Auw
Oberfreiämter Holz ersetzt 260'000 Liter Heizöl: Weshalb die Ortsbürger vor 20 Jahren pionierhaft Mut zeigten

Der Wärmeverbund Auw feiert sein 20-jähriges Bestehen. Die Realisierung der ersten Holzverbrennungsanlage der Region kostete einst viel Mut. Dieser wurde mit grossem Wachstum belohnt.

Melanie Burgener
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Der Wärmeverbund der Ortsbürgergemeinde Auw wird 20 Jahre alt. Förster Stefan Staubli ist seit Beginn Betriebsleiter.

Der Wärmeverbund der Ortsbürgergemeinde Auw wird 20 Jahre alt. Förster Stefan Staubli ist seit Beginn Betriebsleiter.

Melanie Burgener

Es war eine mutige Entscheidung, als der Wärmeverbund Auw im Jahr 2000 den allerersten Heizvertrag unterzeichnete. «Damals wusste man noch gar nicht, wo die erste Holzverbrennungsanlage überhaupt gebaut werden soll. Den ersten Winter mussten wir deshalb mit einer Containerölheizung überbrücken», erinnert sich Stefan Staubli, Förster und Betriebsleiter des Wärmeverbundes.

Die Ortsbürgergemeinde Auw hatte bereits im Jahr 1994 die Idee, anstatt Holz Wärme zu verkaufen. Den Schritt zur CO2 neutralen Heizung wagten sie erst rund sieben Jahre später – ebenfalls mutig und mit einem gewissen Pioniergeist. «Es gab damals seit etwas mehr als 10 Jahren Prototypen für solche Heizungen. Doch ob sich Kunden finden lassen, die unsere Wärme beziehen, war bei der Realisierung nicht klar», erzählt Staubli.

Heute kann er sagen:

«Dieser Mut wurde belohnt. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatten, auch mit etwas Glück, die Möglichkeit zu wachsen.»

Der Wärmeverbund Auw feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen und liebäugelt damit, in Zukunft mehr als nur Wärme aus dem Oberfreiämter Holz zu produzieren.

Neue Zentrale bietet Platz zur Verdoppelung der Kapazität

Mit dem Wachstum während der ersten zehn Jahre wurde es in der ehemaligen Heizzentrale unter der Zentrumsüberbauung bald zu eng. Mehr Kapazität und auch technische Neuerungen waren gefordert. So wurde eine neue unterirdische Zentrale im Industriegebiet gebaut, die 2014 in Betrieb genommen werden konnte. Ein wichtiger Schritt für den Wärmeverbund.

Seit 2014 befindet sich die Heizzentrale des Wärmeverbundes Auw im Industriegebiet.

Seit 2014 befindet sich die Heizzentrale des Wärmeverbundes Auw im Industriegebiet.

Melanie Burgener

Heute können von hier aus 300 Wohnungen beheizt werden. Staubli erzählt:

«Wir hätten hier genügend Platz, um noch zwei weitere Heizungen zu bauen und unsere Produktion damit zu verdoppeln.»

Mit einer weiteren Verbrennungsanlage beheizt der Wärmeverbund auch das Maria Bernarda Heim, eine dritte produziert in Sins Wärme für 150 Wohnungen. Zwei weitere Holzschnitzelheizungen sind in Mühlau und Oberrüti in Betrieb.

Verbrannt wird in allen Öfen ausschliesslich Oberfreiämter Holz – 80 Prozent davon stammt aus den Wäldern von Auw. Rund 3500 Kubikmeter Holzschnitzel werden pro Saison in Wärme umgewandelt. Staubli erklärt: «Das entspricht etwa 260'000 Litern Heizöl. Damit und dem kurzen Transportweg des Holzes kann enorm viel CO2 eingespart werden.»

Vorausschauende und offensive Planung führten zum Erfolg

Dass der Wärmeverbund heute solche Leistungen erzielen kann, hat nebst dem Mut auch mit vorausschauender Planung zu tun. «Wir haben immer probiert, unsere Bauvorhaben mit anderen zu koordinieren. Bei der Sanierung der Kantonsstrasse zum Beispiel haben wir gleich neue Leitungen verlegt», sagt Staubli. «Damals haben wir uns offensiv für die grösseren Leitungen entschieden und auf weitere Kunden gehofft», erklärt er weiter. Auch dieser Plan ging auf.

Heute werden 300 Wohnungen in Auw von den beiden Öfen aus dem Industriegebiet beheizt.

Heute werden 300 Wohnungen in Auw von den beiden Öfen aus dem Industriegebiet beheizt.

Melanie Burgener

Sein Wissen über das Wärmeerzeugen mit Holz hat Stefan Staubli sich in den vergangenen 20 Jahren angeeignet. «Auch ich bin an diesen Aufgaben gewachsen. Sie gehörten nicht zu meiner Ausbildung zum Förster», erzählt er. Als Betriebsleiter ist er vom Wärmevertrag bis zur Entfernung der Asche aus der Verbrennungsanlage für die Heizzentrale zuständig. «Sie ist aber sehr wartungsarm», betont er. Etwa eine halbe Stunde wende er pro Woche für die Kontrolle auf. «Meistens am Freitag vor dem Mittag. Dann kann ich im Heizofen gleich eine Bratwurst zubereiten», sagt er und zeigt grinsend seinen selbstgebastelten Grillrost.

Jubiläum wird mit einem Energietag gefeiert

Zukunftsvisionen hat der Wärmeverbund vor allem im Bereich der Elektrizität. «Es wurde bereits geprüft, ob man mit Holz Strom produzieren kann. Das ist aber momentan technisch noch zu wenig ausgereift», erzählt Staubli.

Das 20-Jahr-Jubiläum des Wärmeverbundes wird am Samstag, 18. September, bei der Heizzentrale an der Industriestrasse 7 in Auw gefeiert. Am Anlass selbst soll es sich aber nicht nur ums Heizen drehen. «Es wird ein abgerundeter Tag zum Thema Energie werden», kündigt Staubli an. Die AEW Energie AG wird zum Beispiel ein Carsharing mit einem Elektroauto anbieten und auch die Energiestadt Auw wird vor Ort eine Velokontrolle und Laptopsammlung durchführen.

Weitere Infos zum Anlass unter www.waldkommunal.ch

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