«Elsa, nei, mach das ned! Elsa, meimeimei!», mit diesen Zeilen gewann Ueli Stampfli, besser bekannt als Troubadueli, vor einem Jahr nicht nur die Herzen der Zuschauer, sondern damit auch gleich das LiedermacherInnen-Fest Troubadix in Bremgarten. Dabei hatte er am Morgen jenes Tages noch gar nicht gewusst, dass er überhaupt teilnehmen würde. «Ich war nicht angemeldet, hatte aber zur Sicherheit meine Gitarre dabei», erinnert sich der 34-jährige gelernte Schreiner und heutige Sozialpädagoge lachend.

Er konnte für einen Troubadour einspringen, der kurzfristig absagen musste – und gewann gleich die gesamte Veranstaltung. «Scho chli fräch», sagt er grinsend. Aber: «Das zeigt, dass auch Leute, die sich noch nicht zu einer Anmeldung durchringen konnten, sich aber vorstellen könnten, ihre selbst geschriebenen Lieder vorzutragen, einfach ihre Instrumente mitbringen sollen. Man weiss ja nie.»

Zum dritten Mal im Freiamt

Spätestens seit dem vergangenen Jahr ist das Aargauer LiedermacherInnen-Fest, das 1999 erstmals in Kaisten durchgeführt wurde, auch im Freiamt gut bekannt. Zum ersten Mal war es allerdings 2006 in der Region, damals als Teil des RebschopfFolk-Festivals in Muri. Doch wie werden die Austragungsorte bestimmt? Troubadueli erklärt: «Jedes Jahr darf der Vorjahressieger mitbestimmen, wo das nächstjährige Troubadix ausgetragen werden soll. Es muss irgendwo im Aargau sein, am besten in der Nähe vom Wohnort des Vorjahressiegers.»

Letztes Jahr hatten die junge Berner Musikerin Julia Costa und ihre Freunde das Fest ins Reussstädtchen gebracht. «Weil ich aus Zug komme, haben wir uns einen Ort überlegt, der zumindest nahe der Zuger Kantonsgrenze liegt.» Die Zollbrücke sei dabei erst nur als Witz genannt worden. «Aber die Idee gefiel uns so, dass wir die Gemeinde anriefen – und dort gab man uns nicht nur die Erlaubnis, sondern stellte uns die Brücke auch noch kostenlos zur Verfügung», freut sich der Mitorganisator. «Und auch die Leute vom Restaurant Zollbrücke gleich daneben haben sich über unsere Idee gefreut und werden nun fürs leibliche Wohl sorgen.» Mit so viel Goodwill und Begeisterung hat selbst der ebenfalls sehr begeisterte Zuger nicht gerechnet.

Umso mehr freut er sich auf den Pfingstsonntag. Dann nämlich gibt es ab 10.30 Uhr in drei Blöcken je sechs Liedermacherinnen und Liedermacher aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland zu sehen und vor allem zu hören. «Sie singen über alles: Politik und Sozialkritik, aber auch Liebe, das Leben und alles dazwischen.» Die besten zwei jedes Blockes kommen anschliessend ins Finale, wo die rund 200 bis 300 erwarteten Zuschauerinnen und Zuschauer abstimmen können, wer den Titel nach Hause tragen darf.

Wettbewerb ohne Rivalität

«Das Schöne am Troubadix ist, dass es zwar schon einen Sieger gibt, dennoch aber keinerlei Rivalität herrscht, im Gegenteil.» Für Troubadueli, der nun zum fünften Mal antreten wird, ist das Troubadix ein Ort, wo man sich mit Gleichgesinnten trifft. «Man erfährt, was die altbekannten Liedermacher übers Jahr Neues produziert haben, kommt aber auch immer wieder in Kontakt mit neuen Leuten. Das gefällt mir persönlich sehr. Und auch als Neuling oder Zuschauer hat man es überhaupt nicht schwer, Kontakte zu knüpfen.»

Er selbst habe zwar keine ebenso einschneidenden Erinnerungen ans kleine Festival wie beispielsweise der Bremgarter Nick Spalinger, der auf einer Troubadix-Bühne seiner heutigen Frau den Heiratsantrag gemacht hat, «aber ich freue mich dennoch jedes Jahr sehr aufs Fest. Es ist schweizweit einzigartig», berichtet er fröhlich.

Welche Lieder er vortragen wird, weiss Troubadueli noch nicht. «Meine erste Bühnenerfahrung habe ich in einer Reggaeband gemacht, danach habe ich mich aber davon wegbewegt. Dieses Jahr bin ich irgendwie wieder zurückgekommen, so sind meine neuen Lieder sehr reggaelastig.» An Pfingstsonntag wird man erfahren, für welche er sich entschieden hat. Und, ob sein Wunsch in Erfüllung gegangen ist: «Es wäre toll, wenn sich mehr Frauen anmelden würden, dieses Jahr sind sie stark in der Unterzahl.»