Freiamt
Aus für Magenbypass-Operationen in Muri?

Die Spitalliste könnte Übergewichtige zwingen, ab 2012 nach Baden oder Aarau auszuweichen. In Muri sollen keine Magenbypass-Operationen mehr durchgeführt werden.

maja sommerhalder
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Gerfried Teufelberger (rechts) wird ab Anfang 2012 im Spital Muri wohl keine übergewichtigen Patienten mehr operieren. eddy schambron/archiv

Gerfried Teufelberger (rechts) wird ab Anfang 2012 im Spital Muri wohl keine übergewichtigen Patienten mehr operieren. eddy schambron/archiv

«Meine Patienten haben eine jahrelange Leidensgeschichte. Für sie ist eine Magenverkleinerung die letzte Möglichkeit», sagt Gerfried Teufelberger, Chefarzt Chirurgie im Kreisspital für das Freiamt in Muri und Spezialist für operative Magenverkleinerungen.

Er und sein Team führen im Kantonsspital Baden und in Muri pro Jahr etwa 80 Magenverkleinerungs-Operationen an stark übergewichtigen Menschen durch – Tendenz steigend. «Der Magenumfang wird so deutlich reduziert und die Patienten können weniger Nahrung aufnehmen. Viele schaffen so eine langfristige Gewichtsreduktion.»

Magenbänder nur noch in Zentren?

Etwa die Hälfte der Patienten wird in Baden und die andere Hälfte in Muri operiert. Schon ab Anfang 2012 kann es aber sein, dass in Muri Schluss damit ist, wie Marco Beng, CEO des Regionalspitals Freiamt, erklärt. Grund sei die neue Spitalliste, die dann in Kraft trete: «Diese sieht in einigen Kantonen vor, dass es für die Adipositasbehandlung neu eine voll anerkannte Intensivpflegestation braucht, anstelle der heute in Regionalspitälern üblichen Intermediate Care.»

Das Aufrüsten lohne sich aber aus Kostengründen nur für die Adipositas-Chirurgie allein nicht, so Beng. Auch in der gesundheitspolitischen Gesamtplanung, welche die Stossrichtung für die Spitalliste festlegt, ist von einer Prüfung der Konzentration der Angebote die Rede. «Das könnte bedeuten, dass nur noch die Zentrumsspitäler Aarau und allenfalls Baden spezielle Operationen wie Magenbypässe anbieten dürften», so Beng. Entschieden ist jedoch noch nichts. Im April startet das Bewerbungsverfahren, im Herbst werden die Leistungsaufträge vergeben. Anfang Jahr tritt die neue Spitalliste in Kraft.

Arzt hofft auf Standort Muri

Chefarzt Gerfried Teufelberger hofft, dass er weiterhin in Muri seine übergewichtigen Patienten operieren kann: «Derzeit kann ich das Operieren gut mit meiner Chefchirurgen-Tätigkeit in Muri verbinden – beide Bereiche liegen mir am Herzen.» Es wäre für ihn zeitlich unmöglich, wenn er jedes Mal nach Baden fahren müsste. «Auch die Nachbetreuung der Patienten wäre deutlich komplizierter.»

Zudem könne er nicht alle Operationen an Kollegen delegieren: «Im Aargau gibt es nur wenige Spezialisten auf meinem Gebiet, in Baden bin ich der Einzige.» Das Kreisspital in Muri habe zudem viel Erfahrung bei operativen Magenverkleinerungen: «Es wäre sehr schade, wenn wir diese Kompetenz verlieren würden», so Teufelberger.

Risiko-Patienten in Baden

Mindestens 450 derartige Operationen hat er in seiner Karriere schon durchgeführt. Ein Eingriff mit Risiko, meint er: «Die Sterblichkeit liegt zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Bei stark Übergewichtigen oder Menschen mit gesundheitlichen Problemen ist das Komplikationsrisiko etwas höher.»

Würde dies nicht für Operationen im Kantonsspital Baden sprechen, das über eine bessere und grössere medizinische Infrastruktur als Muri verfügt? Teufelberger differenziert: «Risikopatienten werden schon heute in Baden operiert.» Aber auch Muri habe die nötige Infrastruktur, um bei Komplikationen einzugreifen.