Hägglingen
Aus «Riwisa» wird «Flex»: Das Familienunternehmen erfand sich immer wieder neu

Die Hägglinger Firma heisst nun wie der Mutterkonzern «Flex». Das vor 70 Jahren gegründete Familienunternehmen gliedert sich damit einem Unternehmen mit weltweit 200'000 Mitarbeitern an.

Jörg Baumann
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Gemeindeammann Urs Bosisio (rechts) übergibt Generalmanager Horst Beck demonstrativ eine Hägglinger Fahne.

Gemeindeammann Urs Bosisio (rechts) übergibt Generalmanager Horst Beck demonstrativ eine Hägglinger Fahne.

Jörg Baumann

In der damals armen Bauerngemeinde Hägglingen gründeten Martin Richner, sein Schwiegervater Adolf Wirth und sein Freund Joseph Sax 1946 die Firma Riwisa AG. Den 70. Geburtstag feierte das Unternehmen mit vielen Gästen und Freunden. Nun aber verschwindet der Namenszug Riwisa AG aus den Briefbögen.

Die Firma heisst ab sofort Flex Precions Plastic Solutions AG Switzerland – kurz: Flex. Dies, weil der amerikanische, weltweit tätige Konzern Flex das Familienunternehmen 2013 übernommen hat. Das teilte Generalmanager Horst Beck an der Geburtstagsfeier mit.

Flex International habe sich mit der Hägglinger Firma die richtige Braut angelacht, bemerkte Generalmanager Erich Dörflinger. Der Mutterkonzern produziere mit 200 000 Mitarbeitenden und Niederlassungen in 30 Ländern «fast alles» und sei in der Automobilindustrie bis zur Herstellung von Nike-Schuhgeweben tätig. In die Flex Hägglingen habe das Stammhaus in den letzten drei Jahren über zehn Millionen Franken investiert.

Die Gründergeneration des Hägglinger Unternehmens habe offenbar ursprünglich im Sinn gehabt, Strohhüte herzustellen, teilte Thomas Schwarz vom wichtigen Kunden Roche mit. «Wo wären wir heute, wenn das passiert wäre?», fragte er. Zum Glück hätten die Gründer Visionen gehabt und den Weg in die anspruchsvolle Kunststoffbranche mit guten Ideen, hervorragenden Mitarbeitern und mit einem einzigartigen Know-how angetreten.

Führender Anbieter

Seit Jahren gehört Flex Hägglingen mit über 360 Mitarbeitenden insbesondere im Medizinalbereich zu den führenden europäischen Anbietern in der Kunststoffverarbeitung. Das Unternehmen verfügt über jahrzehntelange Erfahrung für sorgfältig massgeschneiderte Kunststofflösungen.

Christian Morf von der Ems-Chemie AG richtete schöne Grüsse seiner obersten Chefin Magdalena Martullo-Blocher aus und erinnerte daran, dass die Ems und die Riwisa AG einmal gemeinsam einen Einhandhebel für Badezimmerarmaturen entwickelt hätten. Die nun in Flex umbenannte Firma sei ein leuchtendes Beispiel in der Industrie, weil sie nie den kurzfristigen Erfolg angestrebt habe.

Dorffahne als Zeichen

Der Transportunternehmer und Vize-Grossratspräsident Benjamin Giezendanner wünschte sich für die Wirtschaft gute Rahmenbedingen und gratulierte der jubilierenden Firma zu ihrem Geburtstag. Der eiserne Wille der Unternehmer und hochqualifizierte Mitarbeiter hätten den Erfolg gebracht. Demonstrativ schenkte der Hägglinger Gemeindeammann Urs Bosisio Generalmanager Horst Beck eine Hägglinger Fahne.

Die Riwisa AG werde mit dem Dorf verbunden bleiben, sei die Firma doch der wichtigste Arbeitgeber in Hägglingen. Der alte Firmenname werde auch deshalb bei der Bevölkerung in Erinnerung bleiben. «Hägglingen ist ohne Riwisa nicht denkbar.» Die Firma, besonders auch der Patron Martin Richner, der von 1963 bis 1981 Gemeindeammann von Hägglingen war, hätten viel zum Aufschwung der Gemeinde beigetragen.

Rauer Wind

Regierungsrat Urs Hofmann liess den Industriestandort Aargau und den Kunststoff-Cluster im südlichen Kantonsteil hochleben. Gerade die Exportfirmen müssten sich im rauen Wind der internationalen Konkurrenz «immer wieder neu erfinden». Das mache die Hägglinger Firma vorbildlich.