Fricktal/Freiamt

Bachforellen haben mit der Hitze zu kämpfen – Kanton verhängt ein Wasserentnahme-Verbot

Forellen mögen kühles Wasser. Archiv

Forellen mögen kühles Wasser. Archiv

Die Fische in den Bächen der Region leiden unter dem tiefen Pegel und den hohen Temperaturen. Tiefe Wasserstände und austrocknende Bäche sind im Kanton derweil kein neues Bild mehr.

Viele Bäche im Aargau gleichen derzeit einem Rinnsal. Die Trockenheit in den vergangenen Wochen hat dazu geführt, dass die Gewässer weniger Wasser führen als normal. Ein Beispiel ist die Sissle im Fricktal. Die Messstelle in Eiken verzeichnet für den Juli bisher einen durchschnittlichen Abfluss von 0,107 Kubikmetern pro Sekunde. Das sind noch gut 100 Liter.

Zum Vergleich: Im langjährigen Monatsmittel – gemessen zwischen 1977 und 2015 – erreicht die Sissle für den Juli einen Wert von 0,949 Kubikmetern pro Sekunde. Also fast zehn Mal mehr als aktuell.

Entnahmeverbot hält an

Auch die Bünz im Freiamt führt wenig Wasser. Für beide Bäche hat der Kanton Anfang Woche ein Wasserentnahme-Verbot verhängt. Bewilligte Wasserentnahmen, etwa durch Landwirte oder Gärtnereien, sind damit sistiert. Das Verbot hält an, auch für die jeweiligen Seitengewässer der Bäche.

Tiefe Wasserstände und austrocknende Bäche sind im Kanton derweil kein neues Bild mehr. In den letzten Jahren mussten immer wieder Verbote verhängt werden. Eine Herausforderung stellt die Situation nicht nur für die Landwirte dar, sondern auch für die Lebewesen in den Gewässern. «Sinken die Wasserstände in einem Fliessgewässer, sinken auch die Wassertiefen in den Unterschlüpfe, beispielsweise für Fische», sagt Sabin Nater von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer.

Hitze wird zum Problem

Problematisch ist auch, dass mit den sinkenden Pegeln die Temperaturen in den Bächen steigen. Ein Blick in die Hydrometrie-Datenbank des Kantons zeigt: In mehreren Bächen ist die Temperatur in den vergangenen Tagen über 22 Grad gestiegen – teilweise sogar deutlich. Die Sissle etwa misst fast 26 Grad, der Schmittenbach in Remigen gar 27 Grad.

Das ist für einige einheimische Tierarten viel zu warm. Zu kämpfen hat derzeit deshalb beispielsweise die Bachforelle. Sie fühlt sich in Gewässern mit Temperaturen um die 12 Grad am wohlsten, ab 22 Grad hingegen wird es für sie ungemütlich bis lebensbedrohlich. Aus einem einfachen Grund: «In warmen Gewässern sinkt der Sauerstoff-Gehalt», sagt Christian Tesini von der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei.

Die wiederholt auftretende Trockenheit und Hitze führt – im Zusammenspiel mit anderen Faktoren – in den Bächen sogar zu einer Veränderung bei der Artenzusammensetzung. Es gibt weniger Bachforellen, dafür mehr Alet, denn: «Er kommt mit der Hitze klar», sagt Tesini.

Waldbrandgefahr noch klein

Neben den Gewässern haben die geringen Mengen an Niederschlägen auch Einfluss auf den Wald. Der Kanton Basel-Landschaft etwa hat die Waldbrandgefahr gestern auf Stufe 3 (erheblich) angehoben. Im Aargau gilt derzeit noch die Stufe 1 (gering). Allerdings könnte sich dies in den kommenden Tagen ändern – die prognostizierten Niederschläge sind marginal.

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