Sarmenstorf
Aus für alte Tradition: Sternsinger ziehen nicht mehr von Tür zu Tür

Zum ersten Mal seit über 20 Jahren haben die Sarmenstorfer vergebens auf die kleinen Könige gewartet, die jedes Jahr an allen Haustüren ihre Lieder gesungen haben. Blauring und Jungwacht ersetzten das Sternsingen durch ein gemütliches Konzert.

Andrea Weibel
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Jahrzehnte lange Tradition zu Ende:

Jahrzehnte lange Tradition zu Ende:

Archiv / Pascal Meier

«Das Sternsingen hat uns einfach keinen Spass mehr gemacht. Jedes Jahr waren wir froh, wenn es vorüber war», sagt Fabian Boesiger, Scharleiter der Jungwacht Sarmenstorf. «Es war an der Zeit, etwas zu verändern, sonst wären die Leiter und die Kinder bald weg gewesen», ist er sich sicher.

Fabian Boesiger Der Scharleiter der Sarmenstorfer Jungwachtschar ist trotz Mindereinnahmen sehr zufrieden mit dem veränderten Sternsingen auf dem Schulhausplatz.

Fabian Boesiger Der Scharleiter der Sarmenstorfer Jungwachtschar ist trotz Mindereinnahmen sehr zufrieden mit dem veränderten Sternsingen auf dem Schulhausplatz.

Ganz abschaffen wollten sie den Brauch jedoch nicht. «Darum haben wir ihn jetzt nach unseren eigenen Vorgaben verändert.»

Schulhausplatz statt Haustür

Geblieben sind Könige und Lieder, jedoch in etwas veränderter Form. «Wir haben Bänke und Tische beim Schulhaus aufgestellt und alles mit Finnenkerzen dekoriert», berichtet Boesiger. Die gesamte Bevölkerung sei mittels Flyern zum neuen Sternsingen am 5. Januar eingeladen worden. «Es sind sicher 50 bis 60 Leute gekommen», ist er zufrieden. «Wir haben ihnen dann Suppe, Brot und Getränke serviert und ein kleines Konzert vorbereitet. Allerdings nicht mehr mit den traditionellen Liedern, sondern mit moderneren wie zum Beispiel ‹No Woman, No Cry› von Bob Marley.»

Den Gesang der rund 30 Kinder und 15 Leiter haben die Kinder mit Gitarre und verschiedenen Trommeln und Rasseln selbst begleitet. «Das hat vor allem den Kindern sehr viel Spass gemacht, und das war ja auch das Ziel», so Boesiger.

Nur noch drei Könige

«Wir hatten zwar mehr Aufwand, jedoch auch mehr Ertrag in Form von Spass und Motivation, was die Laune der Leiter und der Kinder gezeigt hat», ist der Scharleiter und Mitorganisator zufrieden. Das habe sich auch bei den Königen bemerkbar gemacht: «Früher waren wir in mehreren Gruppen im Dorf unterwegs und mussten viele Kinder und Leiter als Könige verkleiden. Das gefiel vielen nicht.»

Dieses Jahr waren es nur drei Könige. «Die Mädchen, die sich verkleidet haben, hatten Spass. Für uns hat sich die Umgestaltung des Brauches also gelohnt.»

1250 Franken für «Sternschnuppe»

Den ursprünglichen Zweck des Sternsingens haben Blauring und Jungwacht nicht aus den Augen verloren, jedoch ebenfalls etwas verändert. «Bisher haben wir die Einnahmen des Sternsingens der kirchlichen Stiftung Missio gespendet, die damit eine Mission in Kambodscha unterstützt hat», blickt Boesiger zurück. «Da wir aber wissen, dass es auch hier in der Schweiz bedürftige Menschen gibt, kommt der Erlös nun stattdessen der Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe in Zürich zu.»

Auch Zahlen kann er bereits nennen: «Wir haben rund 1250 Franken gesammelt, der Betrag wird vollumfänglich gespendet. Das ist zwar schon weniger als in vorhergegangenen Jahren, trotzdem sind wir damit vorerst nicht unglücklich. Das Geld stand für uns nicht im Vordergrund. Der Anlass hat viele positive Feedbacks gebracht», ist Fabian Boesiger mehr als zufrieden. «Und wir versuchen, die Einbusse bei den nächsten Anlässen dieser Art zu verringern.»