Bremgarten machts vor
Ausgesteuerte arbeiten mit und verringern so die Sozialhilfekosten

Das vor gut zehn Jahren lancierte Einsatz-Projekt schlägt vorteilhaft durch, dies zeigen die geringen Sozialhilfekosten der Gemeinde. Trotz des Erfolgs ist das Bremgarter Modell einzigartig.

Lukas Schumacher
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Projektleiter Corrado Dubach (links) hilft bei Freilufteinsätzen im Stadtbann häufig mit. Archiv/SL

Projektleiter Corrado Dubach (links) hilft bei Freilufteinsätzen im Stadtbann häufig mit. Archiv/SL

In Bremgarten müssen Ausgesteuerte und Langzeitarbeitslose mitarbeiten. Das lohnt sich für sie und das Städtchen. Bremgarten hat vergleichsweise bescheidene Sozialhilfekosten. Sie betrugen im Jahr 2013 rund 100 Franken pro Einwohner. Im Schnitt lagen 2013 die Sozialhilfekosten – materielle Hilfe, Alimentenbevorschussung, Elternschaftsbeihilfe – in den Aargauer Gemeinden bei 150 Franken pro Einwohner. In Muri beliefen sich die Kosten auf 195 Franken je Bewohner, in Wohlen auf 272, in Baden auf 133 und in Lenzburg auf 194 Franken. Tiefe Sozialhilfekosten wiesen 2013 Villmergen mit 95 und Zufikon mit 94 Franken pro Einwohner auf.

«Einzigartiges Modell»

Das vor gut zehn Jahren eingeführte Bremgarter Einsatz-Projekt schlägt vorteilhaft durch. Das Modell fusst auf dem Prinzip, dass ausgesteuerte Personen und Langzeitarbeitslose im Städtchen eine Arbeitsleistung erbringen müssen. Sie werden eingesetzt für Aufräume- und Reinigungsarbeiten auf Plätzen, in Schulhäusern und im Schwimmbad oder verrichten Hilfsarbeiten in Bremgarter Firmen. Dies unter der Federführung von Coach Corrado Dubach und per Vertrag mit der Stadt, der den Beschäftigten statt Sozialhilfegelder einen Brutto-Stundenlohn von Fr. 25.40 einträgt (inklusive Feriengeld etc).

Laut Projektleiter Dubach, der in einem Pensum von 80% beim Sozialdienst Bremgarten angestellt ist, arbeiten seine betreuten Leute in der Regel einen bis drei Monate fürs Einsatz-Projekt, einige aber auch 12 Monate oder noch länger. «Das Bremgarter Modell ist in der Region einzigartig», sagt Sozialdienst-Leiterin Isabella Roth. Ein ähnliches System habe nur Zofingen als einzige weitere Gemeinde im Aargau.

Beachtlicher Erfolgsausweis

Das reussstädtische Modell funktioniert. Mehr als die Hälfte der Personen, die in den letzten fünf Jahren das lokale Einsatz-Projekt durchliefen, fanden danach eine Arbeitsstelle und konnten wieder selbstständig für ihren Unterhalt aufkommen. Von den 150 Personen gelang dies mehr als 80, ein beachtlicher Erfolgsausweis.

Freilich konnte man nicht sämtliche Leute mit Anspruch auf Sozialhilfe ins Einsatz-Projekt aufnehmen, hauptsächlich aus gesundheitlichen Gründen. Aber drei von vier Personen, die in Bremgarten um Sozialhilfe nachfragen, verrichten Einsätze. So leisteten sie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre jährlich rund 9000 Arbeitsstunden.

«Sind gerüstet»

Steigen im Reussstädtchen die Sozialhilfekosten, falls das kantonale Sparpaket namens Leistungsanalyse durchkommt? «Diese Frage können wir beim besten Willen nicht schlüssig beantworten», sagt die fürs Sozial- und Gesundheitsdepartement zuständige Stadträtin Bernadette Sutter.

Fest hingegen stehe, dass Bremgartens Sozialdienst personell und bezüglich Aufgabenbewältigung heute und für die Zukunft gut gerüstet sei, auch dank des Einsatz-Projekts. «Selbstverständlich wären wir nicht erfreut, wenn der Kanton Aargau künftig keine Beiträge mehr an die Sozialhilfekosten der Gemeinden ausrichtet», erläutert Sutter. Weil diese Subvention in Bremgarten nur gut 12% der Sozialhilfekosten ausmache, würden ausbleibende Beiträge das Reussstädtchen aber weniger hart treffen als andere Gemeinden.

Das Team des Sozialdienstes zählt sechs Personen mit total 430 Stellenprozenten. Isabella Roth leitet den Sozialdienst seit mittlerweile elf Jahren. Seit gut drei Jahren ist Claudia Geissmann stellvertretende Leiterin.

Materielle Unterstützung – 2015 rund 572 000 Franken

Gemäss Budget 2015 leistet Bremgarten dieses Jahr 1,25 Mio. Franken direkte materielle Hilfe an Einwohner mit Anspruch auf Sozialhilfe. Voraussichtlich 600 000 Franken werden via Versicherungsleistungen und durch Klienten wieder zurückerstattet. Zudem überweist der Kanton Aargau 78 000 Franken, sodass Bremgarten unter dem Strich mit rund 572 000 Franken wegkommen dürfte. (sl)

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