Auw
Steuerfuss soll um 4 Prozent steigen – und auch so kommt noch ein Minus raus

Die Gemeinde Auw schiebt seit Jahren eine Steuerfusserhöhung vor sich her. Nun geht das nicht mehr. Der Gemeinderat beantragt für das Jahr 2022 eine Erhöhung von 108 auf 112 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Pascal Bruhin
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Höhere Schülerzahlen und das revidierte Lohnsystem sorgen für Mehrausgaben beim Lehrpersonal.

Höhere Schülerzahlen und das revidierte Lohnsystem sorgen für Mehrausgaben beim Lehrpersonal.

Martin Heimann
(07.11.2006)

Während sich die Murianer Steuerzahlerinnen und -zahler 2022 trotz anstehender Investitionen in Millionenhöhe über mehr Geld im Portemonnaie freuen dürfen – die AZ berichtete in der letzten Woche darüber – sieht es im wenige Kilometer entfernten Auw genau andersrum aus. Der Gemeinderat beantragt der Gemeindeversammlung vom 12. November eine Steuerfusserhöhung von vier Prozent. Der Steuerfuss soll von 108 auf 112 Prozent steigen.

Dass das nötig ist, zeigt ein Blick auf das beantragte Budget 2022. Denn selbst mit dem erhöhten Steuerfuss resultiert noch immer ein Aufwandüberschuss von 207'000 Franken. «Eine Steuerfusserhöhung ist nun unumgänglich, da ansonsten das mittelfristige Haushaltsgleichgewicht nicht mehr eingehalten werden kann», schreibt der Gemeinderat denn auch eindringlich in der Botschaft zum Traktandum.

Steuerfuss in Prozent der Gemeinde Auw seit 2010

2010201120122013201420152016201720182019202020212022106108110112114111111112112108108

Steuerfusserhöhung ist seit Jahren ein Thema

Marlis Villiger, seit acht Jahren im Gemeinderat und seit vier Jahren Frau Gemeindeammann, sagt auf Anfrage:

«Seit ich im Gemeinderat bin, hängt das Damoklesschwert einer Steuerfusserhöhung über uns.»

Dank durchwegs guter Steuerabschlüsse in den letzten Jahren hätte die Erhöhung aber so lange wie möglich hinausgezögert werden können. Die Bevölkerung sei jedoch stets darauf hingewiesen worden, dass diese in naher Zukunft nötig sei. Nun ist es also so weit. Doch was sind die Gründe dafür?

Marlis Villiger, Frau Gemeindeammann von Auw, erklärt die Gründe für die Steuerfusserhöhung.

Marlis Villiger, Frau Gemeindeammann von Auw, erklärt die Gründe für die Steuerfusserhöhung.

Nathalie Wolgensinger

Steuergesetzrevision führt zu Mindereinnahmen

«Es sind mehrere Faktoren, die zusammen kommen», so Villiger. Der Sektor Bildung macht mit 54,08 Prozent der Nettoaufwände im Budget 2022 den mit Abstand grössten Teil aus. Und er wird nicht kleiner. Aufgrund der stetig hohen Schülerzahlen und der Revision des Lohnsystems für Lehrpersonen, die per 1. Januar 2022 umgesetzt wird, steigt der geplante Personalaufwand um insgesamt 114'300 Franken.

Dem gegenüber stehen Mindereinnahmen bei den Steuern aufgrund der kantonalen Steuergesetzrevision, die ebenfalls per 1. Januar 2022 in Kraft tritt und den Pauschalabzug bei den Versicherungsprämien und Sparkapitaleinlagen erhöht. Zudem fallen ab 2022 die Übergangsbeiträge weg, welche 2021 noch 44'250 Franken ausmachten. Und nicht zuletzt erhält Auw 2022 rund 30'000 Franken weniger aus dem kantonalen Finanzausgleich. Eine Kürzung der Entnahme aus der Aufwertungsreserve sorgt zudem für rund 10'000 Franken, die jährlich fehlen.

Instandhaltung der Infrastruktur kostet Millionen

Den grössten Brocken machen aber die anstehenden Investitionen aus. Rund 4,5 Mio. Franken müssen bis 2025 ausgegeben werden, bis 2031 sind es gar 6,8 Mio. Franken. Hauptsächlich fallen diese im Bereich der Strasseninfrastruktur und der Instandhaltung der Flurwege an.

Die Auwerinnen und Auwer müssen wohl 2022 tiefer ins Portemonnaie greifen.

Die Auwerinnen und Auwer müssen wohl 2022 tiefer ins Portemonnaie greifen.

Melanie Burgener

Mit dem erhöhten Steuerfuss von 112 Prozent geht der Gemeinderat von Mehreinnahmen von 384'000 Franken bei den Gemeindesteuern aus. Dass dennoch ein Minus resultiert, zeige laut Gemeinderat, dass die geplante Erhöhung jetzt zwingend nötig sei. Zwar könne das Minus momentan noch mit Eigenkapital gedeckt werden, doch das gehe nicht immer so weiter, so Frau Gemeindeammann Villiger. Sie hofft deshalb, dass die Auwerinnen und Auwer für einmal in den sauren Apfel beissen und das Budget inklusive Steuerfusserhöhung so genehmigen. Denn Villiger macht klar:

«Rund 80 Prozent unserer Ausgaben sind zweckgebunden und vom Kanton so vorgegeben. Bei einem Nein bliebe sehr wenig Spielraum für weitere Kürzungen.»

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