Hansueli Scheidegger sorgt seit über 35 Jahren dafür, dass es den Bächen im Kelleramt gut geht. Nicht ohne Grund: Scheidegger ist Fischenzpächter. Sein Revier umfasst den Arnerbach ebenso wie den Oberwiler Dorfbach, den Huserhofbach, den Widenbach, die Alte Jone und dazu alle jeweiligen Seitenbäche. Insgesamt erstrecken sich «seine» Bäche über eine Gesamtlänge von rund 11,5 Kilometern. Jetzt ist Hansueli Scheidegger am Boden zerstört.

Die meisten Gewässer sind im Laufe des Sommers ausgetrocknet. Mit verheerenden Folgen: «Anfänglich haben wir noch versucht, die Bäche auszufischen, als die Pegelstände immer tiefer wurden und die Wassertemperaturen über die kritische Grenze von 25 Grad angestiegen sind», erzählt der Wider.

Nach einiger Zeit hat er aufgegeben: «Wir haben die Fische vorerst in die Alte Jone umgesiedelt. Doch dann hat der Kanton erlaubt, dass dort Wasser zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Kulturen entnommen werden durfte und so sind auch hier die Überlebensbedingungen für die Fische prekär geworden. Noch zusätzliche Fische in diesem Bach hätte den Stress für die anderen nur noch vergrössert und deshalb haben wir fortan die Bäche und die Fische der Natur überlassen.»

Hunderte Fische sind verendet

Mit verheerenden Folgen: «Ich gehe davon aus, dass in den ausgetrockneten Bächen im Laufe des Sommers Hunderte von Fischen verendet sind und dazu wohl auch viele Krebse und Fischnährtiere», sagt Scheidegger. Traurig sei er nicht primär wegen des finanziellen Schadens. Er habe sogar noch versucht, mit Wasser ab Hydrant, das er auf eigene Rechnung von der Gemeinde Arni beziehen konnte, wenigstens den Arnerbach vor der Austrocknung zu retten. Aber auch das habe sich als hoffnungsloses Unterfangen erwiesen.

«Mir geht es vor allem um die Zukunft der Bäche», sagt der Fischenzpächter. Sie seien alle in einem sehr guten Zustand gewesen. Seit vier Jahren hätte er nie mehr Fische eingesetzt und trotzdem hätten sich die Bestände überall vermehrt: «Das zeigt, dass nicht nur das biologische Gleichgewicht in diesen Gewässern gestimmt hat, sonder auch die Lebensbedingungen bezüglich der Bachsohle. Die Fische haben mittlerweile überall Laichplätze gefunden, der stete Aufbau in den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich gelohnt und darauf war und bin ich stolz», sagt der Fischenzpächter.

Erholung kann Wochen bis Monate dauern

Jetzt befürchtet er, dass durch die Trockenheit vieles zunichtegemacht worden ist. «Mir ist nicht klar, wie lange es dauert, bis sich in einem Bach, der total ausgetrocknet war, alle Lebewesen wieder angesiedelt haben, die für eine intakte Biologie nötig sind.» Da müsse wohl der Kanton, beziehungsweise die Sektion Fischerei im Departement Bau, Verkehr und Umwelt, sagen, was zu tun ist.

Was er auf jeden Fall weiter tun werde, sei, die Bevölkerung für die Gewässer zu sensibilisieren: «Bei meinen Kontrollgängen im Kelleramt kam ich im Sommer oft mit Leuten ins Gespräch und betonte jeweils die ökologische Bedeutung der kleinen Gewässer. Auch versuche ich immer, die Leute zu sensibilisieren und ihnen aufzuzeigen, welche Folgen der unsorgfältige Umgang mit Gülle, Pflanzenschutzmitteln oder auch Wasserentnahmen haben können. Die Leute müssen auch wissen, dass bereits Betonwasser, das bedenkenlos von einer Baustelle in einen Bach geleitet wird, viel Schaden anrichten kann.»

«Bis sich ein ausgetrockneter Bach vollständig erholt hat, kann es Wochen und Monate dauern», sagt Christian Tesini, Fachspezialist Jagd und Fischerei im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Es komme immer darauf an, wie gut ein Gewässer vernetzt sei.

Situation akuter als im Sommer

Im Kelleramt sei es möglich, dass sich die Biologie der ausgetrockneten Bäche von der Reuss her wieder beleben würde. Wenn ein Bach austrockne, würden nicht nur Fische verenden, sondern auch ihre Nährtiere, erklärt Tesini weiter. Die Lebensgemeinschaft der Organismen sei als solche jedoch sehr anpassungs- und damit auch überlebensfähig. «Solche Kleinlebewesen verfügen über den sogenannten Katastrophendrift. Sie flüchten bei Hochwasser oder Gewässerverschmutzungen und kehren dann wieder zurück.» Es gäbe auch flugfähige Insekten, die einen Bach nach einer Austrocknung relativ rasch wieder besiedeln würden.

Die Situation im Aargau, sagt Christian Tesini, sei zurzeit noch akuter als im Sommer: «In vielen Regionen im Aargau sind kleinere Gewässer ausgetrocknet, weil es seit Monaten nie mehr richtig geregnet hat.» Vom bisschen Regen, das dieses Wochenende angesagt ist, erwartet der Fachmann noch kaum Besserung: «Die Böden sind so ausgetrocknet, dass sie vorerst einmal den Regen aufsaugen werden. Ob für die Bäche am Schluss überhaupt noch etwas übrig bleibt, werden wir sehen.»