von Yvonne Steiner (Text und Fotos)

Langsam humpelt der kleine Pinguin herbei. «Das ist Cedric, der vor vier Jahren an Betty’s Bay mit einem verdrehten Fuss gefunden wurde», stellt Marguerite Du Preez von SANCCOB (siehe grosser Kasten SANCCOP-Stiftung) den Kleinen vor. «Seit der Fuss-Amputation ist der Stumpf zu kurz, um richtig gehen zu können. Cedric wird für den Rest seines Lebens in der Station bleiben, wo er mit anderen Pinguinen zusammenlebt.» Betreuerin Du Preez kennt jeden der hier auf Dauer lebenden Pinguine mit Namen und kennt von jedem den Grund, weshalb er in der Station ist.

Behinderte, alte Pinguine

In der Zwischenzeit haben sich weitere Pinguine genähert: Milo mit krumm gewachsenem Schnabel, Peta mit nur einem beweglichen Flügel und Robin, der auf Robben Island geschwächt und auf einem Auge blind gefunden wurde. Die rund zwanzig dauerhaft anwesenden Pinguine könnten mit ihren Verletzungen in der Freiheit nicht überleben. Trotzdem scheinen die munteren Kerlchen mit dem Leben in der Station zufrieden zu sein. Würden einzelne von ihnen sonst das hohe Alter von bis zu 35 Jahren erreichen? Pinguine in Freiheit leben lediglich 10 bis 12 Jahre.

Helfer suchen kranke Tiere

Der Afrikanische Pinguin ist vom Aussterben bedroht. Er gehört zur Gattung der Brillenpinguine und lebt in Kolonien an den Stränden von Robben Island, Stony’s Point, Betty’s Bay und Boulders Beach bei Kapstadt. Teams von geschulten Helfern, die mit SANCCOB zusammenarbeiten, halten regelmässig nach ölverschmutzten, kranken oder verletzten Tieren Ausschau und informieren die Auffangstation, die das ganze Jahr rund um die Uhr besetzt ist.

Von den Eltern verlassen

Über zweihundert hilfebedürftige Pinguine werden derzeit von Angestellten und von freiwilligen Helfern aufgepäppelt. «Sind Pinguin-Eltern in der Mauser (Erneuerung d. Gefieders, Anm. d. Red.), können sie für ihre Jungen nicht auf Futtersuche gehen, da in dieser Zeit die Federn nicht wasserabstossend sind. Zudem benötigen auch von den Eltern verlassene Küken dringend unsere Hilfe», erklärt Marguerite Du Preez die hohe Zahl an jungen Pinguinen in der Auffangstation.

Pinguine beissen schon mal zu

Auf Hilfe angewiesene Pinguine sind meist geschwächt, gestresst und dehydriert, wenn sie in der Auffangstation eintreffen. Im Aufnahmebereich werden sie sogleich gewogen und mit einem Anhängeschild am Flügel gekennzeichnet. Beim anschliessenden Untersuch durch einen Tierarzt wird festgestellt, woran die Tiere leiden. «Von Menschen berührt zu werden, sind sich die Pinguine nicht gewohnt. Wenn sie nicht zu schwach sind, kann es sein, dass sie aus Angst beissen», erzählt Du Preez aus Erfahrung.

Verletzungen durch Angelschnüre

Die Pinguine werden oft durch Angelschnüre, Seehunde oder Haie verletzt. Je nach Schwere der Verletzung ist hin und wieder auch eine Operation notwendig. «Leider können wir einigen nicht helfen und müssen sie einschläfern», bedauert Du Preez.

Spielend die Fitness trainieren

Im Bereich der Intensivpflege werden die Pinguine mehrmals täglich mit Fischen gefüttert und es wird ihnen Flüssigkeit verabreicht. Je nach Erfolg der Behandlung bleiben sie drei bis fünf Tage in diesem Bereich der Station. Die schwächsten Tiere werden in dieser Zeit einzeln, die andern in kleinen Gruppen gehalten. In den letzten zwei bis drei Wochen der Rehabilitation gewinnen die Pinguine im Schwimmbecken ihre Fitness beim Spiel mit Artgenossen.

Minimaler Kontakt, viele Sardinen

Während des ganzen Aufenthaltes werden die Pinguine von Hand gefüttert, da der natürliche Jagdtrieb mit toten Fischen ausbleibt. SANCCOB benötigt rund 600 Kilogramm Sardinen pro Woche für die kleinen Patienten. Die Tiere gewöhnen sich oft schnell an das neue Leben in der
Station. Das Betreuungsteam von SANCCOB hält deshalb minimalen Kontakt zu den Tieren, um sie nicht an Menschen zu gewöhnen.

Zurück in die Freiheit

Einen mit Öl verschmutzten Pinguin zu säubern, dauert lediglich eine Stunde. Bis er sich jedoch so weit erholt hat, dass er vom SANCCOB-
Team wieder ausgesetzt werden kann, braucht es vier bis sechs Wochen. Erst wenn die Federn wasserfest und Infektionen abgeklungen sind sowie ein Minimalgewicht erreicht ist, kann ein Pinguin wieder freigelassen werden. Küken brauchen rund drei Monate bis sie alt genug sind, sich in Freiheit selbstständig ernähren zu können. «Einmal pro Woche bringen wir die gesunden und kräftigen Pinguine an Strände mit Kolonien oder lassen sie vom Boot aus direkt ins Meer», erklärt Marguerite Du Preez weiter.

Der rote Farbtupfer, den die Pinguine vor der Freilassung auf ihr Federkleid erhalten, bedeutet «kürzlich freigelassen» und wäscht sich von selbst wieder aus. Die Bevölkerung informiert SANCCOB, wo solche Tiere beobachtet wurden. «Es ist nicht möglich, jeden Pinguin dorthin zurückzubringen, wo er gefunden wurde. Entweder kämpft er sich den Platz in seiner Kolonie zurück oder sucht sich eine andere», schliesst Du Preez.

Akut vom Aussterben bedroht

Die Gründe dafür, dass der Afrikanische Pinguin auf der Liste der bedrohten Tiere verzeichnet ist, sind vielfältig: Die Zerstörung des Lebensraums durch die Ausbreitung der Menschen entlang der Küste von Kapstadt, die Überfischung sowie die Gewässerverschmutzung zum Beispiel durch ausgeflossenes Öl gehören dazu. Wenn Meeresvögel wie der Pinguin mit Öl in Kontakt geraten, verlieren die Federn den natürlichen Wasserschutz. Ölverschmutzte Tiere sind somit dem kalten Ozean hilflos ausgesetzt, können nicht auf Futtersuche gehen und dehydrieren.

Faktor Klima stiftet Durcheinander

Auch die globale Erwärmung ist eine Bedrohung für die Pinguine rund um Kapstadt. In den letzten Jahren wurden Pinguin-Küken später geboren als üblich. Bevor sie alt genug sind, um ihr Futter selber zu suchen, beginnt bei den Eltern bereits die Mauser und sie können ihre Jungen nicht ausreichend füttern. Zudem bewegen sich die Fischschwärme in andere Gegenden, was für die Pinguine längere Distanzen bei der Futtersuche zur Folge hat. Geht der Rückgang des Pinguin-Bestandes vor Südafrika im gleichen Masse weiter wie in den letzten 30 Jahren, so werden die Afrikanischen Pinguine in 16 Jahren ausgestorben sein.