Auw
«Das haben nicht wir erfunden, sondern die Natur» – das Geheimnis des 75-jährigen Geschäftserfolgs der Multiforsa

Seit einem dreiviertel Jahrhundert produziert die Firma Multiforsa in Auw Ergänzungsfuttermittel für Nutztiere. Weil sie sich von ihren Mitbewerbern abhebt, gilt die Freiämter Firma auch nach 75 Jahren als führende Anbieterin auf ihrem Gebiet.

Melanie Burgener
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Franz Odermatt arbeitet seit 33 Jahren bei der Firma Multiforsa und ist Teil der Geschäftsleitung.

Franz Odermatt arbeitet seit 33 Jahren bei der Firma Multiforsa und ist Teil der Geschäftsleitung.

Melanie Burgener

«Riechen sie das? Das ist der Knoblauch, den wir wegen seiner antibiotischen Wirkung in unser Futter mischen. So muss man den Tieren später weniger Medikamente geben», erklärt Franz Odermatt über den Maschinenlärm hinweg. Tatsächlich, in der Luft der grossen Halle liegt ein leicht beissender Geruch. In den Regalen stapeln sich gefüllte Säcke, auf ihnen prangt das unverkennbare Logo: der rote Schriftzug «Multiforsa», geziert von einer gelben Ähre.

Hier im Industriegebiet in Auw werden hauptsächlich Ergänzungsfuttermittel und Kälbermilchpulver für landwirtschaftliche Nutztiere produziert und aufbewahrt. Die Herstellung beider Produkte gehört seit der Gründung der Firma Multiforsa zu deren Kerngeschäft, das sich trotz der vielen Wechsel in den vergangenen Jahren nie grundlegend verändert hat.

«Unsere wesentlichen Prinzipien konnten wir aufrechterhalten und uns trotzdem laufend den Neuerungen anpassen», verrät Geschäftsleitungsmitglied Odermatt. Er ergänzt:

«Und wir heben uns mit Produkten wie dem Multigerm®, also unserem stabilisierten Weizenkeim, von Mitbewerbern ab.»

Das sei auch eines der Geheimnisse des Unternehmens. Denn mit ihrer Dampfbehandlung hat die Firma ein in der Schweiz einzigartiges Verfahren entwickelt, das die frischen Weizenkeime vor dem Verderben schützt. Damit kann die Firma, die ihren Ursprung in Villmergen hat, wertvolle Inhaltsstoffe des Weizenkeims sichern. Dank Erfolgen wie diesem kann Multiforsa in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert.

Natürliche Lebensmittel auf der Basis von einheimischen Produkten

Die beiden Gründer der Multiforsa: Das Ehepaar Peter und Fritzi Meyer-Hegi...

Die beiden Gründer der Multiforsa: Das Ehepaar Peter und Fritzi Meyer-Hegi...

...zusammen haben sie die Firma 1946 in Villmergen gegründet.

...zusammen haben sie die Firma 1946 in Villmergen gegründet.

Bilder: zvg

Gegründet wurde Multiforsa 1946 vom Ehepaar Peter und Fritzi Meyer-Hegi. Das damalige Ziel, die Gesund­heit und Leistungsbereitschaft der landwirtschaftlichen Nutztiere zu unterstützen und sicherzustellen, ist noch heute in der Firma verankert.

«Für die Produktion unserer Futtermittel verwenden wir viele Zusatzstoffe aus Pflanzen», erklärt Franz Odermatt, der seit 33 Jahren im Unternehmen tätig ist. «Weizenkeime haben beispielsweise über 70 Wirkstoffe. Das haben nicht wir erfunden, sondern die Natur. Und was die Natur entwickelt hat, das passt auch für sie», ergänzt er.

Für die Entwicklung der chemischen Zusätze, die es auch bei Multiforsa zum Beispiel in Form von Vitaminen gibt, stehe die Firma im Austausch mit der Forschung und den Hochschulen. Für die 44 Mitarbeitenden im Aussendienst gilt es, dieses Zusammenspiel den rund 12'000 Kunden zu erklären.

«Wenn das weiter gelingt, dann wird es uns auch in 100 Jahren noch geben», ist sich Odermatt sicher. Dass der Konsum tierischer Produkte bis dahin verschwindet, glaubt der Leiter Technik und Entwicklung nicht.

Durch ihr Konzept des stabilisierten Weizenkeims hebt sich die Firma Multiforsa von den Mitbewerbern ab. Darauf ist Geschäftsleitungsmitglied Franz Odermatt stolz.

Durch ihr Konzept des stabilisierten Weizenkeims hebt sich die Firma Multiforsa von den Mitbewerbern ab. Darauf ist Geschäftsleitungsmitglied Franz Odermatt stolz.

Melanie Burgener

Präsident des FC Aaraus führt auch Nahrungsergänzung für Nutztiere an

Die ursprünglichen Geschäftsprinzipien aufrechtzuerhalten, habe sich in der Vergangenheit nicht immer einfach gestaltet, wie Odermatt erklärt:

«Es hat Phasen gegeben, in denen die Firma verkauft wurde und die Besitzer gewechselt haben. Das ging an die Substanz.»

Schlussendlich sei es aber gelungen, das erfolgreiche Konzept weiterzuführen. Den letzten Führungswechsel erlebte Multiforsa vor rund zehn Jahren.

Philipp Bonorand, der auch den FC Aarau als Präsident anführt, ist seit 2011 Geschäftsleiter und Inhaber. Seine Familie kaufte die Firma bereits 2007. Unter seiner Führung fand 2021 auch der Zusammenschluss von Multiforsa Vital AG statt.

Der «Multigeist» hält Mitarbeiter lange im Unternehmen

Den Führungsänderungen standgehalten habe auch die interne Firmenkultur, von den insgesamt 65 Mitarbeitenden der Multiforsa liebevoll «Multigeist» genannt. «In all meinen 33 Jahren hier habe ich mich immer wohlgefühlt. Man geht offen und ehrlich miteinander um», erzählt Franz Odermatt. Dass es nicht nur ihm so geht, zeigen die vielen anderen langjährigen Mitarbeiter.

1955 ist die Firma Multiforsa von Villmergen in eigene Büro- und Produktionsräume nach Steinhausen ZG umgezogen.

1955 ist die Firma Multiforsa von Villmergen in eigene Büro- und Produktionsräume nach Steinhausen ZG umgezogen.

zvg

Auch auf der Suche nach einem neuen Standort hatten die Mitarbeitenden einen Einfluss. «Lange waren wir in Steinhausen im Kanton Zug. Auw hat sich deshalb gut angeboten, weil so viele des Teams trotz Umzug in der Firma bleiben konnten. Denn die meisten kommen aus der Region oder aus Zug», erklärt Odermatt. Das neue Gebäude in Auw habe sich dafür bestens geeignet. Der Umzug fand 2010 statt und war ein wichtiger Schritt in der Geschichte von Multiforsa.

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