Bremgarten
Auto eingezogen – aber vor Gericht kommt Raser mit blauem Auge davon

Ein Raser wurde mit 159 km/h in der 80er-Zone erwischt und stand nun vor Bezirksgericht. Durch den Vorfall hat er nicht nur seinen Führerausweis vorübergehend abgeben müssen, sondern auch sein Auto und seine Firma verloren.

Dominic Kobelt
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Bleifuss: Ein Freiämter wurde im Rennwagentempo bei einer Geschwindigkeitskontrolle erwischt. (Symbolbild)

Bleifuss: Ein Freiämter wurde im Rennwagentempo bei einer Geschwindigkeitskontrolle erwischt. (Symbolbild)

AZ-Archiv

Es ist der 27. Januar, kurz nach 14 Uhr. Andreas (Name von der Redaktion geändert) drückt aufs Gaspedal seines Audi S4 – seine Tagesplanung hat heute komplett versagt. Beim Mittagessen mit einem Kollegen hat er die Zeit vergessen, noch dazu hat er die Unterlagen, die er für einen wichtigen Geschäftstermin braucht, zu Hause in Oberlunkhofen liegen lassen.

Für den jungen Unternehmer, der sich erst kürzlich selbstständig gemacht hat, ist der Geschäftstermin von grosser Bedeutung, es handelt sich um seinen wichtigsten Kunden. Er muss um 14.30 Uhr in Zürich Oerlikon sein und fährt erst jetzt auf Arni zu. Eigentlich unmöglich, es noch rechtzeitig zu schaffen. Eine gerade Landstrasse, es ist trocken, die Sicht gut, es sind 80 km/h erlaubt – es blitzt.

«Schockierenderweise mit 159»

«Ich hatte schockierenderweise eine Geschwindigkeit von 159 Stundenkilometern», sagte Andreas am Donnerstag vor Gericht, als er von jenem verhängnisvollen Tag erzählte. «Warum haben sie nicht einfach telefoniert, um den Termin zu verschieben», wollte Gerichtspräsident Peter Thurnherr wissen. «Es wäre für den Kunden vermutlich viel Aufwand gewesen, den Termin zu verschieben, die planen solche Besprechungen lange im Voraus», sagte Andreas. «Im Nachhinein wäre es natürlich besser gewesen, anzurufen und vielleicht den Auftrag zu verlieren.»

Der Sachverhalt war unbestritten. So waren sich auch Anklage und Verteidigung grundsätzlich einig: zugute gehalten wurde dem Angeklagten, dass er kein notorischer Raser ist, er hat sich bis heute weder Verkehrsdelikte noch andere Vergehen zuschulden kommen lassen. Auch zeigte er sich einsichtig und kooperativ.

Zudem hatte der Vorfall beträchtliche Auswirkungen auf sein Leben. Sein Geschäft musste er aufgeben, weil er auf ein Auto angewiesen war. So machte sich Andreas auf Stellensuche und bekam nach kurzer Zeit einen Job. Weil kein Bus früh genug fuhr, nahm er das Fahrrad, und wurde prompt von einem Auto angefahren. «Mein Mandant hat am eigenen Leib erfahren, wie schnell ein Unfall passiert», sagte Verteidiger Dominic Frey. Nach diesem Vorfall lief Andreas zur Arbeit – um 5.15 Uhr läuft er jeweils los. Er hat jetzt aber bereits eine Beförderung auf sicher, in seiner neuen Funktion hat er gleitende Arbeitszeiten und kann den Bus nehmen.

«Ich akzeptiere meine Strafe, ich hoffe nur, dass ich nicht ins Gefängnis muss – dann würde ich meinen Job wieder verlieren», sagte Andreas. Die Richter gewährten ihm dies, sie fällten ihr Urteil einstimmig: 14 Monate bedingt und eine Busse von 2000 Franken. Das Fahrzeug wurde eingezogen und wird verkauft, mit dem Geld werden Busse und Gerichtskosten bezahlt, und vermutlich wird Andreas noch einen Restbetrag zahlen müssen. Letztlich kam Andreas mit einem blauen Auge davon, nicht zuletzt, weil er vor Gericht einen «sehr guten Eindruck» hinterlassen hat, wie Thurnherr ausführte.