Waltenschwil
Augenzeuge hält Vortrag über US-Bomber in Zugersee

Fredy Haegi war 1952 dabei, als ein US-Bomber aus dem Zugersee geborgen wurde. Haegi organisiert am 19. November in der Bannegg-Halle einen Vortrag über die spektakuläre Bergung.

Jörg Baumann
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Der im Zugersee gelandete US-Bomber wurde instand gestellt, an mehreren Örtlichkeiten der Schweiz ausgestellt und 1972 schliesslich verschrottet.

Der im Zugersee gelandete US-Bomber wurde instand gestellt, an mehreren Örtlichkeiten der Schweiz ausgestellt und 1972 schliesslich verschrottet.

zvg

1952 barg «Bomber-Schaffner» Martin Schaffner (1923–65) aus Suhr mit seinen Mitarbeitern in Zug einen US-Bomber, der 1944 bei einer Notwasserung in den Zugersee gestürzt war. «Ich schaute der Aktion zusammen mit meinem Vater und meinem Bruder zu», berichtet Fredy Haegi (67) aus Waltenschwil.

Fredy Haegi wuchs in Zug auf. Am 19. November bringt er den Zuger Lokalhistoriker Oskar Rickenbacher nach Waltenschwil, wo er in einem Vortrag über die Geschehnisse während des Fluges vor 70 Jahren und die Bergung des Bombers, die acht Jahre danach stattfand, berichten wird.

Ziel des Bombers war Augsburg

«Das Ereignis rund um den amerikanischen Bomber, einer «Fliegenden Festung», hat sich fest in mein Gedächtnis eingebrannt», sagt Haegi. Als fünfjähriger Bub fesselte ihn die Aktion, die «Bomber-Schaffner» 1952 zusammen mit den Tauchern Scherer und Schnellmann am Zugersee durchführten. «Viele Menschen haben damals zugesehen, wie das Wrack des Flugzeuges aus dem Wasser gehoben und an Land gezogen wurde. Die Zuger, unter ihnen auch meine Eltern, erinnerten sich noch daran, als der Bomber 1944 im See versank. Man fragte sich, was aus der Besatzung geworden sei.»

Die Fakten wurden erst nach dem Krieg bekannt. So erfuhr nun auch Fredy Haegi, dass der Bomber am frühen Morgen des 16. März 1944 von der Luftwaffenbasis Great Askfied in England gestartet war. Die Besatzung wollte die Messerschmitt-Flugzeugwerke und den Flugplatz bei Augsburg bombardieren.

Beim Beschuss durch deutsche Jagdflugzeuge scherte der Pilot Robert Meyer aus dem Bomberverband aus und entschied sich, Richtung Schweiz zu fliegen. An der Schweizer Grenze fingen M109-Jagdflugzeuge unserer Armee den Bomber ab. Das amerikanische Flugzeug wollte auf dem Flugplatz Dübendorf landen. Der Pilot musste von diesem Vorhaben ablassen, weil inzwischen drei Motoren ausgefallen waren.

Über Baar gab Meyer der Besatzung den Befehl, abzuspringen. Ein Besatzungsmitglied, Leutnant Robert Williams, kam dabei um, zwei andere wurden verletzt und ins Asyl in Baar verbracht. Der Pilot konnte den Bomber auf dem Zugersee wassern. «Bomber-Schaffner» zeigte das Flugzeugwrack nach der Bergung an mehreren Orten in der Schweiz. 1970 wurde es verschrottet. Bomber-Pilot Robert Meyer starb 1996.

Vortrag in Waltenschwil

Zufällig kam Fredy Haegi Jahrzehnte nach der Bergungsaktion beruflich mit der Fliegerei als Mitarbeiter im Personalberatungsdienst der Swissair und nachher der Swiss in Berührung. Als Pensionierter arbeite Haegi heute im Team des Dorfmuseums in Waltenschwil mit. «Ich schlug, als ich mich an die Ereignisse von 1952 erinnerte, meinen Kollegen vor, Fachmann Oskar Rickenbacher für den Vortrag über die Bergung des US-Bombers zu engagieren», sagt er. Rickenbacher hält sein mit Bildern dokumentiertes Referat am Mittwoch, 19. November, um 19.30 Uhr in der Bannegghalle in Waltenschwil. Der Eintritt ist frei.

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