Bezirksgericht Bremgarten
Ausschreitungen nach Hochrisikospiel gegen den FC Wohlen: Zwei FCZ-Fans verurteilt

Das Cup-Fussballspiel zwischen dem FC Wohlen und dem FC Zürich hat ein gerichtliches Nachspiel. Das Bremgarter Bezirksgericht verurteilte zwei FCZ-Fans wegen Landfriedensbruch zu bedingten Gefängnisstrafen und Bussen.

Jörg Baumann
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Rund 150 Polizisten und einzelne Szenenkenner in zivil sollen beim Cupspiel FC Wohlen - FCZ im Einsatz gewesen sein.

Rund 150 Polizisten und einzelne Szenenkenner in zivil sollen beim Cupspiel FC Wohlen - FCZ im Einsatz gewesen sein.

Patrick Züst/Archiv

Nach dem Cup-Fussballspiel zwischen dem FC Wohlen und dem FC Zürich am 19. September 2015 versammelte sich eine Gruppe von FCZ-Fans am Bahnhof Wohlen. Sie war laut dem Staatsanwalt gewaltbereit.

Zwei der Fans verurteilte die Bremgarter Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf gestern wegen Landfriedensbruch zu bedingten Gefängnisstrafen und Bussen.

Die Fans, ein 20-jähriger Student und ein gleich junger Informatiker, verweigerten die Aussage. Die Gerichtspräsidentin wollte vom Informatiker wissen, ob die FCZ-Südkurve seinen Verteidiger bezahle. Auch dazu machte der Fan keine Angaben.

Hochrisikospiel

Laut unbestätigten Angaben standen während und nach dem Spiel, das der FC Wohlen knapp mit 0:1 Toren verloren hatte, 150 Polizisten in Uniform und einzelne «Szenenkenner» in zivil im Einsatz. Der FC Wohlen musste sich an den Kosten beteiligen, was erboste Fans zu besorgten Leserbriefen in der Lokalpresse veranlasste.

Die Polizei filmte die FCZ-Fans bei ihrer Zusammenrottung. Einzelne Videoszenen wurden an der Gerichtsverhandlung abgespielt. Auf dem Filmzusammenschnitt sei nicht zu erkennen, dass sich der Student und der Informatiker an Gewaltakten beteiligt hätten, monierten ihre Verteidiger.

Der Staatsanwalt habe mit seiner unvollständigen Anklageschrift nichts zur Klärung beigetragen, was, wo und wann ihre Mandanten etwas getan hätten, das strafbar sei.

Laut einem im Ordnungsdienst eingeteilten Kantonspolizisten handelte es sich bei Cup-Match um ein Hochrisikospiel. Der Student und der Informatiker seien auf dem Video-Zusammenschnitt zu erkennen gewesen.

Einige FCZ-Fans hatten sich vermummt. Ein als Kameramann abgestellter Kantonspolizist erklärte, er habe keine «konkrete Schlägerei» gesehen. Die Staatsanwaltschaft erwähnte, dass die Gruppierungen einzelne Drittpersonen attackiert hätten. Auf dem Video sah man kurz eine Person, die eine andere schlägt. Die Passage musste mehrmals abgespielt werden, um den tätlichen Vorfall sehen zu können.

Beide Verteidiger forderten für ihre Mandanten einen Freispruch. Sie sollten deshalb eine Genugtuung erhalten, der eine von ihnen sogar eine hohe Entschädigung. Diesem Ansinnen widersetzte sich Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf. Die Anklageschrift sei zwar «sehr knapp gehalten», aber noch genügend.

Der Straftatbestand des Landfriedensbruchs sei erfüllt. Diesen nahm man ins Strafgesetzbuch auf, damit man ganze gewaltbereite Gruppen erfassen kann und nicht jeden Einzeltäter identifizieren muss.

Bedingte Geldstrafen und Bussen

Der vorbestrafte Student fasste eine bedingte Geldstrafe von 7200 Franken und eine Busse von 1500 Franken. Die Gerichtspräsidentin verzichtete darauf, eine Vorstrafe zu widerrufen und verlängerte die Verwarnung um ein Jahr.

Der Student war mit 103 km/h statt mit 60 km/h durch eine Ortschaft gerast. Als Grund gab er in der Voruntersuchung an: «Mein Auto kam gerade aus der Waschanlage. Ich fuhr so schnell, damit das Auto schneller abtrocknet.»

Der Informatiker wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 11'700 Franken und einer Busse von 2000 Franken verurteilt. Die beiden müssen die Verfahrens- und Anwaltskosten übernehmen.