Fischbach-Göslikon
Ausflügler an der Sandbank: «Ein Fahrverbot allein genügt nicht»

Um den zunehmenden Ausflüglerverkehr an die Fischbach-Gösliker Sandbank in den Griff zu bekommen, will die Gemeinde ein Konzept erarbeiten.

Toni Widmer
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Die Sandbank (Bildmitte) zieht immer mehr Besucher an. Es wird befürchtet, dass diese in den Quartieren parkieren, wenn es ein generelles Parkverbot gibt.

Die Sandbank (Bildmitte) zieht immer mehr Besucher an. Es wird befürchtet, dass diese in den Quartieren parkieren, wenn es ein generelles Parkverbot gibt.

Toni Widmer

«Das bisher für das Wochenende geltende Fahrverbot zur Sandbank wird auf die ganze Woche ausgeweitet» – diese neue Regelung hat der Gemeinderat Fischbach-Göslikon im November 2018 publiziert. Inzwischen ist die Anordnung dieses Fahrverbots vorläufig vertagt worden.

«Wir haben im Rahmen des Einspracheverfahrens gemerkt, dass ein Fahrverbot alleine nicht genügt. Es braucht flankierende Massnahmen, um den Ausflüglerverkehr an die Reuss generell in den Griff zu bekommen. Der Gemeinderat hat jetzt die Erarbeitung eines entsprechenden Konzepts an die Hand genommen», sagt Gemeindeammann Hans Peter Flückiger.

An die Fischbach-Gösliker Sandbank, das idyllische und entsprechend bekannte Plätzchen an der Reuss, kann man am Wochenende schon seit Jahrzehnten nicht mehr fahren. Von Montag bis Freitag hingegen ist die Zufahrt gestattet, und davon machen immer mehr Leute Gebrauch. «Der sogenannte Erholungsdruck ist auch bei uns spürbar angestiegen, und die Sandbank wird wochentags immer stärker frequentiert», erklärt Flückiger. Das werde zunehmend zum Problem. Nicht primär wegen des wachsenden Verkehrs, sondern vor allem wegen der verschiedenen Nebenerscheinungen.

Auch in der Repla ein Thema

Mit der Besucherzahl, sagt der Gemeindeammann weiter, hätten auch das Littering an und der Lärm von der Sandbank zugenommen: «Wenn man mit dem Auto direkt vor Ort fahren kann, wird naturgemäss mehr Material mitgeschleppt, als wenn man nur zu Fuss dorthin gelangen kann. Immer öfter werden dort unter der Woche auch Partys mit lauter Musik gefeiert, und auch die Menge des zurückbleibenden Abfalls ist steigend.»

Fischbach-Göslikon ist mit diesen Problemen nicht allein, betroffen sind alle Gemeinden links und rechts der Reuss. Der Regionalplanungsverband Mutschellen-Reusstal-Kelleramt (Repla MRK) hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit dem Thema befasst.

Pro-Natura-Projekt

Noch attraktiver?

Die Sandbank in Fischbach-Göslikon könnte bald noch mehr Besucher anziehen. Pro Natura Aargau will dort einen gut 200 Meter langen und bis zu 20 Meter breiten Seitenarm ausheben und ein auentypisches Ufer mit Sand- und Kiesbänken sowie kleinen, wassergefüllten Vertiefungen realisieren.

Immer mehr Leute wollen ihre Freizeit in der schönen Region verbringen, und längst nicht alle kommen zu Fuss oder mit dem Velo. Deshalb wird auch das Parkplatzproblem in einigen Gemeinden immer akuter. In Künten, der Fischbach-Gösliker Nachbargemeinde auf der rechten Seite der Reuss, hat die Gemeindeversammlung im Herbst den Bau von 80 Parkplätzen auf dem Areal der ehemaligen Abwasserreinigungsanlage Künten-Bellikon beschlossen. Damit will man dem wilden Parkieren vorbeugen für den Fall, dass der bisher genutzte Parkplatz der Armee einmal aufgegeben wird.

Situation grundsätzlich anschauen

In Fischbach-Göslikon will man die Situation grundsätzlich überprüfen. Wir haben zwei sogenannte Hotspots im Dorf. Der eine ist die Sandbank, der andere das Fischbacher Mösli», erklärt Hans Peter Flückiger. Ins Mösli gelange man seit Jahrzehnten nur zu Fuss. Auch deshalb habe man dort kaum Probleme: «Es ist wohl aber auch ein anderes Publikum dort», glaubt der Gemeindeammann, «es gibt deutlich weniger Abfälle, die Besucher bräteln dort auch, aber sie nehmen ihren Güsel mit.» Unten bei der Sandbank hingegen würden oft auch Leute mit Böötli anlegen und picknicken: «Dort ist der Güselanfall deutlich höher», sagt Flückiger. Es gebe dort allerdings auch keine Abfallbehälter: «Das hatten wir früher, aber diese Kübel wurden nicht nur mit Abfall der Ausflügler gefüllt, sondern vielfach vor allem mit Hauskehricht.»

Wer ins Fischbacher Mösli gelangen will, kommt oft aus der Region zu Fuss oder stellt sein Auto auf den Parkplätzen beim Schulhaus oder im Schachen ab. Das laufe weitgehend geordnet ab, erklärt der Ammann. Für die Besucher der Sandbank wolle man jetzt ein Konzept erarbeiten: «Wenn wir die Zufahrt ohne flankierende Massnahmen sperren, parkieren die Ausflügler in den Quartieren oder stellen ihre Fahrzeuge unberechtigt auf den angrenzenden Wiesen ab. Das suchen wir mit einer durchdachten Regelung zu verhindern», erklärt Hans Peter Flückiger. Weil man keine Möglichkeit habe, einen grösseren Parkplatz für die Reussbesucher zu realisieren, prüfe man Alternativen: «Allenfalls können wir am Wochenende Firmenareale oder Übungsplätze dafür nutzen. Solche und ähnliche Möglichkeiten gilt es jetzt sauber abzuklären.»