Die Einwohner von Niederwil waren dafür. Sie waren 2008 dafür, dass die Landwirtschaftszone im Gebiet Geere eingezont wird, um die Ansiedlung von Betrieben mit einer gewissen Wertschöpfung für die Gemeinde in Form von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen zu fördern. Sie waren 2009 dafür, dass die Gemeinde die Parzelle von insgesamt 1,85 Hektaren erwarb. 2010 sagten sie Ja zu einem ersten Gestaltungsplan für das Gebiet Geere.

Als sich 2012 die Taracell AG, Künten, für das Bauland in Niederwil interessierte, beschloss der Gemeinderat, von der ursprünglich geplanten Parzellierung in zehn flexible Baufelder abzuweichen, zugunsten einer Gesamtüberbauung. Die Niederwiler waren dafür. Sie stimmten am 23. Juni 2016 dem Vorvertrag mit der Taracell AG mit klaren 123 Ja zu 2 Nein bei 4 Enthaltungen zu. Als es an der Gemeindeversammlung vom 25. Juni darum ging, der für den Bau erforderlichen Teilzonenplanänderung in der Geere von Arbeitszone 1 in Arbeitszone 2 zuzustimmen, regte sich plötzlich Widerstand (die AZ berichtete). Das Projekt sei zu gross, es verschandle das Dorfbild, es verursache zu viel Lärm und es werde zum Klumpenrisiko für die Gemeinde, liessen sich drei Leserbriefschreiber aus Nesselnbach vor der Versammlung vernehmen. Einer von ihnen, Toni Rohrer, trat auch an der Versammlung auf und legte seine Einwände gegen die Zonenplanänderung und die damit verbundene Ansiedlung der Taracell AG dar. Die Versammlung stimmte dem Antrag des Gemeinderates dennoch, wenn auch mit nur 71 zu 57 Stimmen, zu.

Direkt nach der Versammlung informierte Toni Rohrer die Medien darüber, dass dem Gemeinderat eine Absichtserklärung zweier Nesselnbacher Unternehmen vorgelegen hätte, die das Gebiet Geere zum selben Preis wie die Taracell kaufen wollten. Er warf dem Gemeinderat öffentlich vor, diese Information den Einwohnern vorenthalten zu haben.

Gemeinderat legt Wert auf klare Sachverhalte

Aktuell sammelt Rohrer mit einem Referendumskomitee Unterschriften, um eine Urnenabstimmung über die Zonenplanänderung Geere zu erwirken. Dem Gemeinderat ist es ein Anliegen, vor einer allfälligen Abstimmung die Sachverhalte zu klären. In seiner gestern veröffentlichten Stellungnahme betont er, dass er über das Kaufinteresse der Hubschmid AG und der Recycling Energie AG erst am Morgen der Gemeindeversammlung informiert worden sei. Es habe aber keine Veranlassung gegeben, darüber zu informieren, denn das Kaufangebot wäre nur zum Zug gekommen, hätte die Gemeindeversammlung die Zonenänderung abgelehnt. «Der Gemeinderat wurde im Vorfeld von beiden Firmen nicht aufgefordert, ihre Interessensbekundung publik zu machen», heisst es in der Stellungnahme weiter. Auch Versammlungsteilnehmer, die von der Offerte wussten, hätten sich nicht zu Wort gemeldet. Durch die Publikmachung des Kaufangebotes hätte den Stimmberechtigten suggeriert werden sollen, dass auf dem Areal mehrere kleinere Betriebe angesiedelt würden. De facto ginge es dabei aber um einen Zonenabtausch Geere gegen Schällewärch, zugunsten einer Betriebserweiterung der beiden Offerenten. Das widerspreche dem mehrfach bekräftigten Willen des Niederwiler Stimmvolks. «In der Interessensbekundung steht vom beabsichtigten Zonenabtausch kein Wort», schreibt der Gemeinderat. Lärm und Verkehr seien in Künten kein Problem gewesen, und dem Ortsbild werde in der Planung auch Rechnung getragen.