Freiamt
Bäckereien bieten Restwaren auf App an – so landet nichts mehr auf dem Müll

Zwei Freiämter Bäckereien bieten ihre unverkaufte Ware abends günstig auf der «Too Good To Go»-App an – der schöne Nebeneffekt: Die Esswaren landen so nicht im Abfall.

Andrea Weibel
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Verkäuferin Jasmin Pfammatter von der Bäckerei Köchli in Wohlen freut sich vor allem, wenn die Leute ihre Päckli abholen und sich über die Leckereien freuen.

Verkäuferin Jasmin Pfammatter von der Bäckerei Köchli in Wohlen freut sich vor allem, wenn die Leute ihre Päckli abholen und sich über die Leckereien freuen.

Andrea Weibel
Freiämter Bäckereien gegen Foodwaste

Freiämter Bäckereien gegen Foodwaste

Andrea Weibel

Was tun Bäcker, wenn am Abend noch Ware übrig bleibt? Selber essen können sie nicht alles. Schweinebauern nehmen auch nicht mehr alle Reste an. Also wegwerfen? Zwei Betriebe im Freiamt haben sich für eine neue Lösung entschieden: Für die beiden Bäckereien Haas in Oberlunkhofen sowie Köchli in Wohlen heisst diese seit etwa einem Monat «Too Good To Go».

Mit dieser App kann nicht nur ein grosser Teil des Foodwaste-Problems gelöst, sondern daneben auch vielen Menschen Freude bereitet werden. Marina Fahrni, die mit Daniel Haas zusammen die Bäckerei in Oberlunkhofen führt, erklärt: «Bevor uns die Firma angefragt hat, wussten wir selber nicht, was es genau ist. Doch dann haben wir es ausprobiert und waren begeistert.»

Vom ersten Tag an alle weg

«Too Good To Go» ist eine App, bei der sich Produzenten von Esswaren, also Bäckereien, aber auch Restaurants und andere Betriebe anmelden können. Das, was am Ende der Schicht oder des Tages übrig bleibt, stellen sie zu einem vorgegebenen, stark reduzierten Preis ins Internet. Dort können es die Kunden per Kreditkarte bezahlen und dann direkt im Laden abholen. Klingt ganz einfach. Ist es auch. Und es macht Freude, wie beide Bäckereien bisher festgestellt haben.

«Wir bieten jeweils Päckli im Wert von je 15 Franken an, die man am Abend bei uns für 4.90 Franken abholen kann», sagt Bäckermeister Daniel Haas. «Natürlich würden wir die Ware lieber zum vollen Preis verkaufen, aber wenn sie noch gegessen wird, statt im Müll zu landen, macht uns das froh.» Seine Partnerin Fahrni ergänzt: «Und auch die Kunden, denn sie wissen nie genau, was sie erhalten. Bei uns ist immer Brot im Päckli, aber nicht nur. Wir geben zum Beispiel übrig gebliebene Salate, Sandwichs, Törtchen oder ganze Mittagsmenüs mit, je nach dem, was eben noch da ist.»

Im Moment stellen sie täglich zwei Päckli online. «Wir konnten es kaum fassen, aber schon am ersten Tag waren beide weg», freut sich Fahrni. «Dabei kommen von Anzugträgern über Eltern mit Kindern bis zu Schülern und Studenten alle möglichen Leute die Päckli abholen. Die meisten waren vorher noch nie hier, aber wir behandeln sie wie ganz normale Kunden. Und ich habe wirklich noch keinen erlebt, der sich nicht über den Inhalt seines Päcklis gefreut hätte.»

Man darf selber aussuchen

Die Bäckerei Köchli in Wohlen wurde ebenfalls per Mail von der Zürcher Firma angefragt und befand das Konzept für ausprobierenswert. Hier läuft es allerdings etwas anders ab als in Oberlunkhofen. Sie bieten täglich drei Päckli mit einem Warenwert von 21 Franken für 6.90 Franken an – den Preis bestimmt die App-Firma. «Was bei uns speziell ist, ist, dass die Kunden sich ihr Päckli selber zusammenstellen dürfen, denn bei uns bleibt abends immer noch von allem genug übrig», sagt Verkäuferin Jasmin Pfammatter. «Da freuen sich die Kunden immer gleich noch mehr, denn damit rechnen sie meistens nicht.» Es gäbe Kunden, die ausschliesslich Brot mitnehmen, andere bedienen sich an den Sandwichs, der Patisserie, den Salaten oder dem Süssen.

«Ich finde es eine wirklich tolle Sache, denn die Leute haben mega Freude», sagt Pfammatter. Auch bei ihnen gibt es kaum einen Tag, wo nicht alle drei Päckli abgeholt werden, und das von Anfang an. «Dabei machen wir – abgesehen von einem Kleber neben der Türe – überhaupt keine Werbung dafür, das läuft alles über die App.»

Auf der App von «Too Good To Go» kann man die Läden in seiner Nähe aussuchen, sich für Frühstück, Mittag- oder Abendessen oder auch für ausschliesslich vegetarische Speisen entscheiden. Ausserdem zeigt die App auch an, welche Mahlzeiten der Region an diesem Tag bereits gerettet wurden: «Mit jeder geretteten Mahlzeit werden 2 kg CO2 eingespart», heisst es auf der Website. Mittlerweile sind es bereits rund 250 000 Mahlzeiten, die gerettet, und damit rund 500 Tonnen CO2, die eingespart worden sind, wird vorgerechnet.

«Wir sind wirklich begeistert davon und würden es jedem anderen Betrieb weiterempfehlen», sagt Daniel Haas aus Oberlunkhofen. Seine Partnerin Marina Fahrni ergänzt: «Ich möchte die Leute nur noch darauf hinweisen, dass es sinnvoll ist, Taschen und Tupperware zum Abholen mitzubringen. So können wir nicht nur Foodwaste, sondern auch gleich noch den Abfallberg reduzieren.» Das wäre auch beim normalen Einkauf sinnvoll.

Mehr Infos zur App gibts online unter www.toogoodtogo.ch

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