre abgeschlossen.

Aufgrund dessen hat die Gemeinde 1981 das Schwimmbad gebaut. Seither trägt die SGM die Kosten für den Betrieb und Unterhalt der Anlage, die Gemeinde Muri kommt für den Unterhalt der Liegenschaft auf.

«Ausserdem beteiligt sich die Gemeinde freiwillig mit einem jährlichen Betrag von 10 000 Franken an den Betriebskosten», sagt Gemeinderätin Christine Brun. Sie ergänzt, eine Privatisierung sei in Muri kein Thema.

Brun betont: «Eine Badi – wir sprechen nicht von einem Wasserpark – kann nicht so gewinnbringend betrieben werden, dass sie für einen Investor interessant sein könnte.» Die SP-Vertreterin findet, es sei eine Aufgabe der öffentlichen Hand, «sich an der Basisinfrastruktur, zu der ein Schwimmbad oder ein Sportplatz gehört, zu beteiligen».

Ganz ähnlich sieht dies ihr freisinniger Gemeinderatskollege in Wohlen: «Nach meiner Auffassung gehört das Schwimmbad für die viertgrösste Gemeinde im Aargau zur Grundausstattung zum Wohle der Bevölkerung», sagt Matthias Jauslin.

Solche Angebote steigerten die Standortattraktivität und seien auch ein Faktor bei der Wohnortwahl. Jauslin betont: «Dass alle Freizeit- und Sportanlagen für eine Gemeinde kostenneutral und ohne Steuergelder zu haben sind, ist eine völlige Illusion. Wenn sich Wohlen das Freibad nicht mehr leisten kann, ist das quasi eine Bankrotterklärung an die Zukunft.»

Als Alternative schlägt Jauslin vor, Wohlen könnte einem Investor erlauben, «eine Freizeitanlage mit Erleb-nisbad, Wasserpark, Spa, Sauna und Fitness analog Alpamare oder Aquabasilea zu erstellen.» Er meint: «Das wäre dann eine echte Vorwärtsstrategie, die in Wohlen aber wohl kaum Mehrheiten finden würde.»