Fischbach-Göslikon
Aus dem Sperrgebiet wird eine Naturschutzzone

Kanton und Gemeinde Fischbach-Göslikon waren sich punkto Schutzplanänderung zum Reussuferschutzdekret nicht überall einig.

Walter Christen
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Reussufer

Reussufer

Walter Christen

Ursprüngliche Flusslandschaften sind im Mittelland sehr rar geworden. Eines dieser letzten ursprünglichen Gebiete ist die Reuss, und zwar zwischen Bremgarten und der Aaremündung im Wasserschloss bei Windisch/Gebenstorf. Dieser Natur- und Erholungsraum mit seinen Auengebieten und einem Flachmoor von nationaler Bedeutung soll auch in Zukunft in seiner Einzigartigkeit erhalten bleiben. Dafür soll das sogenannte Reussuferschutzdekret (RUD) sorgen.

Es soll die Landschaft mit all ihren Lebensräumen vor zunehmenden Eingriffen schützen, um die natürliche Eigenart und Schönheit für die Menschen als auch die Tier- und Pflanzenwelt zu bewahren und zu fördern. Das Schutzdekret ist seit 1966 in Kraft. Doch auch dieser kantonale Schutzplan ist nicht in Stein gemeisselt.

Zusätzliche Grundstücke zur Naturschutzzone

Das RUD soll nun angepasst werden. Auslöser dafür ist die Gesamtrevision der kommunalen Nutzungsplanung der Gemeinde Fischbach-Göslikon. Die Hauptänderung: Reussnahe Grundstücke von Pro Natura und Staat, die seit der letzten Änderung 2002 erworben oder abgetauscht werden konnten, sollen der Naturschutzzone im RUD zugewiesen werden. Ursprünglich war zudem vorgesehen, dass die bestehenden Sperrzonen im RUD besser auf kommunale Landschaftsschutzzonen beziehungsweise Grenzlinien abgestimmt werden sollen.

Das Gebiet Höll sei aufgrund seiner baulichen Vorbelastung nicht als Kompensationsfläche geeignet

(Quelle: Kanton Aargau, Abt. Landschaft und Gewässer)

Davon sei man nun aber abgekommen, wie die Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons mitteilt. Grund dafür seien Gespräche mit dem Gemeinderat Fischbach-Göslikon, heisst es weiter. Der Planentwurf, der zwischen dem 21. Oktober und dem 19. November 2019 zur öffentlichen Mitwirkung auflag, hatte dies noch vorgesehen (die AZ berichtete). Damals kam eine Eingabe einer Privatperson, deren Fragen jedoch geklärt werden konnten.

Gemeinderat ist gegen eine Ausdehnung der Sperrzone

Gespräche mit dem Gemeinderat Fischbach-Göslikon und dessen offizielle Anhörung hätten gemäss Kanton zu folgendem Ergebnis geführt: Der Gemeinderat lehnt eine mögliche Ausdehnung der Sperrzone ab. Stattdessen soll die aufgrund des Richtplans erforderliche Ausdehnung der Landschaftsschutzzone mit dem Kulturlandplan erfolgen. Schliesslich führt dies vom raumplanerischen und landschaftlichen Schutzgehalt her betrachtet zum selben Ergebnis – der Richtplanauftrag werde auch so erfüllt.

Ein weiteres Ziel der Revision war es ursprünglich, die Abgrenzung der Sperrzone und somit ihre Nachvollziehbarkeit im Gelände zu verbessern. Der Gemeinderat wollte die Sperrzone um die Tote Reuss herum bis zur Hangkante reduzieren. Stattdessen wollte er das Gebiet Höll vollständig in den Dekretsperimeter integrieren.

In Letzterem befinden sich neben der ehemaligen gemeindeeigenen Kläranlage auch das Gebäude von Sportfischern, das Schützenhaus, der Scheibenstand sowie ein Fischweiher. Doch aufgrund seiner baulichen Vorbelastung beurteilte die Fachstelle des Kantons dieses Gebiet als nicht geeignet als Kompensationsfläche. Dennoch bekräftigte der Gemeinderat seine Haltung.

Laut Kanton führt das zu folgendem Fazit: Die Sperrzone bleibt im Rahmen der aktuellen Teilrevision unverändert. Einzige Ausnahme: die Sperrzone im Gebiet Grien/Stägacher, zu dem auch die Sandbank am Reussufer gehört. Hier wird die Sperrzone in die Naturschutzzone umgeteilt. Dabei galt der Grundsatz, dass sämtliche an die Reuss und ihre Altläufe angrenzende Naturschutzgebiete als Naturschutzzonen in den Perimeter des Reussuferschutzdekrets integriert werden.

Einwendung: nur schutzwürdige eigene Interessen

In der aktuellen Verfahrensphase der Planänderung dürfen nur jene Personen beim Kanton Einwendungen machen, die ein schutzwürdiges eigenes Interesse vorweisen können. Über die Einwendungen entscheidet der Regierungsrat.

Wichtig zu wissen: Wer seinen Einwand nicht bis zum Ende der Auflagefrist am 7. Februar in Aarau deponiert, obwohl Anlass dazu bestanden hätte, kann anschliessend den Entscheid nicht anfechten. Die Unterlagen liegen in der Gemeindekanzlei Fischbach-Göslikon und beim Kanton öffentlich auf.