Wie alt das Villmerger Armenhaus eigentlich ist, weiss scheinbar niemand. Sicher ist, dass hier tatsächlich armengenössige Leute gelebt haben. Noch vor 40 Jahren war es von einer Familie mit sieben Kindern bewohnt, die man im Dorf nur «d’Armehüüsler» genannt hat. Schon fünf Jahre später wurde das eigentlich schmucke Haus an der Strasse Richtung Dintikon aber von zwei Handwerkern und deren Familien gekauft, die es mit viel Liebe restaurierten. Einer der beiden war der Bau- und Möbelschreiner Ruschy Hausmann.

Noch heute wohnt er im ersten Stock, doch seine Spuren findet man rund ums und auch im Haus: Er stellt Skulpturen her, insbesondere aus Holz, und malt Bilder. In seinem Aussenatelier im Garten hinter dem grossen Karpfenteich stehen Rohmaterialien wie Wurzel- oder Stammstücke bereit, um zu Kunstwerken verarbeitet zu werden. Im Hausflur hingegen warten bereits die fertigen Objekte.

Pink gefärbtes Brusthaar

Es muss mittlerweile 20 Jahre her sein, dass Hausmann auf die Idee kam, eine Ausstellung mit verschiedenen Künstlern eben hier im Armenhaus zu organisieren. «Beim Grillieren im Garten unterbreitete ich das einmal den anderen Hausbewohnern», erinnert er sich. Das löste als allererstes Gelächter aus. «Ein Hausbewohner fand, das würde ich sowieso nie machen. Und wenn ich es doch tun sollte, würde er sich das Brusthaar pink färben und ein Ständchen zum besten geben. Ein anderer fand die Idee hervorragend und schloss sich an. Beide hätten nie gedacht, dass ich das irgendwann umsetzen würde», erinnert sich Hausmann lachend. Doch die beiden Witzbolde wurden beim Wort genommen, und als Hausmann genau im Jahr 2000 zum ersten Mal die Ausstellung «s’Armehuus stellt uus» organisierte, traten sie tatsächlich als Chörli mit bunten Brusthaaren auf. Das war der Auftakt zu einer schönen kleinen Kunst-Tradition. Die Sänger gehören heute nicht mehr dazu, dafür aber die gemütliche dreitägige Ausstellung im hübschen Armenhaus.

Ein Bierchen mit den Künstlern

Vom 31. August bis 2. September findet «s’Armehuus stellt uus» nun also zum 18. Mal statt. «Wir haben schon zu verschiedenen Themen ausgestellt, mal waren es nur Künstlerinnen und Künstler aus Villmergen, mal ein bunter Mix.» Das Wichtigste ist für ihn, dass die Ausstellung volksnah ist. «Kunst muss nicht elitär sein. Hier bekommt jeder Künstler einen Ort, wo er seine Werke ausstellen kann, und für den er selber verantwortlich ist. Das ist nicht wie in einer Galerie, wo man quasi zum Objekt degradiert wird. Dann können die Interessierten vorbeikommen, auch mal mit den Künstlern ein Bierchen trinken und alles auf sich wirken lassen.»

Dieses Jahr hat Hausmann acht Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die er von einem Künstlertreff kennt. «Dazu spendiert der Kulturkreis Villmergen am Sonntag, 2. September, um 11 Uhr einen Kunstapéro. Auch das freut mich immer sehr. So ist die Ausstellung zu einer schönen kleinen Tradition geworden.»

31. August (19 Uhr), 1. September (14 bis 18 Uhr), 2. September (11 bis 17 Uhr), Unterzelgstrasse 21, Villmergen.